US-Notenbank kann nicht helfen: US-Konjunktur enttäuschend

Die neuesten Zahlen für die US-Wirtschaft sind mäßig. Die US-Notenbank ist in einem Dilemma: Sie kann die Aktien-Kurse nicht weiter stützen, weil Negativ-Zinsen in den USA im Unterschied zu Europa ein Tabu sind.

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Der starke Dollar und die Probleme der Schwellenländer haben die US-Konjunktur ins Stocken gebracht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März aufs Jahr hochgerechnet nur um 0,5 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Noch Ende vorigen Jahres war das Wachstum mit 1,4 Prozent wesentlich stärker. Während der Konjunkturmotor jenseits des Atlantiks stottert, winkt der deutschen Wirtschaft ein vier Mal so hohes Wachstum. Denn die Exporteure profitieren hierzulande vom niedrigen Euro-Kurs. Ein teurer Dollar ist hingegen Gift für die US-Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Die US-Notenbank Fed, die am Mittwoch die Zinsen nicht angetastet hatte, dürfte sich durch den Schwächeanfall der Wirtschaft in ihrer vorsichtigen Haltung bestätigt sehen.

Auch die Verbraucher, die mit ihren Ausgaben mehr als zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung beitragen, haben ihre Kauflust etwas gezügelt: Der Konsum zog mit 1,9 Prozent nicht mehr so stark an wie Ende 2015. „Das BIP-Wachstum fällt unter die Rubrik Magerkost“, sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank: „Die US-Unternehmen scheinen in Anbetracht der Hiobsbotschaften aus den Schwellenländern zu Jahresbeginn die Lust am Investieren verloren zu haben.“ Die Wirtschaftsleistung in China hat sich zuletzt auf 6,7 Prozent abgekühlt – das schwächste Wachstum seit Anfang 2009.

In den USA leidet insbesondere die Ölindustrie unter den gefallenen Preisen für den Schmierstoff der globalen Wirtschaft. So hat der weltgrößte Anbieter von Dienstleistungen zur Ölförderung, Schlumberger, die Ausgaben für die Erkundung und Förderung massiv zurückgefahren und seit Ende 2014 rund ein Viertel der Belegschaft entlassen. Doch auch in anderen Branchen läuft es nicht mehr rund: Selbst bei Apple, eines der Vorzeigeunternehmen der US-Wirtschaft, ist die Erfolgssträhne gerissen. Der für seine iPhones bekannte Konzern erlitt im abgelaufenen Quartal das erste Umsatzminus seit 13 Jahren.

Trotz der Schwächephase zu Jahresbeginn ist der deutsche Außenhandel zuversichtlich, dass die Wirtschaft zwischen New York und San Francisco wieder durchstarten wird: „Die USA fallen nicht ab und China kriegt die Kurve auch irgendwie“, prophezeite der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner. Daher werde es für den deutschen Außenhandel dieses Jahr gut laufen. Börner rechnet mit neuen Rekordwerten.

Er hofft dabei auf eine anhaltende Unterstützung durch einen niedrigen Euro-Kurs. Der Dollar hatte zu den Währungen der größten US-Handelspartner zwischen Mitte 2014 und Ende 2015 um 20 Prozent aufgewertet und Anfang dieses Jahres seinen Höhenflug etwas abgeschwächt. Aus Sicht Börners wird EZB-Chef Mario Draghi wahrscheinlich mit seiner extrem lockeren Geldpolitik dafür sorgen, dass der Euro-Kurs im Zaum gehalten wird. Die Europäische Zentralbank hatte den Leitzins zuletzt auf null gesenkt und das umstrittene Anleihen-Kaufprogramm erneut ausgeweitet. Das schwächt den Euro zum Dollar, weil in den USA die Zinsen im Dezember gestiegen sind.

Experten erwarten, dass die Fed aus Rücksicht auf die US-Konjunktur erst im Sommer nachlegen und den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld von derzeit 0,25 bis 0,5 Prozent weiter anheben wird. Trotz der Konjunkturschwäche im Winter sieht Chefökonom Paul Ashworth vom Finanzhaus Capital Economics den Aufschwung in Amerika nicht in Gefahr: „Ich denke nicht, dass die Wirtschaft in Nöten ist.“ Das Beschäftigungswachstum sei enorm und auch die Konjunkturbarometer ließen darauf schließen, dass das zweite Quartal wesentlich stärker ausfallen werde. Auch die Notenbank hatte jüngst betont, dass sich der Arbeitsmarkt trotz der Konjunkturabkühlung weiter aufgehellt habe. Im März entstanden 215.000 neue Stellen und damit 10.000 mehr als von Ökonomen vorausgesagt. Für April werden erneut mehr als 200.000 neue Jobs vorhergesagt.

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