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Autonomes Fahren: Autobahn-Teststrecken werden ausgebaut

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will das Testfeld für autonome Fahrzeuge ausweiten. Künftig soll es neue Autobahn-Strecken geben, die so mit Technik ausgestattet sind, das sie auch mit den Fahrzeugen kommunizieren. Ein entsprechendes Testfeld auf der A9 soll nun ausgebaut werden, auf A2 und A7 ein neues hinzukommen.

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Nach der Autobahn A9 in Bayern soll es auch auf der A7 und der A2 Versuchsstrecken für selbstfahrende Autos geben. Niedersachsen will auf den Autobahnen 2 und 7 im Raum zwischen Hannover, Braunschweig und Salzgitter einen Testring für autonomes Fahren aufbauen. Die Strecken sollen bis 2018 schrittweise mit der erforderlichen Technik ausgerüstet werden, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

In Bayern gibt es bereits seit vergangenem Jahr auf der A9 eine Teststrecke, die mit Technik ausgestattet wird, die auch die Kommunikation zwischen der Strecke und selbstfahrenden Autos gestattet. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gab in der vergangenen Woche bekannt, dass der Ausbau dieser Teststrecke weiter voran getrieben wird. Zwischen München und Nürnberg werden in den nächsten Monaten auf der A9 Radarsensoren aufgebaut, die Verkehrsdichte, Tempo, Abstand und andere Bewegungsdaten der Fahrzeuge anonym messen.

Den entsprechenden Vertrag unterzeichneten Dobrindt, Infineon-Chef Reinhard Ploss und Siemens-Manager Jochen Eickholt am 13. Juni in München, so die dpa. Die Vernetzung der Daten von Straße und Autos über Mobilfunk soll viele Unfälle und Staus vermeiden, zum Beispiel durch eine Warnung vor einer Gefahr hinter der nächsten Kurve oder durch Freigabe der Standspur. Die Strecke wird bereits seit dem vergangenen September als digitales Testfeld für selbstfahrende Autos genutzt.

Das Besondere: Hier fahren – wie auf anderen Strecken – nicht nur computergesteuerte Fahrzeuge, die Technik an der Straße ermöglicht auch die Kommunikation zwischen den Autos und Sensoren. Dobrindt sagte: „Die A9 in Bayern wird die erste intelligente und volldigitalisierte Straße.“ Für die Erprobungsphase liefert Infineon die Sensor-Chips, die Siemens in Messgeräte einbaut und entlang der Autobahn installiert. Rund zehn Anlagen sollen 2017 in Betrieb gehen.

Auf der A9 sind seit vergangenem Jahr bereits mehrere autonom fahrende Testfahrzeuge unterwegs, die über schnellen LTE-Mobilfunk und Datenstationen in Funkmasten miteinander kommunizieren. Für die Strecke in Niedersachsen soll ein Testdreieck entstehen, das die A2 zwischen Braunschweig und Hannover, die A7 zwischen Hannover und dem Dreieck Salzgitter und die A39 zwischen Salzgitter und Braunschweig umfasst. Federführend bei dem Projekt sei das Land und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Testfeld soll nach Worten von Wirtschaftsminister Lies mit Volkswagen und Continental aufgebaut und betrieben werden.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will das automatisierte Fahren mit computergesteuerten Autos auf deutschen Straßen weiter vorantreiben. Dafür soll eine Kommission „ethische Fragen beim Paradigmenwechsel vom Autofahrer zum Autopilot“ klären. Mit Beteiligung von Vertretern aus Wissenschaft, Auto- und Digitalbranche soll die Kommission Leitlinien für Algorithmen entwickeln, nach denen Autos in Risikosituationen reagieren. Hierfür soll etwa gelten: „Ein Sachschaden ist einem Personenschaden immer vorzuziehen.“

Das Bundeskabinett hatte Mitte April eine Erweiterung der rechtlichen Grundlagen für das automatisierte Fahren beschlossen. Demnach dürfen Computer selbstständig neue Aufgaben übernehmen. Die Systeme müssen aber so gestaltet sein, dass Fahrer sie jederzeit übersteuern oder abschalten können. Dies betrifft etwa Brems- und Spurhalteassistenten oder Systeme, bei denen der Fahrer auf der Autobahn für einige Zeit die Hand vom Lenkrad nehmen kann. Darüber hinaus peilt Dobrindt Rechtsänderungen an, die den Weg für Systeme ohne Fahrer ebnen.

 


TV-Debatte: Trump in erster Runde schwach gegen Clinton
TV-Debatte: Trump in erster Runde schwach gegen Clinton
Im ersten TV-Duell konnte Donald Trump gegen Hillary Clinton nicht überzeugen. Er verzettelte sich als klassischer Quereinsteiger in unnötigen Scharmützeln gegen Clinton. Überraschend: Vor allem in der Wirtschaftspolitik blieb Trump blass.
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Donald Trump und Hillary Clinton bei der TV-Debatte an der Hofstra University in Hempstead, New York. (Foto: dpa)

Donald Trump und Hillary Clinton bei der TV-Debatte an der Hofstra University in Hempstead, New York. (Foto: dpa)

Die erste Runde der TV-Debatten zwischen Donald Trump und Hillary Clinton sah zwar keinen deutlichen Sieg von Hillary Clinton. Ihre Positionierung, dass es Amerika gut gehe und sich die Lage durch einige Verbesserungen noch weiter stabilisieren werde, konnte nicht überzeugen. Clinton agierte jedoch sehr professionell – man konnte sehen, dass sie ein Medien-Profi ist.

Trumps Kalkül, sich als Anwalt der kleinen Leute zu präsentieren, ging nicht auf. Er machte zwei klassische Fehler, die Quereinsteigern aus der Wirtschaft immer wieder unterlaufen: Er verzettelte sich in Scharmützeln, weil er den Eindruck hat, von den Medien schlecht behandelt zu werden. Zwar gelang es ihm, mit markigen Sprüchen zu punkten – etwa, als er sagte, er werde seine Steuererklärung veröffentlichen, wenn Clinton ihre verschwundenen Emails veröffentlicht. Auf die sehr pointiert vorgetragenen Mutmaßungen Clintons, warum Trump seine Steuererklärung nicht veröffentliche, ging er nicht ein – womit der Verdacht im Raum stehen blieb, Trump habe vermutlich sehr wenige Steuern gezahlt.

Doch sein zweiter Fehler war noch gravierender: In vielen Wortmeldungen sprach er nicht zur Sache, sondern verwies auf seine Leistungen, die er als Unternehmer vollbracht hatte. Es ist jedoch eine alte TV-Weisheit, dass zuviel Selbstlob nicht überzeugen kann.

Überraschend war, dass er in der Wirtschaftspolitik nicht überzeugte. Eigentlich sollte dies seine Domäne sein. Doch es war zu erkennen, dass er außer der pauschalen Senkung der Unternehmenssteuern keine Konzepte auf den Tisch legte. Insbesondere ging er nicht auf die Ungleichheit zwischen Arm und Reich ein – dem vielleicht drängendsten Problem in der amerikanischen Gesellschaft. Man konnte sich des Eindruck nicht erwehren, dass ein US-Präsident Trump im Amt am Ende doch eine Klientel-Politik im alten Stil machen würde, die vor allem auf seinesgleichen, nämlich die Super-Reichen abzielt.

Clinton gelang es immer wieder, mit kleinen Spitzen oder erheblichen Vorwürfen Trump aus der Spur zu bringen. Trump ist, wie viele Unternehmer, kein ausgesprochener Intellektueller. Er geriet immer wieder in die Defensive – und musste sich von Clinton über weite Strecken die Themen diktieren lassen.

Auch in der Außenpolitik waren seine Aussagen nicht konsistent: Einerseits sagte er, die USA seien nicht der Weltpolizist. Dann aber donnerte er gegen den Iran oder Nordkorea, woran man erkennen konnte, dass er sich mit der Außenpolitik nicht wirklich beschäftigt hat. Clinton konnte dagegen ohne große Mühe ihren Ansatz durchbringen, wonach die USA eine führende Rolle spielen sollten. Ihre unbewiesene Behauptung, Russland stecke hinter den jüngsten Hackerangriffen, konterte Trump nur halbherzig.

Allerdings könnte Trump auf der emotionalen Ebene gepunktet haben: Die durch seine bizarren Aussprüche befeuerte Dämonisierung durch weite Teile der Öffentlichkeit verstand er, durch ein vergleichsweise konziliantes Auftreten zu konterkarieren. Clinton wirkte dagegen intellektuell sicher, aber nicht besonders glaubwürdig und etwas kühl.

Wirklich überzeugend agierte der Moderator Lester Holt: Er verstand es, durch seine sehr distanzierte und ruhige Gesprächsführung die Debatte in der richtigen Mischung aus Improvisation und Überwachung der gerechten Verteilung der Redezeit zu steuern.

Im Lauf des Oktober werden noch zwei weitere Debatten folgen.

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Gefährlich für Russland: Söldner in Syrien wollen Luftabwehr-Raketen
Gefährlich für Russland: Söldner in Syrien wollen Luftabwehr-Raketen
Ein anonymer US-Regierungsvertreter hat gedroht, die islamistischen und internationalen Söldner mit Luftabwehr-Raketen ausrüsten. Das könnte für die russische und die syrische Luftwaffe gefährlich werden. Die Regierung kämpft in Aleppo weiter gegen die Söldner. Der Hisbollah-Chef sagte, das letzte Wort müsse…
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Eine russische TU-22M3 im Einsatz über Syrien. (Foto: dpa)

Eine russische TU-22M3 im Einsatz über Syrien. (Foto: dpa)

In Syrien setzt die Armee von Präsident Baschar al-Assad zum Sturm auf die von internationalen und islamistischen Söldnern eroberten Gebiete in der Metropole Aleppo an. Nach tagelangen Luftangriffen stießen die Soldaten in einer großangelegten Bodenoffensive auf Stellungen der Söldner an vier Orten gleichzeitig vor, teilte ein hochrangiger Vertreter der Söldner am Dienstag laut Reuters mit.

Angesichts der immer schwieriger werdenden Lage der Söldner drohte ein Vertreter der USA, die Milizen könnten mit Luftabwehr-Raketen ausgerüstet werden, schreibt Reuters.

Die Truppen bewegten sich nach Angaben eines regierungstreuen Milizenkommandeurs unter Führung einer Eliteeinheit in gepanzerten Fahrzeugen auf Rebellengebiete im Osten der Stadt zu, berichtet Reuters. Auch im Südwesten der Stadt wurden Gefechte gemeldet. Zudem griff die Regierung die Palästinenser-Siedlung Handarat im Norden der Stadt erneut an. Rebellen hatten die Soldaten erst am Wochenende wieder aus dem strategisch wichtigen Ort vertrieben. Die Regierung hatte am Montag gemeldet, die Ortschaft erobert zu haben. Offenkundig leisten die Söldner jedoch weiter Widerstand.

Ein Grund für den militärischen Erfolg Assads ist die Unterstützung durch die russische Luftwaffe. Die Söldner und Milizen selbst verfügen über keine Kampfflugzeuge. Das Scheitern der jüngsten Feuerpause könnte nach Einschätzung von US-Regierungsvertretern die Verbreitung von Luftabwehrgeschossen bei Rebellen fördern, spekuliert Reuters. Es steige die Wahrscheinlichkeit, dass Golfstaaten Aufständische mit tragbaren Raketen ausrüsteten, mit denen sie Hubschrauber und Flugzeuge abschießen könnten, sagte ein anonymer Regierungsinsider der Nachrichtenagentur. Dies hätten die USA bislang verhindert. Saudi-Arabien hatte bereits vor Monaten angekündigt, die Islamisten mit Raketen ausstatten zu wollen.

In einem bemerkenswerten Interview, das der deutsche Journalist Jürgen Todenhöfer mit dem al-Nusra-Kommandanten Abu Al Ezz für den Kölner Stadtanzeiger geführt hat, sagte der al-Nusra-Mann:

„Ja, die USA unterstützen die Opposition, aber nicht direkt. Sie unterstützen die Länder, die uns unterstützen. Aber wir sind mit dieser Unterstützung noch nicht zufrieden. Sie sollten uns mit hochentwickelten Waffen unterstützen. Wir gewannen die Kämpfe dank der „TOW“-Raketen. Wir haben durch diese Raketen ein Gleichgewicht mit dem Regime erreicht. Die Panzer haben wir aus Libyen über die Türkei bekommen. Auch die „BMs“ -Mehrfachraketenwerfer. Das Regime übertrifft uns nur mit seinen Kampfflugzeugen, Raketen und Raketenwerfern. Wir haben einen Teil ihrer Raketenwerfer erbeutet und einen großen Teil aus dem Ausland bekommen. Aber wir haben durch die amerikanischen „TOW“-Raketen die Lage in einigen Gebieten unter Kontrolle.“

Die al-Nusra-Front ist ein Ableger von al-Kaida. Die UN stufen die Miliz als Terroristen ein. Im Zuge der Gespräche mit den Russen hatten sich Amerikaner zwischenzeitlich von der al-Nusra distanziert und zugesagt, auch gegen diese Terror-Gruppe kämpfen zu wollen. LAut Abu Al Ezz wird die al-Nursa neben den USA von Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, der Türkei und Israel unterstützt.

Zwar unterstützt die US-geführte Koalition einige Milizen mit Luftangriffen. Diese beschränken sich jedoch offiziell auf extremistische Gruppen wie den Islamischen Staat (IS). Am Samstag hatte die US-Koalition unter Beteiligung von Großbritannien und Dänemark versehentlich die syrische Armee bombardiert. Unmittelbar nach dem Angriff hatte der IS einen Vorstoß auf den strategisch wichtigen Flughafen von Deir Ez Zoor gestartet.

Die mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündete libanesische Hisbollah-Miliz Friedensverhandlungen ab. „Es gibt keine Aussichten für eine politische Lösung. Das letzte Wort muss auf dem Schlachtfeld gesprochen werden“, sagte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah der Zeitung „Al-Akhbar“.

„Ich selbst bin skeptisch, dass man im Augenblick … sofort eine Flugverbotszone durchsetzen kann“, sagte Merkel in Berlin. Wegen des brutalen Vorgehens gegen die Bevölkerung müsse man immer wieder versuchen, einen Waffenstillstand zu erreichen. Zugleich wies sie den Regierungen in Damaskus und Moskau die Verantwortung für die Kämpfe zu. „Es ist ganz eindeutig an dem Regime von Assad und auch von Russland, einen Schritt zu gehen, damit die Chancen für einen Waffenstillstand und eine humanitäre Versorgung wieder besser werden.“

Die Weltgesundheitsorganisation forderte Korridore, um verletzte und kranke Menschen aus den umkämpften Gebieten in Sicherheit zu bringen. Nur noch 35 Ärzte befänden sich in den belagerten Stadtvierteln, in denen mindestens 250.000 Menschen lebten. Teil er Taktik der Söldner ist es, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen, was die militärischen Operationen der syrischen Armee ausgesprochen schwierig macht.

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Cryan: Deutsche Bank braucht keine Hilfe vom deutschen Staat
Cryan: Deutsche Bank braucht keine Hilfe vom deutschen Staat
Die Deutsche Bank braucht laut Vorstandschef Cryan keine Rettung durch die Politik. Cryan sagte, er habe Bundeskanzlerin Merkel zu keinem Zeitpunkt um Hilfe gebeten.
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Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan. (Foto: dpa)

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan. (Foto: dpa)

In einem Interview der Bild-Zeitung sagte Cryan auf die Frage, ob die Bank Staatshilfen benötige: „Das ist für uns kein Thema. Ich habe die Bundeskanzlerin zu keinem Zeitpunkt um Hilfe gebeten. Ich habe auch nichts dergleichen angedeutet.“ Weil das US-Justizministerium von Deutschlands größtem Geldhaus 14 Milliarden Dollar als Wiedergutmachung für Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt fordert, steht das Institut seit Tagen an der Börse unter Druck.

Cryan sagte, die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht. Die Bank erfülle alle aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen. Sie habe „weitaus weniger Risiken in den Büchern als früher“ und sei „komfortabel mit freier Liquidität ausgestattet“.

Den Umbau des Instituts sieht der Top-Manager auf einem guten Weg. „Wir haben in den vergangenen Monaten viele Fortschritte dabei erzielt, eine einfachere und bessere Bank zu schaffen.“ Beim geplanten Abbau von insgesamt 9000 Stellen sei die Bank im Plan. „Die Verhandlungen mit den Betriebsräten sind weitgehend abgeschlossen.“ Am Verkauf der Postbank soll festgehalten werden: „Alles ist vorbereitet, wir könnten die Postbank morgen in neue Hände geben – aber dann muss der Preis stimmen. Wir haben Zeit“, so Cryan.

Das britische Votum für einen EU-Austritt wird auch bei der Deutschen Bank Veränderungen mit sich bringen. „Wir werden ganz flexibel auf die Wünsche unserer Kunden reagieren. Wenn die zum Beispiel verstärkt Geschäfte auf dem europäischen Festland abwickeln wollen, werden wir entsprechend Kapazitäten verlagern – vor allem nach Frankfurt.“ Um welches Geschäftsvolumen und um wie viele Stellen es sich konkret handelt, sagte Cryan nicht: „Das steht noch nicht fest.“

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Bundesbank: Größe einer Bank ist kein Garant fürs Überleben
Bundesbank: Größe einer Bank ist kein Garant fürs Überleben
Die Bundesbank hat sich, ohne die Deutsche Bank beim Namen zu nennen, distanziert zur Rettung von Banken geäußert: Größe sei kein Garant für das Überleben, sagte Bundesbank-Vorstand Dombret. Ob diese Aussage auch für sogenannte systemrelevanten Banken gilt, sagte Dombret nicht.
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Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. (Foto: dpa)

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. (Foto: dpa)

Angesichts der anhaltenden Nullzinspolitik der EZB müssen aus Sicht von Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret auch große Geldhäuser mehr für ihre Zukunft tun. „Weder ist die Größe einer einzelnen Bank ein Garant für ihr Überleben, noch kann die Größe des Sektors insgesamt vor Krisen schützen“, sagte er am Dienstag laut Redetext in Wien. In Deutschland ist die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hoch umstritten. Banken kritisieren, dass es ihnen wegen der niedrigen Zinsen zusehends schwer fällt, im angestammten Kreditgeschäft auskömmliche Margen zu erzielen. Deutsche Bank-Chef John Cryan hat EZB-Präsident Mario Draghi, der am Mittwoch im Bundestag erwartet wird, zum Umsteuern aufgefordert.

Der Bankensektor müsse sich gesundschrumpfen, sagte Dombret: „Diese Diskussion sollten wir aber nicht auf ein simples ‚weniger Institute und weniger Filialen‘ verengen.“ Eine weitere Zunahme der Marktmacht von Großbanken sei kein Königsweg. Dombret hält die Lage der Geldhäuser jedoch noch nicht für akut besorgniserregend – „weder in Österreich noch in Deutschland. Zurücklehnen dürfen sich die Institute aber trotzdem nicht“, betonte der Bundesbank-Vorstand in der österreichischen Hauptstadt. Im Moment seien die Institute noch in einem soliden konjunkturellen Umfeld unterwegs. Doch die Zukunft halte enorme Herausforderungen bereit, sagte Dombret, der für die Aufsicht über Geldhäuser zuständig ist.

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China stößt in großem Stil US-Staatsanleihen ab
China stößt in großem Stil US-Staatsanleihen ab
China, der größte Gläubiger der USA, stößt seit Monaten amerikanische Staatsanleihen ab. Im Juli erreichten die verbliebenen Schuldtitel den Stand von 2013. Auch andere wichtige Gläubiger haben offenbar eine Verkaufsserie eingeleitet. Findet dieser Trend Nachahmer, wäre dies für die USA…
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Die Chinesen wollen den Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung machen. (Foto: dpa)

Die Chinesen wollen den Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung machen. (Foto: dpa)

Seit Mitte des vergangenen Jahres ist China dazu übergegangen, schrittweise amerikanische Staatsanleihen („Treasuries“) zu verkaufen. Allein im Juli wurden Papiere im Gesamtwert von 22 Milliarden Dollar abgestoßen. Die gesamten in chinesischem Besitz befindlichen Anleihen hatten einen Umfang von knapp 1,22 Billionen Dollar, wie Bloomberg berichtet. Dies markierte den tiefsten Stand seit Anfang 2013. Ende 2013 wurde mit etwa 1,32 Billionen Dollar ein vorläufiger Höhepunkt erreicht.

Auch Saudi-Arabien scheint dazu übergegangen zu sein, die amerikanischen Papiere langfristig zu verkaufen. Die Ansprüche des Königreichs gegenüber den USA sanken im Juli zum sechsten Mal in Folge auf einen Stand von 96,5 Milliarden Dollar.

Japan, der zweitgrößte Gläubiger der USA nach China, kaufte im Juli hingegen für fast 7 Milliarden Dollar Treasuries. Die Ansprüche gegenüber dem US-Schatzamt stiegen dadurch auf etwa 1,15 Billionen Dollar.

Der US-amerikanische Finanzanalyst Jim Rickards erkennt in den Entwicklungen einen Trend: Insbesondere China versuche, amerikanische Staatsanleihen abzustoßen und einen großen Teil seiner liquiden Mittel gleichzeitig in physisches Gold zu investieren, um zu gegebener Zeit einen mit Gold unterlegten Yuan gegen den Dollar als Weltleitwährung positionieren zu können.

Ab einem gewissen Zeitpunkt, so Rickards, werde im Markt für US-Staatsanleihen Panik ausbrechen, weil andere Staaten auf den Trend aufspringen werden: „Es gibt keine Möglichkeit, ein Land davon abzuhalten, seinen eigenen Goldstandard zu erschaffen, indem es sich aus den Papiermärkten zurückzieht und physisches Gold hortet. Die neuesten Daten zeigen, dass China in regelmäßigen Abständen Treasuries verkauft (und Saudi-Arabien tut dies auch). Trends wie dieser tendieren dazu, sich über die Zeit zu beschleunigen und weitere Anhänger zu finden. Irgendwann fangen alle großen Gläubiger an, die amerikanischen Schuldtitel abzustoßen, weil sie verhindern möchten, dass sie die letzten sind, die solche Papiere halten, wenn die USA wegen höherer Leitzinsen in den Bankrott stolpern oder es zu einer Hyperinflation kommen sollte.“

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Großbritannien will umfassenden Handels-Deal mit der Türkei
Großbritannien will umfassenden Handels-Deal mit der Türkei
Der britische Außenminister Johnson will ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der Türkei schließen. Der Vorschlag zeigt: Obwohl noch offiziell EU-Mitglied, wird Großbritannien nicht zögern, seine eigene Politik zu verfolgen, wenn sie dem nationalen Interesse dient.
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Boris Johnson am Dienstag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara. (Foto: TURKISH PRESIDENT PRESS OFFICE/dpa)

Boris Johnson am Dienstag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara. (Foto: TURKISH PRESIDENT PRESS OFFICE/dpa)

Das scheidende EU-Mitglied Großbritannien strebt ein umfangreiches Freihandelsabkommen mit dem Beitrittskandidaten Türkei an. „Wir verlassen die EU, aber wir verlassen nicht Europa“, erklärte der britische Außenminister Boris Johnson am Dienstag während seiner ersten Dienstreise nach Ankara. „Ich hoffe auf ein Jumbo-Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Türkei“, sagte er bei einer Pressekonferenz mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu.

Johnson sagte, nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli wollten die Menschen in der Türkei vor allem hören, dass sich Großbritannien zur Türkei bekenne – und dieses Bekenntnis sei „sehr stark“. Anschließend wurde der ehemalige Londoner Bürgermeister von Erdogan in dessen Präsidentenpalast empfangen. Auf einem anschließend auf der Internetseite des Präsidenten veröffentlichten Video lachen beiden Männer, während Erdogan seinem Gast das Faksimile eines Briefes eines osmanischen Sultans an einen Bürgermeister in Manchester überreicht..

Zum Auftakt seiner Reise am Montag hatte der Brite seine türkischen Wurzeln betont. Sein Urgroßvater war in den 20er Jahren ein Mitglied der Opposition im Osmanischen Reich, der während des Unabhängigkeitskriegs ermordet wurde.

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