HSBC-Chef: Sorgen um China werden übertrieben

Dem Chef der Großbank HSBC zufolge ist der Pessimismus bezüglich Chinas Entwicklung übertrieben. Andererseits werde das bisher Erreichte von internationalen Kommentatoren allzu oft unterschätzt. Beobachter hatten in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Zweifel an der chinesischen Wirtschaft besonders häufig von den Finanzzentren New York und London ausgehen.

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Der Chef der britischen Großbank HSBC, Stuart Gulliver, sagt, dass die Zweifel an der chinesischen Wirtschaftsentwicklung an den Märkten häufig übertrieben werden, wie Financial Times schreibt. Dagegen werde die Fähigkeit des Landes, sich zu reformieren, tendenziell unterschätzt. In der jüngsten Vergangenheit hatten bereits andere Vertreter der Finanzbranche auf diesen Umstand hingewiesen – etwa der Chef der Credit Suisse, der eine „Obsession“ hinsichtlich der zurückgehenden Wirtschaftsleistung Chinas erkannte.

Gulliver argumentiert, dass China allein aufgrund seiner schieren Größe in seiner Entwicklung nicht mit anderen Schwellenländern vergleichbar sei und nicht notwendigerweise die gleichen Hindernisse zu überwinden habe. „Während ich den Pessimismus einiger Beobachter bezüglich China nachvollziehen kann, stimme ich damit fundamental nicht überein“, sagte Gulliver Financial Times zufolge am Donnerstag bei einem Bankenanlass in Hongkong. „Die Turbulenzen der vergangenen Monate demonstrieren die Notwendigkeit, den Teufelskreis der Verdächtigungen hinsichtlich Chinas Zielen und seiner Bereitschaft zu Reformen zu zerbrechen.“

Chinas vergleichsweise langsamer Fortschritt bei marktwirtschaftlichen Reformen und seine starke Kontrolle über den Finanzmarkt seien nicht zwangsläufig Zeichen bevorstehender Schwierigkeiten, so HSBC-Chef. „Zur gleichen Zeit akkumuliert der Privatsektor ausländische Direktinvestitionen und Einkommensströme. All das bedeutet, dass es keinen Grund gibt, warum Chinas Wirtschaft nicht fähig sein sollte, einen flexibleren Wechselkurs seiner Währung zu verarbeiten.“

Einige Beobachter weisen darauf hin, dass Spekulationen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft in erster Linie aus den etablierten Finanzzentren New York und London stammen würden. So schreibt die Bremer Landesbank in ihrem Briefing vom Mittwoch bezüglich des chinesischen Wirtschaftswachstums: „Während der letzten 15 Monate wurde maßgeblich aus den Zentren New York und London das Thema der ausgeprägten Konjunkturschwäche Chinas lanciert und in der Folge an den Märkten diskontiert. Wir haben uns bewusst diesen Sichtweisen nicht angeschlossen. Die Tatsache, dass Chinas Wachstum per 2015 schlussendlich den Prognosewerten entsprach (BIP 2015 +6,93%, Prognose 7,0%), wurde wohlfeil ausgeblendet. Mehr noch wurde ausgeblendet, dass circa 7% Wachstum 2015 eine größere realwirtschaftliche Nachfrageausweitung als 11% 2010 darstellen. Hatten die Kollegen aus London und New York nicht bei den damaligen Wachstumsraten vor Überhitzungen und Gefahren für die Weltwirtschaft ausgehend von China gewarnt? … Faktisch wurde damit die größte Enttäuschung unter den großen Wirtschaftsnationen, die Wachstumsverfehlung der USA, kaschiert.“

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