US-Konzerne warten auf den Niedergang der Tabak-Industrie in Kuba

Kuba droht der Verlust seiner einzigartigen Stellung im Markt für Zigarren. Die Öffnung zu den USA dürfte dazu führen, dass US-Konzerne sich in Kuba einkaufen. Aktuell müssen die Amerikaner nur warten: Die kubanische Tabak-Industrie ist in einem sehr schlechten Zustand.

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Die kubanische Zigarrenindustrie könnte – rein theoretisch – von einer Aufhebung des US-Wirtschaftsembargos gegen Kuba profitieren. Die USA sind mit rund 4 Milliarden Dollar weltweit der größte Markt für Zigarren. Seit der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht im Jahr 1962 war es den Produzenten des Landes jedoch nicht mehr möglich, ihre Produkte in den USA zu verkaufen. Ein Wegfall der Handelsbeschränkungen wäre die Grundlage für einen geregelten Export – bislang war es amerikanischen Touristen beispielsweise nur erlaubt, kubanische Produkte bis zum Gesamtwert von 100 Dollar in die USA einzuführen.

Doch es ist unwahrscheinlich, dass die Kubaner ihre legendären Produkte weiter unabhängig produzieren können. Die Tabakindustrie des Landes befindet sich in einer Krise. So ging die Gesamtmenge angepflanzten Tabaks zwischen 2009 und 2014 um etwa 65 Prozent zurück. Die jährliche Tabakproduktion ist im gleichen Zeitraum um über 20 Prozent auf etwa 20.000 Tonnen geschrumpft. Im Jahr 2014 exportierte Kuba etwa 91 Millionen Zigarren – fast 60 Prozent weniger als im Jahr 2006.

Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig, zwei Faktoren stechen aber heraus: Zum einen beklagen Farmer, dass die Regierung – die die Produktion der Zigarren über die staatliche Firma Tabacuba organisiert – im Vergleich zu anderen Agrarprodukten zu wenig für Tabak zahle. Dies habe dazu geführt, dass immer weniger Bauern ihr Auskommen mit Tabak sichern wollen und die Anbauflächen zurückgingen.

Zum anderen hat das Embargo der USA dazu geführt, dass die vom Staat abhängigen Produzenten nicht ausreichend mit Dünger oder neuen landwirtschaftlichen Geräten versorgt werden. Der größte Teil des Landes wird noch immer mit Ochsen oder sehr alten Traktoren bestellt. Häufig kommt es auch vor, dass keine Zigarrenboxen zur Verpackung der Ware mehr verfügbar sind.

Inzwischen hat die Regierung das Problem erkannt und versucht gegenzusteuern. Ihr Ziel ist es, die Produktion in den kommenden fünf Jahren um jeweils etwa 20 Prozent jährlich zu steigern, wie ein Repräsentant der Exportfirma Habanos gegenüber dem Wall Street Journal bekanntgab. Habanos ist ein Joint Venture der kubanischen Regierung mit der britischen Tabakfirma Imperial Brands. Das Unternehmen besitzt als einzige das Recht, die Tabakprodukte des Landes weltweit zu vertreiben.

Geplant ist, den Preis für Tabak zu erhöhen, um Farmer zurückzugewinnen, die auf den Anbau anderer Pflanzen umgestiegen sind. Zudem sollen die Manufakturen mehr qualifiziertes Personal bekommen. Die Kunst des Rollens entscheidet über die Güte einer Zigarre und ist daher immens wichtig. Kurse sollen dazu dienen, die Zahl der Arbeiter zu erhöhen.

Gehemmt wird die Wachstumsstrategie der Regierung durch ihren internationalen Partner Imperial Brands. Die Firma hatte sich im Jahr 2000 für 100 Jahre das Recht gesichert, der einzige Vertriebspartner zu sein. Die marktbeherrschende Stellung von Imperial schreckt andere Konzerne vor Investitionen ab. „Viele Dinge müssen sich ändern, bevor der Rest von uns dorthin zurückehrt“, wird der Chef des Luxusgüter-Herstellers Oettinger Davidoff zitiert. „Im Rennen um den Beitritt zur Weltwirtschaft müssen diese kubanischen Monopole gelöster und flexibler sein. Das ist noch ein weiter Weg.“ Tatsächlich warten Konzerne wie Davidoff nur darauf, dass sie die kubanische Industrie so billig wie möglich übernehmen können. Die Produkte werden dann vereinheitlicht – und mit dem kubanischen Flair dürfte es eines Tages ganz vorbei sein.

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