EDF-Finanzchef wegen Streits über Atomkraftwerk zurückgetreten

Der Finanzchef des französischen Energiekonzerns EDF ist zurückgetreten. Grund ist der Streit um ein geplantes Atomkraft in Großbritannien. Der Manager halte das Milliarden-Projekt für finanziell zu riskant.

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Im Streit um das geplante britische Atomkraftwerk Hinkley Point C ist der EDF-Finanzchef des französischen Energiekonzerns zurückgetreten. Der Stromriese bestätigte am Montag den Rücktritt von Finanzdirektor Thomas Piquemal und benannte vorübergehend einen Nachfolger. Aus Unternehmenskreisen verlautete, der Spitzenmanager zweifle an der „kurzfristigen Machbarkeit“ des Projekts.

Piquemal hält das 18 Milliarden Pfund (23 Milliarden Euro) teure Vorhaben demnach für ein zu großes, finanzielles Risiko. Auch die Gewerkschaften bei EDF befürchten, die Finanzierung des Projekts könnte den bereits hoch verschuldeten Konzern überfordern und in seiner Existenz gefährden.

Der französische Stromkonzern ist am geplanten Bau von zwei Atomreaktoren im britischen Hinkley Point beteiligt. Es sind seit mehr als zwei Jahrzehnten die ersten Atomreaktoren in Großbritannien, die neu gebaut werden sollen. EDF soll zwei Drittel der Kosten finanzieren, ein weiteres Drittel der chinesische Atomkonzern CGN.

Eine endgültige Investitionsentscheidung des Stromriesen EDF, der zu 84,5 Prozent dem französischen Staat gehört, steht noch aus. EDF erklärte am Montag erneut, eine Entscheidung solle „in naher Zukunft“ fallen.

Noch am Donnerstag hatten Frankreich und Großbritannien versichert, das Projekt sei ein „Pfeiler“ ihrer Beziehungen. Das Projekt sei ein „Schlüsselelement“ der britischen Energiepolitik und biete die Garantie einer sicheren, CO2-freien Stromversorgung. Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte den Bau des Atomkraftwerks als „sehr gute Investition“ für EDF bezeichnet.

In der Europäischen Union sorgt das geplante Kraftwerk schon seit längerem für Streit: Die EU-Kommission hatte im Oktober 2014 erlaubt, dass London die beiden Meiler mit Steuergeldern bezuschusst. So sicherte Großbritannien dem Betreiber unter anderem einen garantierten Stromabnahmepreis für die ersten 35 Jahre zu.

Dagegen klagte im Sommer 2015 Österreich, mehrere deutsche Stadtwerke schlossen sich an. Die Subventionen sind ihrer Ansicht nach eine unrechtmäßige Beihilfe.

Der Rücktritt von EDF-Finanzchef Piquemal ließ am Montag den Aktien-Kurs des Konzerns einbrechen: An der Paris Börse gaben die Aktien am Vormittag vorübergehend um knapp acht Prozent nach.

In Berlin erklärte die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, die „Nichtfinanzierbarkeit der Atomkraft“ werde „immer offensichtlicher“. Hinkley Point C sei ein „Irrsinnsprojekt“. Die Bundesregierung müsse sich für einen „konsequenten Atomausstieg in Europa“ stark machen.

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