Domino’s liefert erstmals per Pizza per Drohne aus

Die Schnellrestaurant-Kette Domino's hat als erster Lieferservice der Welt eine Pizza per Drohne zugestellt. Der Testflug fand am Donnerstag in Neuseeland statt. Noch in diesem Jahr soll dort ein Feldversuch starten. Auch in Deutschland will Domino's Pizza aus der Luft liefern. Es gibt allerdings noch einige Hindernisse.

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Domino's erste Pizza, die von einer Drohne geliefert wird. (Screenshot: Domino's NZ)

Domino’s erste Pizza, die von einer Drohne geliefert wird. (Screenshot: Domino’s NZ)

Wie Kunden in Zukunft ihre Pizza geliefert bekommen könnten, demonstrierte Domino’s am Donnerstag im neuseeländischen Auckland. Das Unternehmen kündigte an, noch in diesem Jahr in einigen Filialen mit Test-Lieferungen an Kunden beginnen zu wollen. Möglich wird das durch die lockere Luftfahrtgesetzgebung in Neuseeland.

„Domino’s kooperiert dazu mit Flirtey, einem australischen Unternehmen, das sich auf Lieferungen per unbemanntem Luftfahrzeug (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) spezialisiert hat“, berichtet die Internetseite Golem. Bei dem Fluggerät handle es sich um einen Hexacopter, der hauptsächlich aus Kohlestofffaser-verstärktem Kunststoff und Aluminium bestehe. Einige der Komponenten seien mit dem 3D-Drucker aufgebaut. Der Copter fliege etwa 30 km/h schnell und werde in einer Flughöhe von 60 Metern unterwegs sein. Navigiert werde mit Hilfe von GPS.

Das Prozedere wird wie folgt beschrieben: „Der Copter soll anfangs nur im Umkreis von 1,5 Kilometern von der Filiale ausliefern. Später könnte der Aktionsradius auf 10 Kilometer vergrößert werden. Zur Übergabe wird die Drohne nicht landen, sondern die ausgelieferte Speise an einer Leine herablassen.“ Bestellt wird per App. Bei Ankunft gibt es eine Benachrichtigung.

„Wir haben immer gesagt, dass es keinen Sinn ergibt, eine Zwei-Kilo-Bestellung mit einer Zwei-Tonnen-Maschine zu befördern“, zitiert Bloomberg Domino’s-CEO Don Meji. „Die Reichweite einer Drohne ist viel größer als die unserer anderen Optionen, die von Verkehr, Straßen und der schieren Weite des Landes eingeschränkt werden.“ Drohnen könnten es seinem Unternehmen ermöglichen, die Lieferzeiten auch in Zeiten steigender Bestellungen zu verringern.

Für den Startschuss in Neuseeland gibt es gute Gründe. Der Himmel ist überwiegend klar und mit rund 4,4 Millionen Menschen ist das Land relativ dünn besiedelt. Zudem herrscht eine entsprechend liberale Rechtsprechung. Bereits im vergangenen Jahr erlaubte das Land kommerzielle Lieferungen per Drohne. „Durch unsere Ermächtigungsgesetze und Regulierung bieten wir das ideale Umfeld“, so der neuseeländische Verkehrsminister Simon Brücken nach dem Testflug von Domino’s.

Ganz unkompliziert ist das Vorhaben in Neuseeland dann aber doch nicht. Bedenken kommen hier etwa vom konkurrierenden Drohnen-Hersteller X-craft Enterprises. Laut dessen Chef Philip Solaris habe Neuseeland zwar seine Gesetze angepasst. Drohnen müssten aber immer noch in Sichtweite von Menschen fliegen, berichtet die englischsprachige Ausgabe von Reuters. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Lieferdienst kommerziell erfolgreich betrieben werden könne, „weil man die ganze Zeit jemanden hinter der Drohne herlaufen lassen müsste, um sie im Auge zu behalten.“ Auch müsse das Fluggerät mit Gefahrquellen wie etwa Stromkabeln, Fahrzeugen oder spielenden Kindern zurechtkommen.

Nicht nur Neuseeland, auch andernorts öffnet man sich für das Thema. Im benachbarten Australien sind Drohnen-Lieferungen bereits am nächstem Monat erlaubt. Vorausgesetzt, die Drohnen bleiben mindestens 30 Meter von Häusern entfernt. In den Vereinigten Staaten dürfen sie ebenfalls ab dem 29. August ausliefern. Die Drohnen dürfen dabei aber nicht über Staatsgrenzen oder über Menschen fliegen. Das Unternehmen will diese weltweiten Liberalisierungs-Tendenzen nutzen und kündigte an, die Möglichkeiten für Test-Drohnen-Lieferungen auch in Australien, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Japan und Deutschland ausloten zu wollen.

Domino’s ist mit dem Austesten neuer Lieferwege nicht allein. Mit dem Wachstum des Online-Handels gibt es immer neue Ideen, wie die Waren schnell die Käufer erreichen können. Aktuell kündigt sich eine Welle von Innovationen an.

Zum einen Drohnen, die künftig nicht nur möglichst heiße Pizza zustellen könnte: Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service, so die dpa. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen – der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Zum anderen Lieferroboter: Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an.

Neuerdings dient auch der Kofferraum als Paketstation: Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Ab September will DHL die Kofferraum-Zustellung in sieben deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern testen. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

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