Nach Daten aus China: Europas Börsen geben nach

Der europäische Börsenhandel verzeichnete am Dienstagmittag Verluste. Vorausgegangen waren schwache Konjunkturdaten aus China. Dort brach der Export im Februar stark ein, was die Sorgen der Anleger vor einer Abkühlung der globalen Konjunktur verstärkte.

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Der Dax in der 5-Tages-Sicht. Die europäischen Börsen haben erheblich nachgegeben. (Grafik: ariva.de)

Der Dax in der 5-Tages-Sicht. (Grafik: ariva.de)

Aus Furcht vor geringeren Unternehmensgewinnen im wichtigen China-Geschäft haben sich Anleger am Dienstag aus europäischen Aktien zurückgezogen. Die Kurse von Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils rund 1,5 Prozent. Der britische Leitindex lag am Mittag mit rund einem Prozent, der französische CAC 40 mit rund 1,5 Prozent und der Schweizer SMI mit etwa 0,75 Prozent im Minus.

Genährt wurden die Sorgen der Anleger von enttäuschenden chinesischen Konjunkturdaten. Die Exporte des Landes brachen im Februar um etwa ein Viertel ein. Auch das Minus bei den Einfuhren fiel höher aus als erwartet. „Der Konsum kommt nicht in Gang“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. „Die Regierung in Peking wird Schwierigkeiten haben, ihre Wachstumsziele zu erreichen.“

Die Schwäche der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft schlug auch an den Rohstoffmärkten durch. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 40,19 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer fiel zeitweise um 1,7 Prozent auf 4915 Dollar je Tonne. In dessen Sog büßten die Aktien der Bergbaukonzerne Anglo American, Antofagasta, BHP Billiton, Glencore und Rio Tinto in London um bis zu sieben Prozent ein.

Vor diesem Hintergrund investierten Anleger in „sichere Häfen“. Gold verteuerte sich auf bis zu 1275,60 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und blieb damit nur vier Dollar unter seinem 13-Monats-Hoch der Vorwoche. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, notierte mit 165,88 Punkten weniger als einen Zähler unter seiner bisherigen Bestmarke.

Insgesamt blieben die Umsätze an den europäischen Börsen jedoch schwach. Viele Anleger hielten sich vor den Sitzungen der Europäische Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed zurück. An den Börsen gilt als sicher, dass die europäischen Währungshüter die Geldpolitik am Donnerstag weiter lockern werden, um die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden. Dies bedeute aber auch, dass die EZB Gefahr laufe, wie im Dezember die hoch gesteckten Erwartungen zu enttäuschen, warnte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

Dagegen sei die Fed-Führung gespalten. Die einen wollten mit weiteren Zinserhöhungen warten, um den Aufschwung nicht abzuwürgen, betonten die Analysten der Essener National-Bank. Die anderen plädierten für straffere, geldpolitische Zügel, um eine davongaloppierende Inflation zu verhindern. Die Kurse am Terminmarkt deuten allerdings darauf hin, dass Anleger die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung in der kommenden Woche bei null Prozent sehen. Dies machte dem Dollar am Dienstag erneut zu schaffen. Der Euro wertete weiter auf und verteuerte sich auf 1,1023 Dollar.

Am Aktienmarkt ließen sich Anleger von den schwachen Zahlen bei RWE und den Problemen im Großbritannien-Geschäft nicht beirren. Die Aktie des Versorgers arbeitete sich nach anfänglichen Verlusten ins Plus vor und war mit einem Kursgewinn von 0,5 Prozent der einzige Gewinner im Dax. „Die schlechten Nachrichten sind alle durch und es gab keine weiteren negativen Überraschungen“, sagte ein Börsianer. „Positiv wirkt auch, dass man die Probleme in Großbritannien jetzt konkret angeht.“ Im Rahmen der Sanierung werden bei der britischen RWE-Tochter npower 2400 Jobs – rund ein Viertel aller Stellen – gestrichen.

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