Japan will Unternehmen Geld zahlen, damit sie sich verschulden

Die japanische Zentralbank erwägt Berichten zufolge die Einführung negativer Leitzinsen. In einem solchen Fall würde sie den Banken Geld zahlen, wenn diese Gelder bei ihr aufnehmen. Der Vorschlag repräsentiert eine weitere Verschärfung der expansiven Geldpolitik und eine zunehmende Hilflosigkeit der Notenbank.

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Die japanische Zentralbank erwägt einem Medienbericht zufolge negative Zinsen auch für die Kreditvergabe an Geschäftsbanken. Diese könnten dann eingeführt werden, sollte der Strafzins für Einlagen bei der Zentralbank verschärft werde, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mehrere Insider. Dies bedeutet, dass die japanische Zentralbank den Banken Geld zahlen würde, wenn sie Geld bei ihr aufnehmen.

Derzeit liegt der Leitzins für Unternehmen aus wachstumsstarken Branchen bei null Prozent. Auch der für die langfristige Finanzierung von Banken wurde auf null gesenkt. Beide Zinssätze könnten in den negativen Bereich gedrückt werden, hieß es in dem Bericht.

Seit Ende Januar gibt es in Japan bereits einen negativen Einlagensatz von minus 0,1 Prozent, den Banken der Zentralbank zahlen müssen, wenn sie kurzfristig Gelder auf ihren Konten parken. Der negative Einlagenzinssatz sowie die jetzt ins Gespräch gebrachten negativen Leitzinsen sind Instrumente, von denen sich die Notenbank eine Stimulation der Kreditvergabe und damit ein stärkeres Wirtschaftswachstum verspricht.

In ihrem halbjährlichen Bericht zur Finanzbranche räumte die Zentralbank am Freitag ein, dass der negative Einlagensatz die Gewinne der Banken derzeit bremse und für eine gewisse Störung des Kapitalflusses sorge. Die japanische Finanzbranche verfüge aber über genügend Kapitalpuffer, um diesen Nachteil auszugleichen. Die Währungshüter hatten im Kampf gegen eine drohende Rezession wiederholt signalisiert, dass sie die Geldschleusen notfalls noch weiter öffnen werden. Japans Zentralbankchef Haruhiko Kuroda hatte jüngst in einem Interview gesagt, die BOJ könnte „technisch und theoretisch“ die Einlagezinsen mindestens auf minus 0,4 Prozent senken.

Ein Analyst der Commerzbank schätzt die Wirkung negativer Leitzinsen folgendermaßen ein: „Diese Entscheidung würde den Druck, den der negative Einlagen-Zinssatz für den Banksektor bedeutet, reduzieren. Und sie würde außerdem den Handlungsspielraum erweitern, um die Einlagenzinsen noch weiter abzusenken. Der Yen-Kurs reagierte mit Wertverlusten. Ich könnte mir vorstellen, dass die Berichte über negative Leitzinsen nur ein Vorgeschmack auf jene Spekulationen darstellen, die wir im Vorfeld der Zentralbanksitzung in der kommenden Woche erleben werden.“

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