Versicherungskonzern Ergo baut 2400 Stellen ab

Der Versicherungskonzern Ergo baut radikal um. In den kommenden vier Jahren soll jede siebte Stelle im Unternehmen wegfallen. 2021 soll dann eine halbe Milliarde Euro Gewinn abgeliefert werden.

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Der neue Vorstandschef Markus Rieß verpasst Deutschlands zweitgrößtem Versicherungskonzern Ergo eine Radikalkur. Im Zuge des Umbaus sollen in den kommenden vier Jahren 2400 Vollzeit-Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden, vor allem im Vertrieb, wie Rieß am Mittwoch in Düsseldorf ankündigte.

Damit verliert rechnerisch jeder siebte der 14.300 Ergo-Mitarbeiter im Inland den Job. 565 Arbeitsplätze sollen an anderer Stelle neu entstehen. Ergo sei bei den Kosten nicht konkurrenzfähig, sagte Rieß. Zugleich will er eine Milliarde Euro in die Hand nehmen und damit die Produkte, die veraltete IT und die Verwaltung auf Vordermann bringen. „Ich traue uns diesen Wandel auch zu“, sagte der vom Marktführer Allianz gekommene Rieß. „Ergo ist eine große Gesellschaft, die unter ihren Möglichkeiten bleibt.“

Die größten Einschnitte plant der ehemalige Bankmanager laut Reuters in der Lebensversicherung. Neugeschäft will Ergo künftig nur noch mit fondsgebundenen, anderen kapitalmarktnahen sowie mit Risiko-Lebensversicherungen machen, die die Bilanz bei niedrigen Zinsen weniger belasten. Der Münchener-Rück-Vermögensverwalter MEAG soll dabei helfen. Aus dem Geschäft mit klassischen Policen mit langfristigen Garantien will Rieß komplett aussteigen, die sechs Millionen bestehenden Policen von Ergo Leben (früher Hamburg-Mannheimer) und Victoria Leben werden abgewickelt. Der Konzern geht damit weiter als andere Versicherer, die sich von Policen mit langfristigen Garantien mehr oder weniger verabschieden. Ergo denke aber nicht daran, den Bestand an einen Abwickler wie den Finanzinvestor Cinven (Heidelberger Leben) zu verkaufen, sagte Rieß.

Neben der erfolgreichen Tochter Ergo Direkt will Rieß einen reinen Online-Versicherer mit Billigtarifen ins Leben rufen, der nur noch über das Internet mit seinen Kunden kommuniziert. Die neue Gesellschaft soll 2017 zunächst mit einer Kfz-Versicherung an den Start gehen. In drei Jahren soll Ergo damit – abgesehen von der Lebensversicherung – stärker wachsen als die zwei bis vier Prozent, die die Branche im Schnitt erreicht.

Aber auch im althergebrachten Geschäft soll der Vertrieb stärker zentralisiert werden. „Wir leisten uns heute mehrere Vertriebsorganisationen und in der Verwaltung aufwendige Prozesse“, sagte Rieß. Die Verwaltungskosten lägen deutlich über dem Durchschnitt der Branche. Sie sollen bis spätestens 2020 um 280 Millionen Euro niedriger sein als heute. In der Schaden- und Unfallversicherung will Rieß die Kostenquote von 34 Prozent auf weniger als 30 Prozent drücken. Marktführer Allianz liegt bei 25 Prozent. Ausbauen will Ergo das Geschäft im Ausland – auch mit Zukäufen – sowie mit Gewerbe- und Industriekunden.

Wenn die Strategie 2021 greift, will Ergo bei der Münchener Rück mehr als 500 Millionen Euro Gewinn pro Jahr abliefern. Das hatte sie seit Jahren nicht geschafft. Das Investitions- und Sparprogramm verschlingt freilich zunächst eine Milliarde Euro. Davon schlagen 300 Millionen allein in diesem Jahr zu Buche. Das treibt Ergo zum zweiten Mal in Folge leicht in die Verlustzone und drückt den Gewinn der Münchener Rück auf 2,3 (Vorjahr: 3,1) Milliarden Euro. Für das nächste Jahr verspricht Rieß wieder deutlich schwarze Zahlen. Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard stellte sich hinter den Plan: „Das Strategieprogramm wird Ergo wieder zu einer starken Ertragssäule von Munich Re machen.“

Arbeitnehmervertreter sehen den Ergo-Umbau mit gemischten Gefühlen: „Was dieses Programm von den vorherigen unterscheidet, ist, dass ernsthaft Geld dafür in die Hand genommen wird“, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Frank Fassin, der auch dem Aufsichtsrat von Ergo angehört, der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Produkte waren nicht mehr wettbewerbsfähig. Allerdings geht das wieder auf Kosten der Beschäftigten.“ Dabei hätten in den vergangenen Jahren bei Ergo schon Tausende ihren Arbeitsplatz verloren. Das habe auch die Glaubwürdigkeit der Vorstandschefs unterhöhlt. Die Gewerkschaft dringt auf einen Verzicht auf Entlassungen im Zuge des Umbaus. Rieß hält das allerdings nicht für machbar.

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