Schwere Ausschreitungen im griechischen Flüchtlingslager

Kurz vor der Abschiebung der ersten Flüchtlinge in die Türkei ist es in einem Hotspot auf der griechischen Insel Chios zu Ausschreitungen gekommen. Die Flüchtlinge haben gegen ihre Internierung im Lager protestiert. Die Polizei setzte Blendgranaten ein. Hunderte Flüchtlinge sind aus dem Lager geflohen.

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Wenige Tage vor dem Beginn der Abschiebungen in die Türkei sind zahlreiche Flüchtlinge gegen ihre Internierung auf der griechischen Insel Chios Sturm gelaufen. Bei nächtlichen Auseinandersetzungen wurden drei Flüchtlinge so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten, wie die Nachrichtenagentur ANA am Freitag berichtete. Amnesty International warf der Türkei vor, schon seit Wochen massenhaft Syrer abzuschieben.

Die Polizei setzte ANA zufolge in Chios Blendgranaten ein, um die Proteste aufzulösen. Das Lager Vial auf der Ägäis-Insel ist für 1200 Menschen ausgelegt, allerdings harrten dort zuletzt 1500 Flüchtlinge aus. Die Demonstrationen begannen am Donnerstagabend, als die Menschen forderten, das Lager verlassen zu dürfen. Zu der Gewalt kam es dann in der Nacht. Dabei wurden auch Teile des Lagers beschädigt, darunter die Krankenstation.

Dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zufolge erlitten die Verletzten in Chios Stichwunden. Auch in Lagern auf den griechischen Inseln Lesbos und Samos verschlechterten sich die Bedingungen zusehends, außerdem seien sie überfüllt. Das UNHCR forderte zudem die an dem EU-Türkei-Abkommen beteiligten Länder dringend auf, die nötigen Sicherheitsmaßnahmen bei den geplanten Abschiebungen einzuhalten.

Nach den Ausschreitungen haben gegen Freitagmittag nach Behördenangaben mehrere hundert Menschen das Internierungslager verlassen. Wie die Regierung in Athen mitteilte, suchten sie auf der Insel nach geeigneteren Unterkünften. Einige Medien berichteten, die Flüchtlinge hätten das Tor des Lagers aufgebrochen, um nach draußen zu kommen.

Der staatliche Fernsehsender ERT berichtete, unter den etwa 700 Ausgebrochenen seien zahlreiche Familien. Eskortiert von Polizisten waren sie zu Fuß unterwegs zum etwa 20 Kilometer entfernten Inselhauptort Chios.

Am Montag soll die Umsetzung des Abkommens starten. Es sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die seit dem 20. März in Griechenland ankamen oder noch ankommen werden, in die Türkei zurückgeschickt werden. Im Gegenzug sollen die EU-Länder für jeden zurückgeschickten Syrer aus den Flüchtlingslagern in der Türkei einen syrischen Flüchtling auf legalem Wege aufnehmen.

Auf Chios befindet sich einer von fünf sogenannten Hotspots in Griechenland. In den Registrierungslagern werden die Flüchtlinge bis zu ihrer Abschiebung in die Türkei neuerdings eingesperrt. Auch im überfüllten Lager von Piräus nahe Athen hatte es am Donnerstag Zusammenstöße zwischen Syrern und Afghanen gegeben, dabei wurden acht Menschen verletzt.

Am Donnerstagabend bestätigte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in einer Fernsehansprache, dass die Umsetzung des Plans wie geplant am Montag starten solle. Aus Athen fehlte dazu aber zunächst noch die rechtliche Grundlage. Dort beriet das Parlament am Freitag über ein Gesetz, das die Details des Abkommens regelt. Mit einem Votum wurde noch im Laufe des Tages gerechnet.

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