Augenzeuge Brüssel: Arabische Rufe, Explosion, Panik

Ein Augenzeuge schildert der Nachrichtenagentur Reuters den Hergang des Anschlags. Seine Darstellung deutet darauf hin, dass eine Bombe in einem Gepäckstück versteckt worden sein dürfte. Die Umstehenden hatten nach der Explosion kaum eine Chance zu entkommen.

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Reuters berichtet:

Die Beine einiger Opfer der Explosionen auf dem Flughafen Brüssel sind nach den Worten eines Augenzeugen förmlich zerschmettert worden. „Ich habe geholfen, fünf Tote rauszutragen“, sagte der Flughafenmitarbeiter Alphonse Youla. „Ihre Beine waren kaputt, als wenn eine Bombe in einem Gepäckstück explodiert ist“, sagte der 40-Jährige zu Reportern. Seine Hände waren blutverschmiert, „von den Leuten, die ich rausgetragen habe“. Er habe vor der ersten Explosion einen Mann etwas auf Arabisch rufen hören. „Dann brach die Platten-Decke des Flughafens ein.“

Der Rundfunksender VRT meldete, 81 Menschen seien verletzt worden, viele an den Beinen. Auch das lässt darauf schließen, dass sich eine Bombe in einem Gepäckstück auf dem Fußboden befunden hat. Die Staatsanwaltschaft erklärte, eine der beiden Explosionen auf dem Flughafen sei wahrscheinlich durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden. Mindestens elf Personen starben auf dem Flughafen.

Eine Passagierin berichtete, nach der Explosion hätten die Menschen in Panik versucht, irgendwo Schutz zu finden. „Uns gelang es, ins Flugzeug zu kommen, aber die Maschine startete nicht“, sagte sie. Später seien die Passagiere mit Bussen weggebracht worden.

Samir Derrouich, der im Restaurant Autogrill arbeitet, sagte über die Explosionen: „Die waren fast gleichzeitig. Es war eine Apokalypse.“

Bei mehreren Bombenanschlägen in der belgischen Hauptstadt Brüssel sind am Dienstag Medienberichten zufolge mindestens 26 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Elf Todesopfer habe es am Flughafen Brüssel gegeben, meldete die Agentur Belga unter Berufung auf die Feuerwehr. Die Staatsanwaltschaft geht Medienberichten zufolge von einem Selbstmordanschlag aus. Zu einer weiteren Explosion kam es in der Metrostation Maelbeek. Dort seien 15 Menschen ums Leben gekommen, meldete der Sender RTBF unter Berufung auf die Verkehrsbetriebe. Die Behörden stellten den gesamten öffentlichen Nahverkehr in Brüssel ein. Auch alle Flug- und Zugverbindungen von und nach Brüssel wurden unterbrochen. Die Bürger wurden aufgefordert, dort zu bleiben, wo sie gerade seien. Für das gesamte Land wurde die höchste Sicherheitsstufe 4 verhängt.

In Berlin richtete das Auswärtige Amt einen Krisenstab ein. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem schwarzen Tag für Europa. „Wir stehen fest an der Seite der Belgier“, erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter. Frankreichs Präsident Francois Hollande kündigt eine Sondersitzung seines Sicherheitskabinetts an. Der britische Premierminister David Cameron berief seinen Krisenausschuss Cobra ein. EU-Ratspräsident Donald Tusk twitterte: „Die EU gibt Brüssel Solidarität zurück und wird Brüssel, Belgien und Europa helfen, der Bedrohung durch den Terror entgegenzutreten.“

In der Abflughalle des Flughafens Zaventem gab es zwei Detonationen. Die Nachrichtenagentur Belga berichtete auch von Schüssen. Zudem seien vor den Detonationen Rufe auf Arabisch zu hören gewesen. Der Flughafen wurde geschlossen, Passagiere und Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. Flüge nach Brüssel wurden unter anderem nach Frankfurt und Düsseldorf umgeleitet. Über dem Gebäude stiegt Rauch auf. Fensterscheiben in der Fassade barsten. Die Decke der Abflughalle stürzte teilweise ein. Menschen rannten in Panik aus dem Gebäude. Der Sender Sky News in London meldete, eine Explosion habe sich in der Nähe des Schalters der Fluggesellschaft American Airlines ereignet. Diese teilte mit, alle ihre Mitarbeiter seien unverletzt.

Die andere Explosion ereignete sich in einer Metrostation in der Nähe der Institutionen der Europäischen Union (EU). dabei seien 15 Menschen getötet worden, meldete der Sender RTBF. Medienberichten zufolge kam es zu der Explosion, als eine U-Bahn im morgendlichen Berufsverkehr in den Bahnhof einfuhr. Auf Fotos ist ein völlig zerstörter U-Bahnwaggon zu sehen. Nur wenige hundert Meter entfernt liegen an der nächsten Metro-Station die Gebäude der EU-Kommission und des EU-Rates. Beide Institutionen wiesen ihre Mitarbeiter an, zu Hause zu bleiben oder EU-Gebäude nicht zu verlassen. Nur rund 100 Meter von der Station entfernt liegt auch die deutsche EU-Vertretung. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. „Die deutsche Botschaft in Brüssel bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche von den Explosionen betroffen sind“, erklärte ein Sprecher.

Die Bundespolizei erhöht ihre Maßnahmen an den deutschen Grenzen, insbesondere zu Belgien, Frankreich, Niederlande und Luxemburg. Zudem wurde einem Sprecher zufolge der Schutz von Flughäfen und Bahnhöfen verstärkt. Auch in den benachbarten Niederlanden erhöhte die Armee die Sicherheitsvorkehrungen an Grenzen und Flughäfen.

Am Freitag hatten die belgischen Sicherheitskräfte den mutmaßlichen Hauptverdächtiger der Anschläge von Paris festgenommen, bei denen im November 130 Menschen getötet worden waren. Zu den Attentaten hatte sich die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) bekannt. Die belgische Polizei hatte Vergeltungsaktionen nicht ausgeschlossen.

Die Explosionen in Brüssel haben Anleger aufgeschreckt. Sie verkauften Aktien und den Euro und nahmen Kurs auf „sichere Häfen“ wie Gold, Anleihen oder Schweizer Franken. Dagegen verloren Dax und EuroStoxx50. Der Leitindex der belgischen Börse büßte 0,7 Prozent ein. Der Euro verbilligte sich um rund einen halben US-Cent auf 1,1201 Dollar und fiel zeitweise auf 1,0875 Franken und 124,64 Yen – jeweils den tiefsten Stand seit etwa zwei Woche.

Am Aktienmarkt warfen Investoren vor allem Touristik-Werte aus ihren Depots. Die Papiere von Lufthansa, Air France, die British Airways-Mutter IAG sowie der Billig-Flieger Ryanair und EasyJet fielen. Die Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook büßten bis zu 5,1 Prozent ein und die Hoteliers Accor und Intercontinental rutschten um bis zu 3,8 Prozent ab. Der europäische Branchenindex notierte 2,1 Prozent im Minus.

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