Deutsche Bank schrammt knapp an Aufstand der Aktionäre vorbei

Nur 87 Prozent der Aktionäre haben am Donnerstag den Aufsichtsratschef entlastet. Das neue Vergütungssystem für Vorstände fällt durch. Ein brisanter Antrag auf eine Sonderprüfung der Schadensersatzansprüche gegen das Management verfehlt Mehrheit nur hauchdünn.

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Die Aktionäre stimmten der Entlastung von Deutsche-Bank -Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Geldhaus am Donnerstag mit knapp 87 Prozent zu. Vor einem Jahr hatten noch mehr als 91 Prozent des anwesenden Kapitals dem Kontrollgremium ihr Vertrauen ausgesprochen. Rückendeckung gab es dagegen für den seit elf Monaten amtierenden Vorstandschef John Cryan, der nach der Hauptversammlung die alleinige Führung der Bank übernommen hat. Er wurde nach zwölf Stunden mit über 98 Prozent entlastet.

Das neue Vergütungssystem für den Vorstand lehnten die Aktionäre dagegen ab. Das Votum der Aktionäre ist in diesem Punkt zwar nicht bindend. Achleitner deutete jedoch an, es bei der Ausgestaltung der Bonus-Regeln zu berücksichtigen. Der Antrag einer Aktionärin, Schadensersatzansprüche gegen Spitzenmanager in einer Sonderprüfung zu untersuchen, verfehlte eine Mehrheit nur hauchdünn. Das Geldhaus nimmt die Rolle von ehemaligen und aktuellen Vorständen und Aufsichtsräten bereits intern unter die Lupe.

Hart ins Gericht gingen die Aktionäre mit der ehemaligen Vorstandsriege der Bank. Der im Juni 2015 zurückgetretene Anshu Jain erhielt 83 Prozent. Die Entlastung von Spitzenmanagern hat rechtlich wenig Bedeutung, kann aber durchaus Folgen haben. Jain war vor einem Jahr nur mit 61 Prozent entlastet worden – wenige Wochen später trat er ab.

Achleitner erntete von den Aktionären scharfe Kritik. „Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte“, sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der größten Anteilseigner des Instituts. Mehrere Großaktionäre finden, dass es im nächsten Jahr einen Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums geben sollte. Achleitner verteidigte den Kurs der Bank und sich selbst. Der 59-jährige Österreicher betonte, dass er trotz aller Kritik 2017 eine weitere Amtszeit an der Spitze des Kontrollgremiums anstrebe. Die 5400 Aktionäre in der Frankfurter Festhalle reagierten auf die Ankündigung mit eisernem Schweigen.

Für den scheidenden Co-Chef Fitschen und für Cryan gab es dagegen langanhaltenden Applaus. Cryan machte sich und den Aktionären Mut. „Wir sind besser als unser Ruf.“ Insgesamt war die Stimmung auf der Hauptveranstaltung kritisch, aber nicht so aufgeheizt wie im vergangenen Jahr. Damals wurde Jain mehrfach von Buh-Rufen unterbrochen.

Doch bei den meisten Investoren ist der Frust wegen eines Verlustes von knapp sieben Milliarden Euro 2015 und des vor sich hin siechenden Aktienkurses groß. „Die Reputation hat gelitten, das Vertrauen am Kapitalmarkt ist erschüttert, der Aktienkurs ist ein Desaster“, bilanzierte Fondsmanager Speich. „Nach einer Dekade des Missmanagements ist die Deutsche Bank heute ein Sanierungsfall.“ Cryan müsse nun die Scherben zusammenkehren, die seine Vorgänger hinterlassen hätten.

Kritik übte Speich auch am Ausscheiden von Aufsichtsrat Georg Thoma. Der renommierte Jurist war Ende April auf Druck seiner Kollegen zurückgetreten, weil diese ihm öffentlich Übereifer bei der Aufarbeitung von Skandalen vorgeworfen hatten. „Dass solche Dinge auf dem offenen Marktplatz ausgetragen werden, zeigt, wie tief wir in diesem ehrenwerten Haus mittlerweile gesunken sind“, sagte Klaus Nieding, der Vize-Präsident der Aktionärsvereinigung DSW.

Cryan will die größten Rechtsstreitigkeiten der Bank – etwa Geldwäsche-Vorwürfe in Russland und umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA – möglichst noch in diesem Jahr mit Vergleichen aus der Welt zu schaffen. „Bei aller Vorsicht sehe ich uns – was unsere Rechtsstreitigkeiten angeht – allmählich auf der Zielgeraden“, sagte der Brite. Er sprach auf der gesamten Hauptversammlung – anders als Jain – Deutsch. Das kam bei den Aktionären gut an.

Wegen der Aufarbeitung der Vergangenheit rechnet Cryan in diesem Jahr noch einmal mit weiteren Belastungen. Ein Ende der Prozessflut ist nicht in Sicht. Ende des ersten Quartals sei das Geldhaus in rund 7800 Rechtsstreitigkeiten involviert gewesen. „Die überwiegende Mehrheit dieser Verfahren betrifft Klagen mit niedrigem Streitwerten im Privatkundengeschäft in Deutschland.“

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