Rohstoff-Krise macht Schweizer Wirtschaft zu schaffen

Die Umsätze Schweizer Großkonzerne sind im vergangenen Jahr auf breiter Front gesunken. Besonders hohe Einbußen mussten die Rohstoff-Firmen verkraften. Ohne die starke Aufwertung des Franken hätte es in vielen Fällen aber zu einer Steigerung der Einnahmen gereicht.

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Die Umsätze der großen Schweizer Unternehmen sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Dies geht aus einer Untersuchung der Handelszeitung hervor, welche die einhundert umsatzstärksten Firmen des Landes bewertet. Demzufolge sind die Einnahmen durchschnittlich um fast 4 Prozent geschrumpft, nachdem sie im Vorjahr noch um 2,6 Prozent zulegen konnten. Verantwortlich für den Umschwung seien primär Preisschwankungen, so die Handelszeitung – eine entscheidende Rolle dürfte die deutliche Aufwertung des Franken nach der Aufhebung der Euro-Anbindung gespielt haben.

Die höchsten Einbußen mussten Unternehmen aus dem Rohstoffsektor hinnehmen. Der Ölhändler Vitol verzeichnete einen Umsatzrückgang von 34 Prozent. Der Rohstoffhändler Gunvor meldete Einbußen von 29 Prozent, während die Einnahmen des Bergbaukonzerns Glencore um 22 Prozent zurückgingen. Glencore ist hoch verschuldet und muss einen strengen Sparkurs verfolgen. „Als Sofortmassnahmen wurden die Dividendenzahlungen eingestellt, das Kapital erhöht, die Investitionsprojekte gestoppt, Minen geschlossen und deren Produktion gedrosselt und für immer mehr Aktiven ein Käufer oder Mitinvestor gesucht. Für das laufende Jahr sind Devestitionen im Wert von 4 Mrd. bis 5 Mrd. $ budgetiert, wovon mit einem jüngst erfolgten Teilverkauf der Agrarsparte bereits rund 3,2 Mrd. $ realisiert wurden“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.

Die negative Entwicklung blieb nicht auf die Rohstoff-Industrie beschränkt, die im vergangenen Jahr unter dem Preisverfall bei wichtigen Grundstoffen wie Erdöl, Erdgas, Kupfer und Kohle litt: der durchschnittliche Umsatzrückgang in den anderen Branchen betrug fast 2 Prozent, so die Handelszeitung.

Währungsbereinigt ergibt sich ein anderes Bild – was einmal mehr die Relevanz der Franken-Aufwertung für die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft unterstreicht: Die Umsatz-Rückgänge von 11 beziehungsweise 16 Prozent bei Syngenta und Novartis beispielsweise werden in dieser Hinsicht zu Anstiegen von 1 beziehungsweise 5 Prozent.

Insgesamt betrachtet macht sich eine leichte Abkühlung der Schweizer Konjunktur bemerkbar. Im ersten Quartal des laufenden Jahres kam es zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um magere 0,1 Prozent. Im letzten Quartal 2015 war die Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen – konnte jedoch auch vom Weihnachtsgeschäft profitieren. Für das Gesamtjahr geht das Staatssekretariat für Wirtschaft derzeit von einer BIP-Zunahme von 1,4 Prozent aus, während die Ökonomen der ETH-Zürich nur mit einem Anstieg von 1 Prozent rechnen.

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