China: Handelsbilanz ist besser als die Zahlen vermuten lassen

Die Abschwächung der Konjunktur in China ist offenkundig moderater, als die Zahlen vermuten lassen. Zahlreiche Faktoren zeigen, dass es sich um kurzfristige Phänomene handelt. Der Rückschluss auf einen möglichen Crash ist unzulässig.

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Einer Analyse der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zufolge müssen bei der Beurteilung der chinesischen Handelszahlen einige wichtige Aspekte berücksichtigt werden, die die Zahlen in einem weit weniger dramatischen Bild erscheinen lassen als allgemein kommentiert wird.

Im Februar waren Exporte (minus 25 Prozent) und Importe (minus 14 Prozent) des Landes stark zurückgegangen, was neue Sorgen vor einer Schwäche der chinesischen Volkswirtschaft aufkommen ließ. Die Helaba weist jedoch auf eine Reihe von Faktoren hin, welche die Aussagekraft der Daten beeinträchtigen.

Hierzu gehört, dass die Daten nicht saisonbereinigt veröffentlicht werden. Dies sei wichtig, weil es ein saisonales Muster in Chinas Außenhandel gibt – dieser ist gegen Jahresende meist stark, zu Jahresbeginn eher schwach ausgeprägt. Eine Untersuchung der Ein- und Ausfuhren auf Monatsbasis ist deswegen schwierig, besser wäre aus Sicht der Helaba der Vergleich mit dem Vorjahresmonat.

Ein weiteres Problem hängt mit dem Neujahrsfest zusammen: „Da sich die Feiertage zum Neujahr – viele Chinesen haben eine ganze Woche frei – in erheblichem Maße auf wirtschaftliche Größen auswirken (Konsumausgaben, Reisen, Produktionsausfälle usw.), gibt es im ersten Quartal des Kalenderjahres einen massiven Sondereffekt, der nicht an einen bestimmten Tag bzw. noch nicht einmal an einen bestimmten Monat gebunden ist. Diese Verzerrung führt dazu, dass selbst die Vorjahresrate betroffener Reihen von Januar bis Februar nur eingeschränkt interpretierbar ist, weil das Timing des Neujahrs zu Ausschlägen führt. Das kräftige Minus von 25 Prozent im Februar 2016 ist daher vor allem einem massiven Plus 2015 geschuldet“, schreiben die Analysten der Landesbank.

Der nominale Charakter der Daten ist ebenfalls ein Problem. Für die meisten Zwecke, insbesondere für die Konjunkturanalyse, sind reale oder Volumengrößen aussagekräftiger als Daten in laufenden Preisen. Denn Preise unterliegen Schwankungen. So resultierte das Minus bei den Importen im Februar aus Sicht der Helaba zu einem beträchtlichen Teil aus sinkende Preisen, nicht aus geringeren Mengen.

Hinzu kommt das Problem der schwankenden Wechselkurse. „Da die chinesischen Handelsdaten in US-Dollar veröffentlicht werden, besteht die Möglichkeit, dass größere Schwankungen des Yuan zu statistischen Verzerrungen führen. Um diesen Effekt quantifizieren zu können, wäre es jedoch erforderlich zu wissen, in welchem Umfang der Außenhandel Chinas in Yuan, in US-Dollar oder in Drittwährungen abgewickelt wird. Auch ist unklar, ob die chinesischen Statistiker diese Information überhaupt abfragen oder ob die zuständige Zollbehörde nur Daten auf Dollar- oder nur auf Yuan-Basis erhebt und diese dann eigenständig umrechnet“, heißt es in der Publikation.

Wie Konjunkturdaten anderer Länder auch sind die chinesischen aus Sicht der Helaba zu hinterfragen. Aktuell würden diese wohl aus mehreren Gründen die Schwäche der chinesischen Binnennachfrage ebenso wie die Entwicklung der chinesischen Exporte überzeichnen. Rechnet man diese Faktoren heraus, zeichnet sich ein etwas moderateres Bild von Chinas Wirtschaft ab.

Die gesamte Publikation der Helaba „Chinas Außenhandel: Alles klar?“ finden Sie hier.

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