Sparkassen-Gruppe kritisiert Aktionismus der EZB

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Gruppe warnen vor weiteren expansiven Schritten der Europäischen Zentralbank. Diese hätten bisher kaum positive Wirkungen auf die europäische Wirtschaft gehabt und würden die Situation wahrscheinlich sogar noch verschlimmern. Besonders eine mögliche Vertiefung der Negativzinsen steht in der Kritik.

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Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe warnen mit Blick auf die anstehenden geldpolitischen Entscheidungen im Euroraum vor weiteren expansiven Maßnahmen der EZB. Diese könnten ihnen zufolge kaum mehr positive Wirkungen auf die Wirtschaft entfalten. „Vor allem leistet die EZB mit übereilten geldpolitischen Maßnahmen einer Krisenstimmung und damit einem weiteren Vertrauensverlust im Euroraum Vorschub“, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier, das am Dienstag in Berlin vorgelegt wurde. Weitere geldpolitische Maßnahmen könnten damit sogar kontraproduktiv wirken.

In dem Positionspapier wird der EZB stattdessen empfohlen, sich für einige Zeit von dem Ziel einer Inflationsrate nahe bei 2 Prozent zu lösen. „In einer Zeit ausgeprägter Wirtschaftsschwäche, wie sie derzeit herrscht, ist dieses Ziel ohnehin nur schwer zu erreichen“, sagte Dr. Michael Wolgast, Chefvolkswirt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). „Die Glaubwürdigkeit der Notenbank droht Schaden zu nehmen, wenn sie permanent trotz höchstem Aktionismus ihre eigenen Ziele verfehlt.“

Die Chefvolkswirte warnen auch vor Problemen für die Finanzstabilität, sollte die EZB die negativen Zinsen weiter ausdehnen und verschärfen. „Damit entstehen bereits heute neue Risiken und enorme Nebenwirkungen etwa für Banken und Finanzmärkte, die mit Blick auf die Finanzmarktstabilität kritisch sind“, so Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, die die gemeinsame Positionierung der Chefvolkswirte mit vorbereitet hatte.

Aktuell sehen die Chefvolkswirte anders als die EZB keine Deflationsgefahr. In einem erstmals gemeinsam erstellten Inflationsausblick für den Euroraum erwarten sie stattdessen steigende Inflationsraten, die spätestens im Jahr 2018 auch ohne zusätzliche Maßnahmen nahe an dem Zielwert von 2 Prozent liegen sollten. In besonderen Wirtschaftslagen – wie derzeit mit hohen Unsicherheiten und Volatilitäten – bleibe die ruhige Hand der Notenbank daher mehr denn je gefordert.

Unterzeichner der aktuellen Studie sind neben Wolgast und Traud auch Uwe Burkert (LBBW), Uwe Dürkop (Berliner Sparkasse), Folker Hellmeyer (Bremer Landesbank), Jochen Intelmann (Haspa), Dr. Ulrich Kater (DekaBank), Dr. Jürgen Michels (Bayern LB), Dr. Cyrus de la Rubia (HSH Nordbank) und Dr. Torsten Windels (NordLB).

Das gesamte Positionspapier finden Sie hier.

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