Minus 40 Prozent beim Öl: Saudi-Arabien droht die Revolution

Die Staaten der OPEC mussten im vergangenen Jahr dramatische Einbußen hinnehmen. Diese Tatsache erklärt die Kriegs-Aktivitäten von Saudi-Arabien. Die islamistische Theokratie fürchtet eine Revolution und will sich um jeden Preis an der Macht halten. Der Westen muss um einen guten Kunden im Waffengeschäft fürchten.

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US-Präsident Barack Obama und der saudische König Salman bin Abdulaziz Al Saud (Mitte) leiden unter dem niedrigen Ölpreis. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama und der saudische König Salman bin Abdulaziz Al Saud (Mitte). (Foto: dpa)

Kämpfe zwischen Rebellen und Saudis an saudisch-jemenitischer Grenze. (Screenshot)

Kämpfe zwischen Rebellen und Saudis an saudisch-jemenitischer Grenze. (Screenshot)

Der aktuelle Bericht der US-Energiebehörde (Eia) geht davon aus, dass die Mitglieder der OPEC-Staaten, inklusive des Irans, im vergangenen Jahr lediglich Netto-Exporterlöse im Umfang von 404 Milliarden US-Dollar erzielt haben. So wenig haben die OPEC-Staaten zuletzt 2004 verdient. „Diese Erlöse bedeuten einen Rückgang um 46 Prozent gegenüber 2014“, so die Behörde.

Angesichts der anhaltend niedrigen Ölpreise rechnet die Eia mit einem weiteren Rückgang auf 341 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Erst für 2017 wird ein leichter Anstieg erwartet: auf 427 Milliarden Dollar. Die Ölpreise hatten am Freitag wieder leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 49,57 US-Dollar. Das waren zehn Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um drei Cent auf 47,30 Dollar.

Neben dem niedrigen Ölpreis haben aber auch Ausfälle in einigen Ländern zu dem Rückgang geführt. Dazu zählen beispielsweise die Sanktionen gegenüber dem Iran, die seit Beginn dieses Jahres langsam aufgehoben werden. In Venezuela stockte ebenfalls die Produktion. Soziale Unruhen, eine starke Rezession und die zu hohe Verschuldung des Staates haben zu Ausfällen geführt. Die Regierung hat die Flucht nach vorne angetreten: Der staatliche Ölkonzern PDVSA hat faktisch mit einem schleichenden Ausverkauf begonnen, um den Zusammenbruch zu verhindert: Oilprice.com berichtet, dass PDVSA mit neuen Finanzinstrumenten den Konzernen Weatherford Plc, Halliburton und Schlumberger die Möglichkeit gegeben hat, über den Weg der „securitization“ ihre Präsenzen in Venezuela signifikant zu erhöhen. Ölminister Eulogio Del Pino erhoffe sich von Wandelschulden die Verbesserung des Cashflows bei angeschlagenen lokalen Unternehmen in Venezuela.

Am schlimmsten trifft es die Saudis: Sie haben mehrere Kriege zu finanzieren, unter anderem in Syrien und im Jemen. Zugleich steigen die Spannungen im Land. Erst vor wenigen Monaten hatte US-Präsident Barack Obama die Saudis aufgefordert, die Menschenrechte und die Demokratie zu achten. Solche Forderungen kommen in der Regel, wenn sich ein „regime change“ abzeichnet.

Der Sohn des getöteten Al-Kaida-Gründers Osama bin Laden hat die Saudi-Araber aufgerufen, sich gegen die Führung in Riad zu erheben, um das Land vom Einfluss der USA zu „befreien“. Die jungen Saudi-Araber, die „zum Kämpfen fähig“ sind, sollten sich der Extremistengruppe Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel (Aqap) anschließen, um die „notwendige Kampferfahrung“ zu gewinnen, sagte Hamsa bin Laden in einer undatierten Audiobotschaft.

Die Botschaft wurde am Mittwoch von dem US-Unternehmen Site veröffentlicht, das auf die Analyse islamistischer Websites spezialisiert ist. Der heute 23-jährige Hamsa bin Laden gilt als Lieblingssohn des am 1. Mai 2011 von einem US-Spezialkommando in seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad erschossenen Al-Kaida-Führers. Laut Dokumenten, die bei dem Einsatz in Abbottabad gefunden wurden, wollte Osama bin Laden ihn zu seinem Nachfolger aufbauen.

Nach seinem Tod übernahm aber der Ägypter Aiman al-Sawahiri die Führung des Terrornetzwerks. Schon Osama bin Laden hatte zum Sturz der Monarchie in Saudi-Arabien aufgerufen. Dem Sohn einer reichen saudiarabischen Bauunternehmerfamilie war dafür 1994 von Riad sein Pass entzogen worden. Er hatte dem wahhabitischen Königreich insbesondere vorgeworfen, nach der irakischen Besatzung Kuwaits 1991 den USA erlaubt zu haben, Truppen im Land zu stationieren.

Die wahabitische Königsfamilie ist der engste Verbündete der USA und der EU am Golf. Die schlechte wirtschaftliche Lage dürfte die Macht der mit harter Hand regierenden Theokraten gefährden. Der Westen wird die Entwicklung mit Sorge verfolgen, weil die Saudis bisher auch ein guter Kunde im Waffengeschäft waren. Doch selbst an der militärischen Front geraten die Saudis in Bedrängnis: Der Vorstoß der Houthi-Rebellen im Jemen gefährdet nun auch saudisches Territorium. An der saudisch-jemenitischen Grenze kommt es zu Gefechten zwischen saudischen Truppen, die die Rebellen im Jemen bekämpfen. In der saudischen Stadt Narjan konnten die Rebellen schwere Kriegsgeräte und Panzer von den saudischen Truppen in ihren Besitz bringen, berichtet das militärische Analyseportal South Front. Zuvor hatten sie einen saudischen Stützpunkt erobert.

Der Guardian kritisiert, dass Großbritannien eine wichtige Rolle bei der Unterstützung Saudi-Arabiens im Jemen spielt. Seit 2010 wurden britische Waffen im Wert von sieben Milliarden britischen Pfund an Saudi-Arabien verkauft.

Zudem wird Saudi-Arabien von Boeing 24 US-Helikopter der Klasse AH-6i Little Bird erhalten, berichtet AIN Online.

Die USA hatten zuvor Söldner in den Jemen ausgesendet, um die Rebellen zu bekämpfen. Diese scheiterten im Kampf gegen die Rebellen.

In dem Konflikt zwischen Regierungstruppen und der Huthi-Rebellen sind mehr als 6.400 Menschen getötet worden, knapp die Hälfte von ihnen Zivilisten. 2,5 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

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