Fernbus-Reisen dürften demnächst teurer werden

Die Deutsche Bahn hat sich mit ihrer Marke Berlinlinienbus aus dem Geschäft mit Fernbussen zurückgezogen. Konkurrent Flixbus kontrolliert nun rund 80 Prozent des Marktes. Die Preise werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich anziehen. Denn bis jetzt schreiben alle Betreiber nur Verluste.

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Reisen mit dem Fernbus dürften bald teurer werden. (Foto: dpa)

Reisen mit dem Fernbus dürften bald teurer werden. (Foto: dpa)

Die Bahn zieht sich aus dem deutschen Fernbusgeschäft zurück und überlässt dem Konkurrenten Flixbus den Markt nahezu komplett. Ende 2016 laufe der Betrieb unter der Marke Berlinlinienbus (BLB) aus, teilte der Staatskonzern am Freitag mit. Damit gibt der letzte größere Wettbewerber von Flixbus, der im August schon das Geschäft von der Deutschen Post übernommen hatte, auf. Drei Jahre nach Freigabe des Marktes durch die Bundesregierung und einer Welle von Neugründungen wird Flixbus nun mehr als 90 Prozent aller Passagiere in dem Bereich befördern. Höhere Preise gelten als wahrscheinlich. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte, man sei dennoch nicht von der Liberalisierung des Marktes enttäuscht. Mit dem Bus hätten die Kunden ein weiteres attraktives Angebot für Fernreisen bekommen.

Die Bahn kündigte an, sie werde einige ihrer rund 40 Linien in ihr IC-Bus-Netz integrieren. Dieses ergänzt den Schienen-Fernverkehr vor allem bei Verbindungen über Grenzen hinweg sowie in abgelegene touristische Regionen.

Der Rückzug der Bahn kommt nicht überraschend: Auf dem hart umkämpften Markt arbeitete zuletzt praktisch kein Unternehmen profitabel. Bahnchef Rüdiger Grube hatte daher angekündigt, er werde den „Blödsinn“ nicht mehr mitmachen. Flixbus allerdings hat angekündigt, dieses Jahr Geld zu verdienen. Hinter der Firma steht unter anderem der US-Finanzinvestor General Atlantic.

Die Bahn will sich jetzt auf den Ausbau der Verbindungen auf der Schiene konzentrieren. Bis 2030 will sie hier ihr Angebot um 25 Prozent ausweiten und 50 Millionen zusätzliche Reisende gewinnen. Dabei soll der neue ICE-4 eine Schlüsselrolle spielen, der jetzt testweise zwischen Hamburg und München fahren und ab 2017 regulär unterwegs sein soll.

Zum Schutz der Bahn war der Fernbusmarkt per Gesetz bis 2013 eng begrenzt. Mit der Freigabe erlebte die Branche einen Boom mit zahlreichen Gründungen und rasantem Passagierwachstum. 2015 waren rund 22 Millionen Reisende mit dem Bus unterwegs. Auch dieses Jahr erwartet die Branche Wachstum, allerdings ein schwächeres.

Die Bahn ist im Fernbus-Geschäft einen Zickzack-Kurs gefahren: Nachdem sie es zunächst als unattraktiv eingestuft hatte, entschied sie, ihre Angebote auszudehnen, um jetzt fast komplett auszusteigen. Allerdings hat sie inzwischen IC- und ICE-Züge über Sonderpreise und den Verzicht auf Preiserhöhungen wieder besser ausgelastet. Frühere Gewinnzahlen sind wegen des Preisdrucks jedoch in weiter Ferne.

Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein sagte, für sein Unternehmen ändere sich nichts. „Die Bahn bleibt für uns auf Schiene und Straße ein großer Wettbewerber, neben Pkw, Billigfliegern und Mitfahrzentralen.“

Gerechnet wird in der Branche im Zuge der Marktbereinigung mit steigenden Preisen. Nach Angaben des Reisevergleichsportals GoEuro sind sie schon in den vergangenen Jahren angezogen. Seit 2014 seien die Tickets im Schnitt in Deutschland um 40 Prozent teurer geworden. Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt hatte nach dem Aus für die Postbusse gesagt, er erwarte höhere Preise. Dies sei nötig, um das Geschäft nachhaltig zu betreiben.

Die Grünen nannten den Bahn-Rückzug eine weitere schlechte Nachricht für Busreisende. Fairer Wettbewerb sei nicht möglich, wenn ein Unternehmen 90 Prozent Marktanteil habe. Dies sei nun die gleiche Lage wie beim Schienenfernverkehr, den die Bahn zu fast 100 Prozent kontrolliert, sagte Bahnexperte Matthias Gastel. Die Linke kritisierte die Bus-Liberalisierung als Fehler und verlangte Nachbesserungen: Busse sollten nun auch Autobahnmaut zahlen müssen, um den Wettbewerb mit der Bahn ausgeglichener zu gestalten, sagte Verkehrsexperte Thomas Lutze.

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