Betriebsrat: Deutsche Börse ist Verlierer bei Fusion mit London

Der Betriebsrat der Deutschen Börse hat die geplante Fusion mit der Londoner Börse scharf kritisiert. In seiner jetzigen Form sei dies kein Zusammenschluss unter Gleichen – der Bedeutungsverlust von Frankfurt sei vorprogrammiert. Der Rat fordert umfassende Änderungen, bevor er den Aktionären eine Zustimmung empfiehlt.

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Der Betriebsrat der Deutschen Börse verlangt bei der anvisierten Fusion mit der London Stock Exchange umfassende Änderungen und Zusicherungen, wie Reuters meldet. Das neue Unternehmen müsse in Frankfurt und nicht wie geplant in London angesiedelt werden, fordern die Arbeitnehmervertreter in einer Stellungnahme. „Die beabsichtigte Fusion ist in der geplanten Konstellation kein Zusammenschluss unter Gleichen“, heißt es in dem Schreiben. „Die zentralen Unternehmensentscheidungen werden künftig allein von London aus getroffen, der Bedeutungsverlust für Frankfurt ist vorprogrammiert.“ Das werde auf lange Sicht auch negative Folgen für die deutsche Volkswirtschaft haben.

Die deutlichen Aussagen zeigen, dass Vorstandschef Carsten Kengeter viele Mitarbeiter im eigenen Haus bisher nicht von seinen Plänen überzeugt hat. Die betriebswirtschaftliche Logik eines Zusammenschlusses klinge zwar überzeugend, heißt es in dem Schreiben. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Börse haben deshalb auch für die Fusion gestimmt. Diese ist aus Sicht des Betriebsrats für Deutschlands größten Börsenbetreiber aber nicht „gottgegeben“, wie Kengeter dies Mitte Mai bei einer Veranstaltung in Eschborn dargestellt habe. „Alternative Vorschläge, wie ein anorganisches Wachstum durch wirtschaftlich und strategisch sinnvolle Zukäufe, werden offensichtlich nicht weiter verfolgt, obschon gerade diese strategische Option von Wettbewerbern der Deutschen Börse sehr erfolgreich umgesetzt wurde.“

Kengeter hat mehrfach erklärt, die Bedeutung des Sitzes des fusionierten Unternehmens werde überschätzt. Unterhalb der Holding in London sollen die Deutsche Börse AG und die LSE als Unternehmen erhalten bleiben. Viele Kritiker in Frankfurt, deutsche Aufsichtsbehörden und Arbeitnehmer sehen das allerdings anders. Zuletzt hatte sich der Privatbankier Friedrich von Metzler für Frankfurt als Sitz einer neuen deutsch-britischen Börse stark gemacht – er ist misstrauisch, weil die fusionierte Holding am Standort London unter englischem Recht firmieren würde. Der Betriebsrat empfiehlt den Aktionären eine Zustimmung zu dem gut 25 Milliarden Euro schweren Deal deshalb nur, wenn die Mega-Börse doch noch in Frankfurt angesiedelt wird. Diese Forderung gelte umso mehr bei einem Austritts Großbritanniens aus der EU, heißt es in dem Schreiben, über das zuerst die Wirtschaftswoche berichtete.

Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Holding dürfe es nicht geben. Die hessische Börsenaufsicht müsse eine Veto-Recht bei Investitionsentscheidungen bekommen und die Möglichkeit haben, eine Übernahme des fusionierten Konzerns durch einen Konkurrenten zu blockieren. Der Stellenabbau, von dem bei beiden Konzernen brutto 1250 Stellen betroffen sein sollen, müsse zudem ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gehen.

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