WDR-Journalist rastet bei Interview aus, wirft russisches TV-Team raus

Bei einem Interview mit dem russische Sender Rossija ist es in Köln zu einem Eklat gekommen: WDR-Journalist und Doping-Experte Hajo Seppelt wollte ein Interview, das Rossija mit ihm führte, abbrechen. Als die russische Journalistin weiter Fragen stellte, warf Seppelt das Team aus dem Hotelzimmer. Er sagte der Kollegin, dass sie dumm sei. Später bedauerte er seine heftige Reaktion. Sie sei jedoch in der konkreten Situation „alternativlos“ gewesen.

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Abruptes Ende eines unerfreulichen Interviews. Der WDR-Journalist Hajo Seppelt wirft russisches Staatsfernsehen aus dem Hotel. (Screenshot: Rossija)

Abruptes Ende eines unerfreulichen Interviews. (Screenshot: Rossija)

Bei einem Interview des staatlichen russischen Senders Rossija mit dem WDR-Doping-Experten Hajo Seppelt ist es zu einem Eklat gekommen. Die russische Journalistin wollte von Seppelt die Unterlagen sehen, die die Doping-Vorwürfe gegen die russischen Sportler belegen. Seppelt sagte, er habe die Unterlagen gerade nicht bei der Hand. Auf die Aussage der russischen Journalistin Olga Skabejewa, sie versuche, „ein Freund meines Landes zu sein“, sagte Seppelt: „Warum? Sie müssen nicht Freund Ihres Landes sein. Warum nicht? Weil Sie Journalistin sind, Sie müssen unabhängig sein. Sie verstehen Ihre Aufgabe als Journalistin nicht.“

Wenig später zeigt das russische Fernsehen durchaus dynamische Bilder: Seppelt wirft das Kamerateam eigenhändig aus dem Hotelzimmer. Auf die Frage, warum er so agressiv sei, sagte Seppelt: „Weil Sie dumm sind.“ Der WDR-Journalist war bereits sichtlich verärgert, als ihn die Russin fragte, ob ihn jemand für seine Berichte bezahle. Er sei Journalist, nicht Agent, sagte Seppelt noch vergleichsweise ruhig. Wenig später eskalierte die Situation vollständig (Video ab 8:40).

Rossija filmte die ganze Szene und sendete den Vorfall ungekürzt, unterlegt mit durchaus zweifelhaft-süffisanten Anmerkungen. Seppelt rief die Polizei, weil er sich bedrängt gefühlt habe. Die Russen sagen, der WDR-Journalist habe sie dreißig Minuten bis auf die Straße verfolgt. Tatsächlich zeigen die Aufnahmen, dass Seppelt der russischen Journalistin das Mikrofon weggenommen hatte und es ihr auch auf mehrfache Aufforderung nicht zurückgab.

Seppelt sagte der FAZ, Samstag, das Interview habe ganz normal begonnen, nach 15, 20 Minuten habe er jedoch festgestellt, dass die Fragen immer eigentümlicher und zu Beschuldigungen geworden seien. Er habe das Gespräch schließlich beendet und von dem Drehteam verlangt, das Hotelappartement zu verlassen. Es sei aber nicht gegangen und habe weitergefilmt, bis er die Polizei gerufen habe.

Seppelt zeigte sich jedoch auch selbstkritisch wegen seines Ausrasters: Er müsse sich, so Seppelt in der FAZ, „den Vorwurf machen, nicht rechtzeitig erkannt zu haben, dass das Gespräch provozieren sollte und es eigentlich gar nicht um die Sache ging. Dass mir der Kragen geplatzt ist, nachdem ich eine halbe Stunde vergeblich darum gebeten habe, das Hotelappartement zu verlassen, war vielleicht nicht die feine Art, aber menschlich vielleicht nachvollziehbar. Und für mich in dem Moment alternativlos. Mir war auch nicht klar, dass nach meiner Aufforderung, die Kamera auszuschalten, weiterhin gefilmt wurde, auch in meinem Schlafzimmer. Ich habe viel Erfahrung mit Interviews weltweit, aber ich hatte noch nicht die Erfahrung, was es heißt, wenn das russische Staatsfernsehen kommt.“

In der Sache bleibt Seppelt hart: Er sagte der FAZ, er habe „den Eindruck, als sollten die Whistleblower Julia und Witali Stepanow und ich jetzt zu Staatsfeinden stilisiert werden, damit man jemanden hat, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann, wenn Russland tatsächlich ausgeschlossen wird. Wenn auch der Kreml-Sprecher sich dazu äußert, zeigt das, welchen Rang das Thema hat. Es wird als Angriff auf den Kreml ausgelegt. Wir haben mit unserem Film offensichtlich den schlimmsten Nerv getroffen.“

Der Westdeutsche Rundfunk WDR sagte der dpa als Reaktion auf den Vorfall, der Sender prüfe nun juristische Schritte gegen den russischen Fernsehsender Rossija: „Das Interview mit Hajo Seppelt, das im russischen Fernsehsender RossijaTV gezeigt wurde, ist weder von ihm noch vom WDR freigegeben worden“, sagte eine WDR-Sprecherin am Samstag. „Darauf haben wir den Sender im Vorfeld schriftlich hingewiesen.“

Seppelt hat sich in mehreren ARD-Dokumentationen mit dem Thema Doping in Russland beschäftigt, zuletzt wurde am vergangenen Mittwoch der Film „Geheimsache Doping: Showdown für Russland“ ausgestrahlt. Die Führung in Moskau weist die Vorwürfe zurück. Den russischen Leichtathleten droht eine Sperre für Olympia 2016 in Rio de Janeiro.

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