Steigende Stahl-Preise in China belasten Europas Produzenten

Eine hohe Nachfrage an den chinesischen Warentermin-Börsen hat zu steigenden Stahlpreisen geführt. Die Entwicklung dürfte dem von der Regierung geforderten Abbau der Überkapazität im Bereich Stahl und Kohle zuwiderlaufen. Für die europäische Branche bedeutet dies ebenfalls nichts Gutes, weil dadurch noch mehr billige Erzeugnisse aus Fernost auf die Weltmärkte gelangen könnten.

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Die Preise für Stahl sind in China zuletzt deutlich angestiegen. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2014 kostete eine Tonne chinesischen Baustahls vergangene Woche wieder mehr als 3000 Renminbi (rund 400 Euro), wie Financial Times berichtet. Der Preisanstieg führte zu einem erhöhten Aufkommen im spekulativen Handel, insbesondere bei Termingeschäften für Stahl und Eisenerz. Die Regierung dürfe die Entwicklung mit einiger Skepsis verfolgen.

Sie möchte Spekulationen mit Rohstoffen eindämmen, um die Bildung einer Blase auf den Terminmärkten zu verhindern. Davon betroffen sind insbesondere die Märkte für Baumwolle und Bergbauerzeugnisse wie Kohle, Koks, Eiseinerz und Stahl. Vergangenen Freitag warnten staatliche Regulatoren die Händler in der ostchinesischen Provinz Henan mit einer Textbotschaft vor Spekulationen mit Rohstoffen, falls diese über keine Erlaubnis der Aufsichtsbehörden verfügten, wie Financial Times berichtet.

Hinzu kommt, dass der Preisanstieg dem staatlich verordneten Abbau der Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt zuwiderläuft. Produzenten könnten aufgrund der gestiegenen Gewinnchancen einen Wiedereinstieg in den Markt oder eine Intensivierung der Produktion prüfen, so die Vermutung. Financial Times zufolge könnte beispielsweise die 2014 Bankrott gegangene Fabrik von Highsee Steel unter dem Management der Jianlong-Gruppe die Produktion ab Mai wiederaufnehmen. Die Regierung plant, die heimische Stahl-Produktion in den kommenden fünf Jahren um 100 bis 150 Millionen Tonnen zu reduzieren. Im Zuge des Abbaus der Überkapazitäten sollen rund 1,8 Millionen Arbeiter entlassen werden.

Überdies sollen der Regierung zufolge in den kommenden zwei bis drei Jahren fünf bis sechs Millionen Arbeitsplätze bei sogenannten „Zombie-Firmen“ gestrichen werden, die seit Jahren Verluste schreiben und in der Regel hoch verschuldet sind. Insgesamt hätten diese „Zombie-Firmen“ Unternehmensschulden in Höhe von 3,3 Billionen Renminbi angesammelt, so Financial Times. Die wachsende Verschuldung chinesischer Unternehmen macht den Aufsichtsbehörden seit einiger Zeit zu schaffen. Bleiben die Stahlpreise hoch, dürften sich viele dieser Firmen weiter über Wasser halten  und eine natürliche Konsolidierung des Marktes verhindern.

Europas Stahlbranche gehört zu den größten Leittragenden einer verstärkten Aktivität in China. Hiesigen Unternehmen fällt es schwer, mit den großen Mengen billigen Stahls zu konkurrieren, die ihre chinesischen Konkurrenten auf den Markt werfen. Dem wachsenden Druck hatte sich die Europäische Kommission vor einigen Wochen gebeugt und Importzölle auf verschieden chinesische Erzeugnisse erhoben. Kritiker gehen allerdings davon aus, dass dies bei weitem nicht ausreichen wird, um die Branche langfristig zu stützen. Das indische Unternehmen Tata Steel hatte sich kürzlich mit Verweis auf die Flutung der Märkte mit subventioniertem chinesischen Stahl aus Großbritannien zurückgezogen.

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