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Autonomes Fahren: Autofahrer wollen nicht auf Fahrspaß verzichten

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lehnt selbstfahrende Autos derzeit ab, weil ihnen dabei der Fahrspaß verloren geht. Auch von einer schnellen Gewöhnung an autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr ist nicht auszugehen. Die Stimmung erinnert an die Zeit der Einführung von Mobiltelefonen.

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Laut einer aktuelle Expertenbefragung durch die internationale Technologie- und Innovationsberatungsgesellschaft Invensity gehen im Augenblick 62 Prozent der 85 befragten Fach- und Führungskräfte davon aus, dass die meisten Autofahrer Freude daran haben, selbst zu fahren. Ihr momentaner Eindruck: Noch überwiegt unter den Fahrern die Skepsis vor zu viel Technik.

Die Experten vertreten zudem laut Umfrage überwiegend (57 Prozent) die Meinung, dass die meisten Menschen in Deutschland zumindest derzeit kein Interesse haben, selbst in einem Auto zu sitzen, dass sich automatisch ans Ziel steuert. Allerdings räumen beinahe zwei Drittel ein, dass sich dadurch die Sicherheit auf den Straßen erhöhen würde. Das „Automatik-Auto“ als Mittel zum Zeitsparen – beispielsweise könnte der Wagen die Kinder alleine zur Schule fahren usw. – stufen 47 Prozent der Experten als zutreffend ein; 53 Prozent halten das für „Unsinn“.

„Dieses Umfrageergebnis gibt allerdings nur den heutigen Stand wider und berücksichtigt nicht, dass die meisten noch nicht die Gelegenheit hatten, sich von einem selbstfahrenden Auto eventuell auch begeistern zu lassen“, so Paul Arndt, Ressortleiter des Kompetenzzentrum Cyber Security bei Invensity, ein.

Auch bei der entscheidenden Frage, ob wir uns nicht alle einfach in den nächsten Jahren und Jahrzehnten an die selbstfahrenden Autos schlichtweg gewöhnen werden, seien die befragten Fachleute überwiegend skeptisch, so der Invensity Principal Consultant weiter. Laut Umfrage geht zwei Drittel nicht davon aus, dass sich die Bevölkerung „einfach so“ an die Selbstfahrer auf den Straßen gewöhnen wird. Die Frage, ob die meisten Menschen die „Autos ohne Fahrer“ als „unheimlich“ empfinden werden, bejahen immerhin nur 39 Prozent der Experten. Auch die Angst davor, dass die computergesteuerten Automobile verstärkt zu Unfällen führen werden, ist auf rund ein Viertel (26 Prozent) der Befragten begrenzt.

Unentschlossenheit schließt Alltagstauglichkeit nicht aus

„Die Umfrageergebnisse drücken eine gewisse Unentschlossenheit aus“, sagt Arndt. Er zieht einen historischen Vergleich zur Mobilkommunikation:

„Alle Umfragen in Deutschland zum Thema Handy bevor die Geräte allgemein verfügbar wurden, hatten einen klaren Tenor: Es gibt keinen Bedarf an mobilen Telefonen, weil man bislang auch ohne sie auskam, weil sie teuer sind, und weil die ständige Erreichbarkeit nicht wünschenswert ist. Heute wissen wir es besser: Kaum noch jemand will privat wie beruflich die Mobilkommunikation missen. Möglicherweise erleben wir bei selbstfahrenden Autos eine ähnliche Entwicklung. Dann würden selbstfahrende Fahrzeuge so sehr zum Alltag gehören wie heute das Smartphone.“

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will das automatisierte Fahren mit computergesteuerten Autos auf deutschen Straßen unterdessen weiter vorantreiben. Dafür soll eine Kommission „ethische Fragen beim Paradigmenwechsel vom Autofahrer zum Autopilot“ klären. Mit Beteiligung von Vertretern aus Wissenschaft, Auto- und Digitalbranche soll diese Kommission Leitlinien für Algorithmen entwickeln, nach denen Autos in Risikosituationen reagieren. Hierfür soll etwa gelten: „Ein Sachschaden ist einem Personenschaden immer vorzuziehen.“

Das entsprechende Strategiepapier enthalte der Zeitung Welt zufolge konkrete Vorschläge, wie Deutschland fit für autonome Autos gemacht werden solle. Dobrindt wolle unter anderem das Straßenverkehrsgesetz ändern. Künftig solle demnach rechtlich kein Unterschied zwischen einem Autopiloten und einem menschlichen Fahrer gemacht werden. In dem Gesetzentwurf „schreiben wir erstmals fest, dass automatisierte Systeme mit voller Kontrolle über ein Fahrzeug dem Fahrer rechtlich gleichgestellt werden“, zitiert das Blatt Dobrindts Ministerium.

Das Bundeskabinett hatte Mitte April eine Erweiterung der rechtlichen Grundlagen für das automatisierte Fahren beschlossen. Demnach dürfen Computer selbstständig neue Aufgaben übernehmen. Die Systeme müssen aber so gestaltet sein, dass Fahrer sie jederzeit übersteuern oder abschalten können. Dies betrifft etwa Brems- und Spurhalteassistenten oder Systeme, bei denen der Fahrer auf der Autobahn für einige Zeit die Hand vom Lenkrad nehmen kann. Darüber hinaus peilt Dobrindt Rechtsänderungen an, die den Weg für Systeme ohne Fahrer ebnen.

 


Schlappe für Obama: Kongress erlaubt Klagen gegen Saudis wegen 9/11
Schlappe für Obama: Kongress erlaubt Klagen gegen Saudis wegen 9/11
Der US-Kongress hat das Veto von Präsident Obama gegen die Zulassung von Schadensersatzansprüchen gegen Saudi-Arabien wegen 9/11 kassiert. Die Entscheidung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben.
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Die Anschläge vom 11. September 2001. (Foto: dpa)

Die Anschläge vom 11. September 2001. (Foto: dpa)

Erstmals in seiner Amtszeit muss US-Präsident Barack Obama die Überstimmung eines Vetos durch den US-Kongress hinnehmen. Senat und Repräsentantenhaus kassierten es am Mittwoch mit jeweils überwältigender Mehrheit. Das Ergebnis ist mit 97:1 Stimmen die deutlichste Niederlage für einen US-Präsidenten seit 1983. Ein Sprecher des Weißen Hauses reagierte laut The Hill empört auf die Entscheidung: Sprecher Josh Earnest sagte, dies sein wohl die „beschämenste Entscheidung des Senats seit 1983“.

Die Entscheidung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben: Saudi-Arabien hatte gedroht, im großen Stil Treasuries zu verkaufen. Die Begründung: MAn müsse Liquidität schaffen, um für die möglichen Schadenersatzansprüche Vorsorge treffen zu können.

Die Entscheidung lässt die jüngsten Maßnahmen der Fed, Banken stärker in den Kauf von Staatsanleihen zu treiben, in einem neuen Licht erscheinen.

Die Sorge der Fed dürfte auch durch die Entscheidung Chinas, im großen Stil US-Staatsanleihen zu verkaufen, begründet sein.

Der Präsident hatte ein Gesetz abgelehnt, das Hinterbliebenen der Terroranschläge vom 11. September 2001 direkte Klagen gegen Saudi-Arabien wegen staatlicher Unterstützung von Terrorismus erlaubt.

Obama hatte argumentiert, dies sei nicht mit internationalem Recht vereinbar. Die USA müssten im Gegenzug zahlreiche Klagen wegen des Vorgehens ihrer Soldaten in fremden Ländern fürchten. Klagen Hinterbliebener sind von jetzt an erlaubt.

Die saudische Regierung hatte gedroht, ihre Besitztümer in den USA – etwa Beteiligungen an Immobilien und Banken – auf den Markt zu werfen, sollte das Gesetz in Kraft treten. 15 der 19 islamistischen Selbstmordattentäter vom 11. September 2001 waren saudische Staatsbürger.

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Erdogan-Berater: Türkei soll Deutsche Bank kaufen
Erdogan-Berater: Türkei soll Deutsche Bank kaufen
Ein Wirtschaftsberater des türkischen Präsidenten Erdogan fordert, dass die Türkei bei der Deutschen Bank einsteigen solle. Es wäre eine schöne Vorstellung, wenn aus der „Deutschen Bank“ die „Türkische Bank“ würde.
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Die damaligen Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l) und Anshu Jain, während der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens im Januar 2014 in Frankfurt am Main (Foto: dpa)

Die damaligen Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l) und Anshu Jain, während der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens im Januar 2014 in Frankfurt am Main (Foto: dpa)

Wie Bloomberg berichtet, hat Yigit Bulut, Berater des türkischen Präsidenten vorgeschlagen, die Türkei solle die Deutsche Bank kaufen. Die niedrige Aktienkurs wäre eine gute Gelegenheit für die Türkei, die Bank zu kaufen und damit zu einem Player an den internationalen Finanzmärkten aufzusteigen. Bulut fragte Erdogan auf Twitter: „Würde es Sie nicht glücklich machen, wenn aus der Deutschen Bank die Türkische Bank würde?“ Bulut argumentiert, dass die die Türkei die wirtschaftlichen Probleme in Europa nützen müsse, um sich Anteile an wichtigen Unternehmen zu sichern.

Als Vehikel könnte der Türkei ein neu zu gründender staatlicher Investitionsfonds dienen. Premier Yildirim hatte einen solchen im Juli bei Bloomberg angekündigt, um attraktive Assets für den türkischen Staat zu sichern.

Bloomberg zweifelt allerdings, ob die Deutsche Bank mit ihren aktuellen Problemen wirklich ein attraktiver Übernahmekandidat für die Türkei sei. Der Nachrichtendienst zitiert Analysten, die noch nicht überzeugt sind, dass der staatliche Investitionsfonds wirklich zustandekommen wird. Außerdem hätten die türkischen Banken genug eigene Probleme zu lösen, weshalb die Integration der Deutschen Bank vermutlich eine erhebliche Komplexität darstelle.

Für die Deutsche Bank wäre der Einstieg eines Staates nichts Neues. Schon heute sind 44 Prozent des Kapitals der Deutschen Bank in ausländischem Besitz, wie die Aufstellung des Unternehmens zeigt. Größter Shareholder ist des US-Hedgefonds BlackRock mit 5,76 Prozent.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat das Dementi seines Sprechers zu einem Bericht noch einmal bestätigt, nach dem die Bundesregierung einen Rettungsplan für eine etwaige Schieflage der Deutschen Bank vorbereite. Er verwies am Mittwoch auf eine Erklärung seines Sprechers und sagte: „Der hat alles gesagt, was zu sagen ist“. Schäubles Sprecher hatte den Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ als falsch und unzutreffend zurückgewiesen. Es gebe keinen Anlass für solche Spekulationen.

Bei der Deutschen Bank ging es nach dem Absturz auf ein frisches Rekordtief von 10,18 Euro zu Wochenbeginn wieder aufwärts. Die Papiere gewannen zeitweise bis zu vier Prozent und gingen zwei Prozent höher bei 10,765 Euro aus dem Handel. Anleger reagierten erleichtert, dass das krisengeschüttelte Institut nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit keine Staatshilfe braucht. Zudem kurbelte der Verkauf der britischen Versicherungstochter Abbey Life für umgerechnet rund eine Milliarde Euro die Nachfrage nach Deutsche-Bank-Aktien an.

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Benzin wird teurer: OPEC-Staaten einigen sich auf Fördergrenze
Benzin wird teurer: OPEC-Staaten einigen sich auf Fördergrenze
Die OPEC hat eine Drosselung der Öl-Förderung beschlossen. Bleibt es dabei, werden die Preise für Benzin und Heizöl steigen. Es ist allerdings nicht sicher, ob es wirklich dazu kommt: Der Irak hat bereits signalisiert, dass er eine Änderung der Berechnung…
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Der saudische Öl-Minister Khaled al-Faleh am Mittwoch in Algier. (Foto: dpa)

Der saudische Öl-Minister Khaled al-Faleh am Mittwoch in Algier. (Foto: dpa)

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Die Konsumenten müssen sich auf steigende Benzin- und Ölpreise einstellen: Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich nach langem Ringen auf eine Obergrenze bei der Ölförderung geeinigt. Das informelle Treffen in der algerischen Hauptstadt Algier sei zu einer außerordentlichen Sitzung geworden, sagte Katars Energieminister Mohammed al-Sada nach den mehr als sechsstündigen Beratungen am späten Mittwochabend. Demnach einigte sich das Kartell dabei auf eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel (je 159 Liter).

Die Entscheidung bedeutet eine Absenkung der Produktion um fast 750 000 Barrel täglich gegenüber August diesen Jahres. Zusätzlich zur Gesamtmenge habe die Opec darauf geeinigt, ein Gremium einzusetzen, das bis zur nächsten offiziellen Sitzung der Organisation im November in Wien die Förderquoten für jeden Mitgliedsstaat bestimmen solle, sagte al-Sada.

Die Ölpreise zogen angesichts erster Meldungen über eine Einigung bereits am frühen Abend an. Am Terminmarkt legte das Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November um 6,50 Prozent auf 48,96 US-Dollar zu. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 6,13 Prozent auf 47,41 Dollar.

Ob die Fördergrenze wirklich hält, ist noch ungewiss: Der Irak fordert eine neue Berechnung der Quote. Der irakische Ölminister sagte unmittelbar laut dem englischsprachigen Dienst von Reuters nach der Einigung, dass die aktuellen Quoten nicht der Realität entsprächen. Außerdem kritisiert der Irak, dass der Iran eine höhere Quote bekommen soll, um nach den Sanktionen wieder aufholen zu können.

Algeriens Energieminister Noureddine Boutarfa hatte vor dem Treffen deutlich gemacht, dass ein Preis von im Schnitt unter 50 US-Dollar pro Barrel Öl (159 Liter) nicht tragbar sei und den Markt und die Versorgungssicherheit mittel- und langfristig gefährde.

Seit Mitte 2014 sind die Ölpreise auf dem Rohstoff-Weltmarkt in einem langjährigen Tief. Zwischenzeitlich erholten sie sich zwar etwas. Insgesamt machten die geringen Notierungen, von denen Verbraucher bei Benzin oder Heizöl profitieren, etlichen Förderländern und Förderunternehmen aber weiter stark zu schaffen. Eine Begrenzung der geförderten Menge soll das Angebot verknappen und die Preise erhöhen.

Vor allem Unstimmigkeiten zwischen den großen ölproduzierenden Ländern Saudi-Arabien und Iran hatten bisher einer Einigung auf eine Begrenzung der Fördermengen im Wege gestanden. Nicht-Opec-Mitglied Russland, ebenfalls wichtiger Ölproduzent auf dem Markt, zeigte sich bereit zu Gesprächen mit den Opec-Staaten. «Sollte es ein Angebot geben zu einem Treffen zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern, nehmen wir es an», sagte Russlands Energieminister Alexander Nowak der Agentur Interfax zufolge. An dem informellen Treffen in Algier hatte Russland jedoch nicht teilgenommen.

Die Mitgliedstaaten der Opec liefern weltweit etwa ein Drittel des Rohöls und besitzen rund drei Viertel der bekannten Reserven.

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Harter Schnitt: Commerzbank streicht 9600 Stellen
Harter Schnitt: Commerzbank streicht 9600 Stellen
Die Commerzbank wird bis zum Jahr 2020 etwa 9.600 Vollzeit-Arbeitsplätze abbauen. Die Restrukturierung der Bank wird mindestens 1,1 Milliarden Euro kosten – eine Dividende für die Aktionäre, darunter den Bund, entfällt.
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Die Commerzbank wird in den kommenden Jahren tausende Stellen streichen. (Foto: dpa)

Die Commerzbank wird in den kommenden Jahren tausende Stellen streichen. (Foto: dpa)

Deutschlands zweitgrößte Bank baut in großem Umfang Stellen ab. Bis 2020 will die Commerzbank 9600 Vollzeitstellen streichen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Das wäre fast jede fünfte Stelle: Derzeit arbeiten rund 50.000 Menschen bei der Bank. Wie sein Vorgänger Martin Blessing setzt der seit Mai amtierende Konzernchef Martin Zielke den Rotstift an: Bereits in Blessings Amtszeit hatte das Institut seit 2013 etwa 5000 Stellen abgebaut.

Die Bundesregierung will die Umbaupläne der Commerzbank und die geplante Streichung der Arbeitsplätze nicht kommentieren. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums wollte dazu am Donnerstag keine Stellung nehmen. Nach den Plänen des Instituts soll mehr als jede fünfte der zuletzt 45.0000 Vollzeitstellen wegfallen. Der Bund hält an der zweitgrößten Bank in Deutschland einen Anteil von gut 15 Prozent.

Der Stellenabbau sei Teil der strategischen und finanziellen Ziele bis 2020, die der Vorstand am Freitag beschließen werde, teilte die Bank mit. Es würden aber gleichzeitig auch 2300 neue Stellen „in Wachstumsfeldern“ entstehen, so dass sich der Netto-Stellenabbau auf rund 7300 Vollzeitkräfte belaufe.

Die Commerzbank kämpft wie die Konkurrenz mit den Folgen des anhaltenden Zinstiefs und deutlich verschärften Auflagen der Aufseher. Im ersten Halbjahr brach der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein.

Ihr Geschäft fokussiert die Commerzbank in den zwei Kundensegmenten „Privat- und Unternehmerkunden“ sowie „Firmenkunden“. Die Segmente Mittelstandsbank und Corporates & Markets werden gebündelt und das Handelsgeschäft im Investmentbanking reduziert. Das Mittelstandgeschäft, lange der mit Abstand größte Ertragsbringer des Konzerns, litt zuletzt immer stärker unter dem Niedrigzinsniveau.

Der Umbau soll 1,1 Milliarden Euro kosten. Deshalb streicht die Bank ihren Aktionären vorerst die Dividende. In Aussicht gestellt waren ursprünglich für dieses Jahr 20 Cent je Papier, es wäre die zweite Gewinnausschüttung seit der Finanzkrise gewesen.

Für das dritte Quartal erwartet das Institut ein negatives Ergebnis, im Gesamtjahr 2016 aber einen leichten Gewinn. 2015 schrieb die Commerzbank wieder einen Milliardengewinn und der langjährige Vorstandschef Blessing konnte sich in diesem Frühjahr mit der ersten Dividende seit 2007 verabschieden. Doch schon damals wackelte das Vorhaben, den Milliardengewinn 2016 zu wiederholen, im Sommer kassierte der Vorstand dieses Ziel.

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Private Krankenkassen vor massiver Erhöhung der Beiträge
Private Krankenkassen vor massiver Erhöhung der Beiträge
Rund sechs Millionen privat Krankenversicherten in Deutschland droht ein massiver Beitragssprung. Die Versicherung werde für sie im kommenden Jahr im Durchschnitt um elf Prozent teurer.
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Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). (Foto: dpa)

Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). (Foto: dpa)

Die FAZ berichtet, in besonders heftigen Fällen seien auch gut doppelt so hohe Prämienanhebungen möglich. „Zusatzkosten in Höhe von 50 Euro im Monat und mehr sind möglich“, berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise.

Die von den geplanten Beitragserhöhungen betroffenen Versicherten machen den Angaben zufolge zwei Drittel der knapp neun Millionen privat Versicherten in Deutschland aus. Für die höheren Beiträge macht der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank verantwortlich. „Ohne die Auswirkungen der Niedrigzinsen wäre die PKV-Beitragsentwicklung auch in diesem Jahr unauffällig“, sagte PKV-Direktor Volker Leienbach der Zeitung.

Die Branche müsse die Gelder, die sie am Kapitalmarkt nicht erwirtschaften könne, laut Gesetz durch höhere Vorsorge finanzieren, sagte Leienbach. Das treffe Versicherte „wie andere Sparer auch“.

Während Unionspolitiker sich angesichts der deutlichen Prämienanhebungen laut FAZ dafür aussprachen, Gesetze zu ändern, lehnt der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dies ab: „Wir sind nicht die Knechte der PKV-Lobby, diese Zeiten sind vorbei“, sagte er. Auch mache die SPD sich unglaubwürdig, wenn sie einerseits für die Abschaffung der PKV durch eine Bürgerversicherung werbe, andererseits „Rettungspakete für die Privatversicherung“ schnüre.

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China stößt in großem Stil US-Staatsanleihen ab
China stößt in großem Stil US-Staatsanleihen ab
China, der größte Gläubiger der USA, stößt seit Monaten amerikanische Staatsanleihen ab. Im Juli erreichten die verbliebenen Schuldtitel den Stand von 2013. Auch andere wichtige Gläubiger haben offenbar eine Verkaufsserie eingeleitet. Findet dieser Trend Nachahmer, wäre dies für die USA…
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Die Chinesen wollen den Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung machen. (Foto: dpa)

Die Chinesen wollen den Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung machen. (Foto: dpa)

Seit Mitte des vergangenen Jahres ist China dazu übergegangen, schrittweise amerikanische Staatsanleihen („Treasuries“) zu verkaufen. Allein im Juli wurden Papiere im Gesamtwert von 22 Milliarden Dollar abgestoßen. Zu Beginn des Jahres war noch das Gegenteil der Fall (Video am Anfang des Artikels). Die gesamten in chinesischem Besitz befindlichen Anleihen hatten einen Umfang von knapp 1,22 Billionen Dollar, wie Bloomberg berichtet. Dies markierte den tiefsten Stand seit Anfang 2013. Ende 2013 wurde mit etwa 1,32 Billionen Dollar ein vorläufiger Höhepunkt erreicht.

Auch Saudi-Arabien scheint dazu übergegangen zu sein, die amerikanischen Papiere langfristig zu verkaufen. Die Ansprüche des Königreichs gegenüber den USA sanken im Juli zum sechsten Mal in Folge auf einen Stand von 96,5 Milliarden Dollar.

Japan, der zweitgrößte Gläubiger der USA nach China, kaufte im Juli hingegen für fast 7 Milliarden Dollar Treasuries. Die Ansprüche gegenüber dem US-Schatzamt stiegen dadurch auf etwa 1,15 Billionen Dollar.

Der US-amerikanische Finanzanalyst Jim Rickards erkennt in den Entwicklungen einen Trend: Insbesondere China versuche, amerikanische Staatsanleihen abzustoßen und einen großen Teil seiner liquiden Mittel gleichzeitig in physisches Gold zu investieren, um zu gegebener Zeit einen mit Gold unterlegten Yuan gegen den Dollar als Weltleitwährung positionieren zu können.

Ab einem gewissen Zeitpunkt, so Rickards, werde im Markt für US-Staatsanleihen Panik ausbrechen, weil andere Staaten auf den Trend aufspringen werden: „Es gibt keine Möglichkeit, ein Land davon abzuhalten, seinen eigenen Goldstandard zu erschaffen, indem es sich aus den Papiermärkten zurückzieht und physisches Gold hortet. Die neuesten Daten zeigen, dass China in regelmäßigen Abständen Treasuries verkauft (und Saudi-Arabien tut dies auch). Trends wie dieser tendieren dazu, sich über die Zeit zu beschleunigen und weitere Anhänger zu finden. Irgendwann fangen alle großen Gläubiger an, die amerikanischen Schuldtitel abzustoßen, weil sie verhindern möchten, dass sie die letzten sind, die solche Papiere halten, wenn die USA wegen höherer Leitzinsen in den Bankrott stolpern oder es zu einer Hyperinflation kommen sollte.“

Die US-Notenbank will nun dafür sorgen, dass die US-Banken stärker in den Kauf von Treasuries einsteigen.

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