Australischer Unternehmer erklärt sich zum Bitcoin-Erfinder

Ein australischer Unternehmer hat sich als Gründer der Digitalwährung Bitcoin zu erkennen gegeben. Er habe sich zu seiner Enttarnung entschlossen, um die mediale Jagd auf ihn zu beenden. Mit dem Bekenntnis lieferte er offenbar auch kryptographisch signierte Beweise für seine Identität.

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Eines der großen Rätsel der Internet-Welt scheint gelöst: Der australische Computerfachmann und Unternehmer Craig Steven Wright hat sich als Erfinder der Digitalwährung Bitcoin präsentiert. Er sprach unter anderem mit der BBC und der Zeitschrift Economist. Wright habe seine Behauptung technisch untermauert: Mit Bitcoins, die nur der Gründer besitzen könne.

Wrights Name kam bereits im Dezember auf, nachdem durchgesickerte Dokumente auf ihn hinwiesen. Im Dezember stützten sich das Magazin Wired und der Blog Gizmodo in ihren Berichten auf geleakte E-Mails und Kopien alter Blogeinträge von Wright. Dort fänden sich eine E-Mail-Adresse und ein PGP-Schlüssel – eine einmalige digitale Signatur – sowie eine E-Mail-Adresse, die mit „Satoshi Nakamoto“ in Verbindung gebracht werden.

Außerdem durchsuchten damals australische Steuerfahnder Wrights Haus in einem Vorort von Sydney. Wright sagte in einer angeblichen Dokumentation eines Gesprächs mit der australischen Steuerbehörde, er habe Bitcoin seit 2009 betrieben. Den Behörden zufolge soll es dabei jedoch nicht um Bitcoins gegangen sei. Sie hätten festgestellt, dass Herr Wright nicht Mr. Sakamoto sei. Damals äußerte Wrights selbst sich nicht. Nun sagte er der BBC, dass er mit dem australischen Finanzamt zusammenarbeite. „Ich wollte keine Öffentlichkeit, aber ich will jetzt, dass die Sache ein für alle mal geklärt ist“, sagte Wright: „Ich will arbeiten, ich will weiter tun, was ich tue. Ich will kein Geld. Ich will keine Berühmtheit. Ich will keine Bewunderung. Ich will nur alleine gelassen werden“.

Der Bitcoin-Erfinder war bislang nur unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ bekannt. Die Identität des Bitcoin-Gründers war seit Jahren ein Geheimnis, das viele beschäftigte. Diverse Journalisten versuchten in den vergangenen Jahren, die Identität des Bitcoin-Erfinders aufzudecken. Ein Grund dafür ist auch, dass ihm eine Million Bitcoins zugerechnet wird. Das Paket wäre aktuell rund 400 Millionen Euro wert. Es war bislang nicht angerührt worden. „Satoshi Nakamoto“ entwarf das Bitcoin-System und schrieb auch die erste Version der Software dahinter.

Führende Bitcoin-Experten und –Entwickler bestätigten, das sie das Bekenntnis für echt halten. Gavin Andresen, der Satoshi Nakamoto als führender Bitcoin-Entwickler nachfolgte, schrieb in seinem Blog, dass er Wrights Behauptung glaubt: „Nach der Zeit mit ihm bin ich zweifelsfrei überzeugt: Craig Wright ist Satoshi“, so Andresen. „Während unseres Treffens sah ich die brillante, meinungsstarke, fokussierte, großzügige – und Privatsphäre suchende Person – die zu jenem Satoshi passt mit dem ich vor sechs Jahren gearbeitet habe. Er habe sich für sein Pseudonym vom Namen eines japanischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert inspirieren lassen, Tominaga Nakamoto.

Der „Economist“ ließ eine Hintertür für Zweifel offen: „Unsere Schlussfolgerung ist, dass Mr. Wright sehr wohl Mr. Nakamoto sein kann – aber auch, dass wichtige Fragen bleiben.“ Der zweifelsfreie Nachweis sei ein aufwendiges Verfahren, das einem digitalen DNA-Test ähnelt, berichtet Wired. Möglicherweise werde jedoch nie zweifelsfrei geklärt werden können, wer Bitcoin wirklich geschaffen habe. „Satoshi“ kommunizierte mit seinen frühen Mitstreitern stets nur elektronisch, bevor er sich nach einigen Jahren zurückzog. Wright bekräftigte seine Behauptung in einem Blogeintrag vom Montag.

Wright war bereits als Bitcoin-Experte bekannt und hatte auch den Aufbau einer Bank für die Digitalwährung angekündigt. Der Supercomputer „Tulip Trading“ seiner Firma DeMorgan gehört zu den leistungsstärksten der Welt. Um Bitcoins zu erzeugen, ist viel Rechenleistung nötig. Bei einem öffentlichen Auftritt im Oktober stammelte Wright auf die Frage, seit wann er sich mit Bitcoin beschäftige, er sei schon länger involviert und versuche, unter dem Radar zu bleiben.

Die virtuelle Währung Bitcoin war 2009 auch als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden – als eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Bitcoins werden in einem aufwendigen Verfahren auf Computern erzeugt, und können dann im Netz auch für Dollar oder Euro gekauft werden. Die Währung lässt anonyme Zahlungen zu, funktioniert unabhängig von Regierungen oder Banken und kommt vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. Maximal sollen 21 Millionen Bitcoins generiert werden können.

Bitcoin war eine Zeit lang mit dem Online-Drogen-Basar Silk Road assoziiert, aber das Interesse an ihrem Potenzial als Zahlungsmethode für legitime Zwecke wuchs. Die Finanzinstitute setzen inzwischen Ressourcen dafür ein zu erforschen, wie sie die „blockchain“ der digitale Gemeinschafts-Währung verwenden können, um ihre eigenen Transaktionen schneller und billiger zu machen.

Das Bitcoin-Projekt hat sich dadurch aufgespalten und befand sich seit Monaten in einer Art Bürgerkrieg zwischen zwei konkurrierenden Lagern von Entwicklern und Unternehmen. Die eine Seite will Bitcoin eher klein und alternativ halten, die andere  Seite drängt auf schnelles Wachstum, auch wenn dies bedeutet, dass Bitcoin sich mehr wie ein konventionelles Zahlungssystem entwickelt.

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