Banken-Krise Italien: UniCredit braucht mehr Eigenkapital

Die größte italienische Bank UniCredit braucht nach eigener Einschätzung mehr Eigenkapital. Dies werde wahrscheinlich auch aus dem von der EZB angeordneten Stresstest hervorgehen, dessen Ergebnisse Ende Juli veröffentlicht werden. Bislang hatte das Institut stets verneint, dass es frisches Kapital braucht.

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Die italienische Großbank UniCredit kommt nach eigener Einschätzung nicht um eine Finanzspritze herum. „Wir müssen uns mit einer Kapitalerhöhung beschäftigen, weil ich nicht glaube, dass die Europäische Zentralbank (EZB) sich mit dem zufriedengeben wird, was wir gemacht haben“, sagte UniCredit-Verwaltungsratschef Giuseppe Vita am Donnerstag in Rom der Nachrichtenagentur Reuters. Damit räumte die größte Bank des Landes erstmals ein, dass sie frisches Geld braucht. Ex-Chef Federico Ghizzoni hatte das stets verneint.

Analysten schätzen den Kapitalbedarf der Muttergesellschaft der Münchner HypoVereinsbank (HVB) auf bis zu zehn Milliarden Euro. Eine Kapitalerhöhung in dieser Größenordnung würde die Altaktionäre – darunter mehrere einflussreiche italienische Stiftungen – aber deutlich verwässern. UniCredit ist an der Börse nur noch zwölf Milliarden Euro wert.

Die EZB hatte im Frühjahr die größten Banken in der Euro-Zone einem Stresstest unterworfen. Er soll zeigen, ob sie in einer neuen Finanzkrise bestehen könnten. Die Ergebnisse sollen am 29. Juli veröffentlicht werden. Bis dahin müssen Lösungen für Institute gefunden sein, die nach Ansicht der Aufseher zu wenig Kapital haben. Italiens Banken stöhnen unter einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite. In der Finanzkrise 2008 hatten sie vom Staat keine Hilfen erhalten.

Die Hoffnung auf eine Auffanglösung für die am schwersten angeschlagene Bank Monte dei Paschi ließen die Kurse aller italienischen Bank-Aktien am Donnerstag kräftig steigen. UniCredit-Papiere legten fast sieben Prozent zu.

Der neue UniCredit-Vorstandschef Jean-Pierre Mustier hatte gleich bei seinem Amtsantritt am Dienstag die Kapitalprobleme angepackt. Er warf Aktienpakete des Online-Brokers FinecoBank und der polnischen Bank Pekao für zusammen 1,1 Milliarden Euro auf den Markt. Damit erhöhte sich das Kapitalpolster aber nur um 0,2 Punkte auf 10,5 Prozent. Der ehemalige Schering-Manager Vita warb um Vertrauen: „Jedenfalls müssen wir Mustier Zeit geben. Er ist ja gerade erst angekommen.“

Der Investmentbanker hatte erklärt, alle Bereiche der Bank dahingehend zu überprüfen, ob sich damit nicht nach und nach Mehrwert schaffen ließe. Das hat laut Finanzkreisen bei der HVB wieder Hoffnungen auf einen Börsengang geweckt. Damit könnten die Italiener Anteile an der Tochter aus Bayern zu Geld machen, auch wenn Mustier sie zum Kerngeschäft zählt.

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