Deutsche Landwirte fordern Ende der Russland-Sanktionen

Der Deutsche Bauernverband appelliert an die Politik, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Doch selbst wenn dies geschehe, sei der russische Markt für deutsche Produzenten über Jahre verloren. Verschärft wird die Situation durch eine äußerst schwache Ernte im laufenden Jahr.

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert angesichts der angespannten Lage vieler Landwirte Bemühungen für ein Ende des russischen Embargos gegen Agrarprodukte aus der EU. „Wir fordern die Politik auf, die Gespräche zu intensivieren“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Freitag in Berlin. Es sei notwendig, zu normalen Beziehungen zurückzukehren. Insbesondere Obstbauern litten unter dem russischen Importverbot.

Rukwied rechnet allerdings nicht mit einer raschen Besserung der Lage deutscher Landwirte, sollte Russland die Beschränkungen aufheben: „Der Markt ist weg“, sagte er. Diese Absatz-Bereiche wieder aufzubauen, werde ganz schwierig.

Russland hat im Gegenzug zu Sanktionen westlicher Staaten ein Importverbot für Agrarprodukte aus der EU erlassen. Die EU und die USA hatten mit Handelsbeschränkungen und anderen Strafmaßnahmen unter anderem auf die Eingliederung der Halbinseln Krim durch Russland reagiert.

Die deutschen Landwirte sind unter Druck, weil zu den schädlichen Wirkungen der Sanktionen noch Ernetausfälle kommen. Zu viel Regen und zu wenig Sonne haben den Bauern die diesjährige Ernte vermiest, berichtet AFP. „Durch die ständigen Unterbrechungen beim Mähdrusch wegen der Niederschläge ist die Stimmung jetzt auch bei den Ackerbauern alles andere als gut“, sagte Rukwied. Vielerorts lägen „die Nerven blank“, da deutlich weniger Getreide und Raps geerntet worden sei als im Vorjahr.

Durch die geringeren Erntemengen sinken laut Rukwied auch die Erlöse der Ackerbauerbetriebe stark. „Die Agrarkrise hat nicht nur die Milchbauern und Schweinehalter erfasst, sondern auch die Ackerbauern.“

Gegenüber dem Vorjahr seien die Erträge um 15 Prozent zurückgegangen, gegenüber dem langjährigen Mittel um zehn Prozent, sagte der Bauernpräsident dem Bayerischen Rundfunk. In vielen Regionen sei die Ernte noch gar nicht abgeschlossen. In Bayern stünden noch rund 15 Prozent des Weizens auf dem Feld. In den vergangenen Wochen habe es oft „nur wenige Stunden“ für die Ernte gegeben.

Der verregnete Sommer sorgte demnach bei Kartoffeln für Probleme mit Pilz- und Infektionskrankheiten. 2Wir sind froh, dass wir heute mit Pflanzenschutzmitteln, die Pilzinfektionen bekämpfen können. Hätten wir diese nicht gehabt, gäbe es in diesem Jahr keine Kartoffeln“, sagte Rukwied dem BR. Der Bauernverband legt am Vormittag die Erntebilanz für dieses Jahr vor.

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