Terror-Miliz: Russen ziehen als Verlierer aus Syrien ab

Die zu al-Kaida gehörende Terror-Miliz al-Nusra will den Abzug der Russen aus Syrien für neue Angriffe nutzen. Die Russen seien abgezogen, weil sie eine Niederlage erlitten hätten. Die Terror-Gruppe will nun auf Latakia vorrücken. Die Drohungen sind nur bedingt ernstzunehmen.

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Russlands Präsident Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Montag im Kreml. Sie wollen weiter Luftschläge gegen die Terror-Miliz führen. (Foto: EPA/MIKHAIL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL)

Russlands Präsident Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Montag im Kreml. (Foto: EPA/MIKHAIL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL)

Nach dem begonnenen Abzug eines Teils der russischen Truppen aus Syrien bereitet die islamistische al-Nusra-Front eine neue Offensive vor. „Es ist klar, dass Russland eine Niederlage erlitten hat, und binnen 48 Stunden wird die al-Nusra eine Offensive in Syrien starten“, sagte ein Kommandeur der Al-Kaida-nahen Extremistengruppe am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. „Ohne die russischen Luftangriffe wären wir längst in Latakia.“ Die Provinzhauptstadt ist für Russland strategisch entscheidend, weil sich dort ein Marine- und ein Luftwaffenstützpunkt der Russen befinden. Diese werden weiter von den Russen betrieben. Die Russen können innerhalb kurzer Zeit wieder aktiv werden. Außerdem hatten die Russen ganz bewusst gesagt, dass sie nur einen Teil ihrer Truppen abziehen werden. Man kann daher davon ausgehen, dass die Drohungen der al-Nusra eher in den Bereich der Kriegspropaganda einzuordnen sind. Realistische militärische Chancen dürften die Kämpfer in Latakia aktuell nicht haben.

Die al-Nusra ist lange von den USA finanziert und ausgerüstet worden, erst im Zuge der Verschiebung des Gleichgewichts in Syrien sind die Amerikaner auch offiziell von al-Nusra abgerückt. Es ist allerdings unklar, inwieweit es noch eine Zusammenarbeit gibt, etwa über die CIA.

Die russische Luftwaffe hatte Ende September begonnen, Angriffe zur Unterstützung der syrischen Regierungstruppen zu fliegen. Nach Angaben Moskaus richteten sich die Bombardements gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), die al-Nusra-Front und andere militante Islamistengruppen.

Am Montag verkündete Russlands Präsident Wladimir Putin überraschend das Ende der russischen Militärengagements in Syrien. Das Militär habe seine Aufgabe, Terroristen zu bekämpfen, weitgehend erfüllt, sagte er zur Begründung.

Am Dienstag starteten die ersten Bomber vom Typ SU-34 sowie Tu-154-Transportmaschinen vom Stützpunkt Hmeimim in Richtung Russland. Die russische Luftwaffe werde aber weiter „terroristische Ziele“ aus der Luft angreifen, erklärte Vize-Verteidigungsminister Nikolai Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen. „Es ist noch zu früh, um von einem Sieg über die Terroristen zu sprechen“, sagte der General.

In Syrien gilt seit Ende Februar eine Waffenruhe – die IS-Terror-Miliz sowie die al-Nusra-Front und ihrer Verbündeten sind davon aber ausgenommen. In Genf laufen derzeit indirekte Verhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der Opposition über die Beendigung des Bürgerkriegs.

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