Krise bei UniCredit wird zum Problem der HypoVereinsbank

Die UniCredit braucht Geld und baut ihr Geschäft deswegen grundlegend um. Die Folgen des Kurswechsels bekam bereits die österreichische Tochterbank zu spüren, welche ihr Osteuropa-Geschäft nach Mailand abgeben musste. Auch auf die deutsche Tochter HypoVereinsbank kommen wahrscheinlich ungewisse Zeiten zu.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die italienische Großbank UniCredit braucht mehr Geld. Sie leidet an zu vielen faulen Krediten im Portfolio und unter einer geringen Eigenkapitalquote. Von einem zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 10 Milliarden Euro ist die Rede. Um das Ziel zu erreichen, hat der neue Chef Jean-Pierre Mustier bereits Aktien an dem Online-Broker Fineco und an der polnischen Tochtergesellschaft Pekao im Umfang von 1,1 Milliarden Euro verkauft. Dies wird aber nicht ausreichen.

Mustier werde den neuen Geschäftsplan wohl im vierten Quartal vorlegen, sagte der Investmentbanker der Zeitung Il Sole Ore 24 vom Freitag. Dabei werde es möglicherweise um einen neuen „Fußabdruck“ der italienischen Großbank gehen. Die europäische Identität des Geldhauses mit individuellen Banken in vielen Märkten werde aber wohl beibehalten. Auf die Frage, ob die Bank bei ihren Aktionären frisches Geld einsammeln müsse, sagte er, UniCredit bereite eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des Kapitals vor. UniCredit-Verwaltungsratschef Giuseppe Vita hatte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters bereits gesagt, die Bank komme um eine Finanzspritze nicht herum. „Wir müssen uns mit einer Kapitalerhöhung beschäftigen, weil ich nicht glaube, dass die Europäische Zentralbank sich mit dem zufriedengeben wird, was wir gemacht haben.“

Die Umstrukturierungen bedeuten für die deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB) Unsicherheit. Zwar gibt es noch keine konkreten Entscheidungen, ein Blick auf die österreichische Tochter der UniCredit verheißt allerdings nichts Gutes. Die Bank Austria muss ihr umfangreiches Osteuropa-Geschäft, dass sie in 14 Ländern führt, an die UniCredit-Zentrale in Mailand abgeben. Die Abspaltung könnte zwar noch an den Behörden scheitern, weil die österreichische Bankenaufsicht dem Vorschlag nicht zustimmen will. Die Bank Austria dementierte jedoch: Die Übertragung der Osteuropa-Sparte werde bis Jahresende abgeschlossen werden, wird sie von der österreichischen Tageszeitung Die Presse zitiert.

Medienberichten zufolge drängt die EZB die HypoVereinsbank, Gelder an die Bank Austria zu überweisen. Die Verschiebung von Kapital zwischen den beiden Töchtern hat für die UniCredit den Vorteil, dass dadurch die immensen Ausfälle bei der Bank Austria – die durch den Verlust des Osteuropa-Geschäfts entstanden waren – begrenzt werden könnten. „Die HVB hatte die Bank Austria an die UniCredit verkauft. Und aus dem Verkaufserlös seien noch Gelder in der Höhe von rund 12,5 Mrd. Euro in ihren Büchern. Das Geld wurde auf Geheiß der deutschen Finanzaufsicht Bafin nie nach Mailand überwiesen. Aber laut Standard unter Berufung auf einen Aufseher besteht die ‚technische Möglichkeit‘, dieses Kapital im UniCredit-Konzern anders (‚besser‘) zu verteilen. „Das Problem der Bank Austria ließe sich also leicht lösen“, so der namentlich nicht genannte Aufseher aus Österreich“, schreibt Die Presse dazu. Die deutsche Finanzaufsicht hatte dies in der Vergangenheit verhindert. Doch seit zwei Jahren obliegt der EZB auch die oberste Aufsicht der Banken in der Eurozone. Sie könnte die Überweisung also gegen den Willen der deutschen Behörden durchsetzen.

Mustier setzt die HVB auch bezüglich der Rentabilität indirekt unter Zugzwang. Er mahnte an, dass der derzeitige „Fokus auf Prozesseffizienz“ beibehalten werden solle. Die HVB hatte im vergangenen November deswegen bereits ein Sparprogramm eingeleitet, im Zuge dessen bis Ende 2018 1200 Stellen in der Verwaltung abgebaut werden sollen. Die Bank versucht, den Abbau über Renteneintritte (natürliche Fluktuation) und über firmeninterne Umschulungen in andere Positionen sozialverträglich zu gestalten. Im Vergleich mit anderen Banken der UniCredit-Gruppe liegt die Aufwands-Ertrags-Relation der HVB mit fast 77 über dem Durchschnitt, berichtet das Magazin Finance. Geplant ist, bis Ende 2018 auf einen Wert von höchstens 65 zu kommen.

Das knappe Kapital der UniCredit weckt in Bayern Finanzkreisen zufolge Hoffnungen auf einen Börsengang der HVB, der auch das Investmentbanking des Konzerns zugeordnet ist. „Strategische Beteiligungen wie die HVB, Osteuropa und die Investmentbank werden ihre Entwicklung fortsetzen“, heißt es dagegen in einer Mitteilung der UniCredit. Die Bezeichnung „strategische Beteiligung“ weist darauf hin, dass die HVB aus Sicht der Mailänder Führung zu den ertragsstarken und generell unveräußerlichen Banken innerhalb der UniCredit-Gruppe gehört.

Sie sollten aber die Kundenbeziehungen stärker ausschöpfen und Prozesse effizienter gestalten sowie stärker auf den Kapitalbedarf achten, sagte Mustier. Für alle Bereiche – „ohne Ausnahme“ – würden Gelegenheiten geprüft, schrittweise Mehrwert zu schaffen, „möglicherweise auch durch Verkäufe“, kündigte UniCredit nach der Verwaltungsratssitzung an. Bevor die UniCredit Staatshilfe in Anspruch nähme, würde sie die HVB an die Börse bringen, wird ein hochrangiger Banker von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Ein solcher Schritt würde sich sofort positiv auf das Kapitalpolster auswirken. Für die HypoVereinsbank könnte das mehr Selbstständigkeit bedeuten.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

media-fastclick media-fastclick