Chinas Staatsbank kauft Groß-Tresor für Gold in London

Die staatliche chinesische Industrial and Commercial Bank of China hat einen der weltweit größten Tresorkomplexe für Gold in London erworben. Es ist der vorerst letzte Schritt einer Reihe von Maßnahmen, mit denen das Land seinen Einfluss auf den Handel mit physischen Edelmetallen ausgeweitet und seine Währung gegen den Dollar positioniert hat.

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Ein Zweig der staatlichen chinesischen Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hat einen der weltweit größten Tresorkomplexe zur Lagerung von Edelmetallen erworben, wie Financial Times berichtet. Verkäufer ist die britische Barclays Bank, die den hochmodernen Hochsicherheitsraum vor vier Jahren eröffnet hatte. In der Anlage kann nach Informationen von Financial Times Gold im Wert von rund 80 Milliarden Dollar gelagert werden. Das Fassungsvermögen beträgt der BBC zufolge rund 2000 metrische Tonnen. Einzelheiten zu dem Verkauf wurden nicht veröffentlicht.

Mit dem Kauf weitet ICBC und damit die chinesische Regierung ihren Einfluss auf die Lagerung, den Handel und die Preissetzung für Gold und andere Edelmetalle aus. Obwohl China mit rund einem Viertel der globalen Nachfrage der größte Abnehmer physischen Goldes ist, spielen die Standorte New York und insbesondere London bei der Zahlungsabwicklung und der Preisfestsetzung noch immer eine dominante Rolle. Im vergangenen Jahr wurden in London Gold-Transaktionen im Gesamtwert von etwa 5 Billionen Dollar abgewickelt.

Der Kauf des Tresorraums stellt den vorerst letzten Schritt einer Reihe von Maßnahmen dar, mit denen China seinen Einfluss im Goldmarkt ausgeweitet hat. Vergangene Woche erst wurde die ICBC-Tochtergesellschaft ICBC Standard Bank Mitglied eines wichtigen Abwicklungssystems für Edelmetalle in London. Das von der London Precious Metals Clearing Limited betriebene Abwicklungszentrum organisiert den digitalen Handel und die Zahlungsabwicklung für Handelspartner auf der ganzen Welt. Seit dem Jahr 2005 war keine Bank diesem Konsortium mehr beigetreten.

Im April wurde bekannt, dass die ICBC zusammen mit der Hongkonger Chinese Gold and Silver Exchange Society und der südchinesischen Stadt Shenzhen den Aufbau eines großen Handels- und Lagerzentrums für Gold plant.

Zudem hatte die Edelmetallbörse Shanghai Gold Exchange ebenfalls im April zum ersten Mal den Goldpreis in der Landeswährung Yuan bestimmt. Der Preis wird seitdem zweimal täglich von 18 Finanz- und Handelsinstitutionen bestimmt – neben 15 chinesischen auch von drei ausländischen (der britischen Standard Chartered Bank, der australisch-neuseeländischen ANZ Bank sowie vom Schweizer Goldhandelshaus MKS). Die Einführung eines Goldpreises in Yuan ist nicht nur ein Angriff gegen das Handelszentrum London, an dem der Referenzpreis für Gold in Dollar bestimmt wird. Durch die vorangetriebene Verflechtung des Yuan mit dem Goldhandel baut China seine Landeswährung auch als globale Alternative zum Dollar auf.

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