Chinesen vor Angebot für High-Tech-Unternehmen Kuka

Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgerätehersteller Midea will am Mittwoch offenbar eine Übernahmeofferte für den Augsburger Roboter-Hersteller Kuka vorlegen. Die Augsburger sehen die Übernahme als Chance, auf dem chinesischen Markt zu reüssieren.

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Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgerätehersteller Midea will seine Beteiligung am Roboterbauer Kuka mit einem öffentlichen Übernahmeangebot kräftig aufstocken. Der Augsburger Konzern erwarte die Offerte aller Voraussicht nach schon am Mittwoch, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Dienstagabend der Nachrichtenagentur Reuters. Das „Wall Street Journal“ berichtete, Midea wolle gut 114 Euro je Aktie bieten. Das wäre ein Aufschlag von 35 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Kuka würde damit mit rund 4,4 Milliarden Euro bewertet. Das Augsburger Unternehmen betrachte die überraschende Offerte als Chance, in China zu expandieren, und nicht als feindliche Attacke, hieß es in Finanzkreisen.

Kuka wollte sich dazu nicht äußern, Midea war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die Kuka -Aktie schoss am Dienstag im nachbörslichen Handel um zwölf Prozent nach oben auf 97 Euro. Insidern zufolge waren Midea-Vertreter über das Wochenende bei Kuka vorstellig geworden und hatten für ihren Plan zur Aufstockung des Anteils geworben. Die Chinesen waren im August zunächst mit fünf Prozent bei Kuka eingestiegen und Anfang Februar mit 10,2 Prozent zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen. Schon damals hatte Midea angekündigt, den Anteil weiter aufstocken zu wollen und einen Platz im Kuka-Aufsichtsrat zu beanspruchen. Chinesische Konzerne haben es zuletzt verstärkt auf deutsche Technologie abgesehen. Ein besonderes Augenmerk haben sie dabei auf den Maschinenbau und Umwelttechnik gerichtet.

Kuka-Vorstandschef Till Reuter hatte im Frühjahr Gespräche über eine Zusammenarbeit mit den Chinesen bestätigt. So könnten die 100 Logistikzentren von Midea mit Kuka-Robotern stärker automatisiert werden. China spielt eine wichtige Rolle beim Plan von Kuka, den Umsatz bis 2020 auf 4,0 bis 4,5 (2015: 2,97) Milliarden Euro zu schrauben. Allein im Reich der Mitte will Reuter eine Milliarde Euro umsetzen.

Dem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge strebt Midea eine Beteiligung an Kuka von mehr als 30 Prozent an, habe es aber nicht unbedingt auf eine Mehrheit abgesehen. Größter Kuka-Aktionär ist bisher mit 25,1 Prozent der schwäbische Anlagenbauer Voith. Er war bei Kuka eingestiegen, um dem Automatisierungstrend „Industrie 4.0“ stärker Rechnung zu tragen. Das Familienunternehmen gilt aber als zu kapitalschwach, um sich eine Komplett-Übernahme leisten zu können. Der Verkauf des Industrieservice-Geschäfts an den Finanzinvestor Triton spült allerdings knapp 300 Millionen Euro in die Voith-Kassen.. Wie verkaufswillig der mit zehn Prozent an Kuka beteiligte hessische Unternehmer Friedhelm Loh wäre, ist offen.

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