Belgien und Portugal könnten Fusion von Deutscher Börse mit LSE torpedieren

Belgien und Portugal haben die geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange kritisiert. Diese führe zu einem zu dominanten Unternehmen, das den Zugang kleinerer Börsen zu frischem Kapital erschweren werde. Die Deutsche Börse steht indes offenbar kurz vor der Zustimmung ihrer Aktionäre zu der Fusion.

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Die Plastiken von Bulle und Bär, die beiden Symbole für Optimismus und Pessimismus an der Börse, stehen vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main. Belgien und Portugal kritisieren die geplante Fusion von Deutscher Börse mit LSE. (Foto: dpa)

Die Plastiken von Bulle und Bär, die beiden Symbole für Optimismus und Pessimismus an der Börse, stehen vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main. (Foto: dpa)

Die belgische und die portugiesische Regierung haben Bedenken gegen die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE). In Briefen an EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP vorlagen, warnten die Finanzminister beider Länder vor negativen Folgen des Zusammenschlusses für den Kapitalmarkt in Europa.

Die Fusion könne den Zugang „der kleinsten lokalen Firmen“ zu frischem Kapital erschweren, heißt es in dem Schreiben des belgischen Finanzministers Johan Van Overtveldt. Mit dem Zusammenschluss entstünde ein „sehr dominantes“ Unternehmen im Bereich des Wertpapierhandels. Dies würde den Wettbewerb beeinträchtigen, warnte Van Overtveldt. Sein portugiesischer Kollege Mário Centeno äußerte sich ähnlich. Die europäische Wirtschaft benötige Wertpapiermärkte, die „offen für den
Wettbewerb“ seien, heißt es in seinem Schreiben an Vestager. Der Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber könne „den Zugang zu Kapital und Finanzdienstleistungen erschweren“.

Die Deutsche Börse und die LSE hatten im Februar ihre Pläne zu einer Fusion „unter Gleichen“ öffentlich gemacht und halten daran auch nach dem Votum der Briten zu einem EU-Austritt fest. Gleichwohl senkte die Deutsche Börse die erforderliche Mindestannahmeschwelle ihrer Aktionäre von 75 auf 60 Prozent. Die Anteilseigner erhielten zudem zwei Wochen mehr Zeit um zu erklären, ob
sie ihre Papiere gegen die des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen. Die LSE-Aktionäre haben der Fusion bereits mit breiter Mehrheit zugestimmt. Gegen das Projekt hatte Ende Mai auch der französische Finanzminister Michel Sapin Bedenken angemeldet. Er sprach von einem „Wettbewerbsproblem“.

Die Deutsche Börse bekommt beim geplanten Zusammenschluss Unterstützung von ihren Eigentümern und der Bundesbank. Bis Mittwochmittag gaben rund 53 Prozent der Deutsche-Börse-Aktionäre grünes Licht für die Fusion. Zudem sprach sich Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dafür aus, die Verschmelzung gerade nach der Brexit-Entscheidung durchzuziehen. „Es mag zunächst bizarr klingen, aber ein solcher Zusammenschluss macht nach dem Referendum wirtschaftlich noch mehr Sinn“, sagte Dombret in Frankfurt. Wenn Großbritannien die EU verlasse, seien Brücken zwischen den Volkswirtschaften wichtiger denn je. „Die angekündigte Fusion zwischen LSE und Deutscher Börse hat das Potenzial, eine solche Brücke zu werden.“

Die größte verbliebene Hürde für die Börsen-Fusion ist die Zustimmung der Aufsichtsbehörden – allen voran der hessischen Börsenaufsicht und der EU-Kommission. Aus Sicht von BaFin-Präsident Felix Hufeld ist die Fusion schwer vorstellbar, wenn die Mega-Börse anschließend wie geplant in London angesiedelt wird. Die Deutsche Börse spricht deshalb mit der LSE über eine Verlagerung des Firmensitzes in die EU beziehungsweise über die Schaffung eines doppelten Firmensitzes für die Holding, wie mehrere mit der Fusion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

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