Pimco will Flucht der Kunden stoppen und holt Hedgefonds-Manager

Der zur Allianz gehörende Vermögensverwalter Pimco kämpft gegen die Kundenflucht. Nun soll ein Wechsel an der Spitze dem Unternehmen neuen Schwung bringen.

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Beim Allianz-Sorgenkind Pimco soll ein neuer Chef für frischen Wind sorgen. Das US-Fondshaus, das seit gut drei Jahren Kundengelder verliert, wird ab November von Emmanuel „Manny“ Roman geführt. Der 52-Jährige folgt auf Douglas Hodge und kommt vom weltgrößten börsennotierten Hedgefonds Man Group, wo er seit Anfang 2013 an der Spitze stand. Pimco machte den überraschenden Wechsel am Mittwoch bekannt. Die Herausforderungen sind groß: Roman muss den Sparkurs weiter vorantreiben und vor allem die Gunst der Anleger zurückgewinnen. Personalquerelen und eine enttäuschende Entwicklung der einstigen Flaggschiff-Fonds haben viele Kunden verprellt. Ein kompletter Strategieschwenk hin zu riskanteren Produkten ist Insidern zufolge unter dem neuen Mann aber nicht zu erwarten.

Allianz-Managerin Jacqueline Hunt, die zum 1. Juli neu in den Vorstand des Münchener Versicherungsriesen eingezogen und dort für die Vermögensverwaltung im Konzern zuständig ist, pries Roman als Investmentexperten mit fast 30 Jahren Erfahrung. Er bringe das richtige Werkzeug mit, um Pimco in die Zukunft zu führen. Hodge dagegen – der nur etwas mehr als zwei Jahre im Chefsessel gesessen hat – habe als Mann des Übergangs einen hervorragenden Job gemacht. Er soll Pimco jetzt als Berater erhalten bleiben.

Pimco mit Sitz in Kalifornien und einem Fokus auf das Anleihe-Geschäft war jahrelang das Maß aller Dinge an den Märkten. Firmengründer Bill Gross galt als „Bond-König“. Seine Fonds, allen voran der Total Return, brachten den Anlegern satte Gewinne. Die Allianz wiederum konnte sich mit der wichtigen Stütze Pimco eine lukrative Vermögensverwaltung als zweites Standbein aufbauen. Doch in der Finanzkrise verließ Gross das Glück. Die Fonds-Entwicklung enttäuschte zusehends, später kam ein Zerwürfnis mit seinem Kompagnon Mohamed El-Erian hinzu. 2014 schied erst El-Erian im Streit mit Gross aus, wenig später ging auch Gross im Streit mit der Konzernmutter. Seither versucht die Allianz, Pimco wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Der Bedeutungsverlust ist enorm: Hatte das Fondshaus Anfang 2013 zwei Billionen Dollar verwaltet, waren es Ende März 2016 noch 1,5 Billionen. Die Investmentgesellschaft wirft zwar weiter Gewinne ab. Die Allianz will die Mittelabflüsse aber in der zweiten Jahreshälfte gestoppt sehen. In der Zwischenzeit steuert sie mit Kostensenkungen gegen: 68 der rund 2300 Mitarbeiter müssen bei der Tochter gehen, wie im Juni bekannt wurde. Gleichzeitig wird die Produktpalette wieder ausgedünnt. Denn die Hoffnung, Pimco könne auch stärker im Aktienfondsgeschäft Fuß fassen, erfüllte sich nicht.

Auch der künftige Chef Roman gilt als Experte für festverzinsliche Wertpapiere. Den Hedgefonds Man Group, der knapp 80 Milliarden Dollar an Vermögen verwaltet, machte er in den vergangenen Jahren erfolgreich wetterfest. Dabei kommt der Manager ursprünglich gar nicht aus dieser Branche, die traditionell höhere Renditen bei höherem Risiko verspricht. Roman war 2010 mit der Übernahme der Fondsgesellschaft GLG Partners zu Man gekommen. Vor seiner Zeit bei GLG hatte er 18 Jahre für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. Bei Man Group soll ihn der bisherige Präsident Luke Ellis ablösen.

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