Transparency-Funktionär tritt wegen Panama-Skandal zurück

Der Chile-Chef von Transparency International soll fünf Briefkastenfirmen in Panama betrieben haben. Nach der Veröffentlichung der Panama Papers musste er zurücktreten. Die NGO erwähnt diese Tatsache in einem Interview nicht, erhebt jedoch

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Der Chef des chilenischen Ablegers des NGOs Transparency International ist am Montag im Zusammenhang mit Kontakten zu mehreren Briefkastenfirmen zurückgetreten. Gonzalo Delaveau habe seinen Rücktritt eingereicht, der vom Vorstand angenommen worden sei, teilte die Organisation via Twitter mit. In den Panama Papers wird sein Name in Verbindung mit mindestens fünf Briefkastenfirmen gebracht, berichtet Reuters.

Der chilenische Watchdog CIPER, der laut Reuters die chilenischen Aspekte der Panama Papers beleuchtet, schreibt, Delaveau arbeite auch als Direktor von Turnbrook Mining. Das kanadische Unternehmen ist in einem Kupferminen-Projekt involviert, welches nördlich von Santiago eine Erkundung nach Kupfer-Vorkommnissen durchführt.

Der Rücktritt erfolgte, nachdem die chilenischen Finanzbehörden angekündigt hatten, allen Hinweisen in den Panama Papers nachzugehen, die chilenische Steuerpflichtige betreffen.

Illegale Machenschaften werden Delaveau in den Dokumenten nicht zur Last gelegt. Allerdings ist Transparency International darauf spezialisiert, Korruption in Unternehmen und Regierungen aufzudecken. Der NGO hat sein internationales Sekretariat in Berlin.

Unter der Überschrift «Transparency fordert Offenlegung aller wahren Firmenbesitzer» brachte die dpa einen Tag nach dem Rücktritt ein Interview mit einem Manager von Transparency, in dem auf die Verstrickung der Organisation in den Skandal jedoch nicht eingegangen wird:

Nach der Veröffentlichung der «Panama Papers» hat die Antikorruptionsorganisation Transparency von Regierungen weltweit eine Offenlegung aller wahren Firmenbesitzer gefordert. «Es ist einfach und ehrgeizig und es ist möglich», sagte Casey Kelso von Transparency International am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

In den meisten Fällen, die in den «Panama Papers» beschrieben würden, gehe es offensichtlich darum, die wahre Identität der Kontenbesitzer zu verschleiern, um Steuern zu umgehen oder Geld zu waschen, sagte Kelso. Die Enthüllungen seien zwar nicht neu, verliehen aber finanziellen Transaktionen «ein menschliches Gesicht».

Die Enthüllungen könnten zu neuen sozialen Spannungen führen, glaubt Kelso. Viele Menschen könnten sich in ihrer Sicht bestätigt sehen, Superreiche seien besonders korrupt. Die «Panama Papers» bewiesen «die alte Formel ,Korruption gleich Monopol plus Diskretion minus Verantwortlichkeit’», sagte er. «Rechtsanwaltsfirmen können solche Firmen im Geheimen und ohne öffentliche Prüfung verkaufen, und das kann zu Korruption führen.»

In koordinierten Berichten von Medien aus rund 80 Ländern war zahlreichen Politikern, Sportlern und Prominenten vorgeworfen worden, ihr Geld in Offshorefirmen geparkt zu haben. Auch mehrere tausend Deutsche sollen laut der «Süddeutschen Zeitung» Briefkastenfirmen einer Anwaltskanzlei in Panama genutzt haben.

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