Gentechnik: Pharmakonzern will Erbgut von zwei Millionen Menschen entschlüsseln

In den vergangenen 15 Jahren wurde von schätzungsweise 100.000 Menschen das Erbgut sequenziert. Der Pharmakonzern AstraZeneca nun das Erbgut von zwei Millionen weiteren Menschen in den kommenden Jahren entschlüsseln.

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 Die Diskussion über die moralische Verantwortung bei der Gentechnik schreiten fort. Wissenschaftler erhoffen sich von der Sequenzierung der Genome sehr viel. (Foto: AstraZeneca)

Wissenschaftler erhoffen sich von der Sequenzierung der Genome sehr viel. (Foto: AstraZeneca)

Während die Diskussionen über die moralische und ethische Verantwortung bei der Gentechnik fortschreiten, setzen Wissenschaftler und Pharmafirmen ihre Forschungen und Entwicklungen fort. Der Arzneimittelhersteller AstraZeneca hat nun angekündigt, die Genome von zwei Millionen Menschen zu sequenzieren. Zusammen mit dem Wissenschaftler Craig Venter, dem finnischen Institut für Molekulare Medizin und dem Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge soll dieses Ziel in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Der Wissenschaftler Craig Venter ist eine äußerst bekannte Größe, die sich AstraZeneca herangeholt hat. Venter ist einer der Pioniere des Human Genom Project gewesen. Nach einem Streit mit dem National Institutes of Health, das steuerfinanziert ist, hat er ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt.

Nachdem 2010 die ersten beiden menschlichen Genome publiziert wurden, wurden in den vergangenen 15 Jahren etwa 100.000 Menschen sequenziert. Insofern ist die Zielvorgabe des Pharmakonzerns nicht zu klein gefasst. Die Nutzung und Erforschung von Genomen kann „neue Einblicke in die Biologie der Krankheiten liefern, die Auswahl von Patienten für Studien erleichtern, Behandlungen individualisieren und neue Ansatzpunkte für Medikamente liefern“, so das Unternehmen.

„Die Nutzung der Macht der Genome ist die Grundlage unserer Ambitionen, die innovativsten und wirkungsvollsten Therapien für Patienten zu entwickeln“, sagte Menelas Pangalos von AstraZeneca. „Genome werden integraler Bestandteil unserer Forschung, unserer klinischen Studien und der Einführung unserer Medikamente sein.“

Wie wichtig die Genomforschung sein kann, zeigen die jüngsten Forschungen zu Heilung und Therapie von Krankheiten wie HIV. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die entwickelte Genschere Crispr-Cas9. Ein Team chinesischer Forscher der Guangzhou Medical University hat vor kurzem mit der Genschere nun erstmals einen Embryo mit einer HIV-Immunität ausgestattet. Dafür griffen die Forscher auf eine Mutation namens CCR5 zurück, die bei einigen Menschen zu finden ist – bekannt als CCR5Δ32. Diese konnten sich nicht mit dem HIV-Virus infizieren.

 

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