Griechenland: Hausdurchsuchung im Privathaus von Zentralbank-Chef

Die Polizei hat das Haus des griechischen Zentralbankchefs sowie die Büros seiner Frau durchsucht. Hintergrund sind Anschuldigungen, wonach die Firma der Frau staatliche Gelder veruntreut habe. Vor wenigen Wochen erst waren Räumlichkeiten der Zentralbank von Slowenien durchsucht worden

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Polizisten haben in Griechenland am Donnerstag das Privatanwesen des griechischen Notenbankchefs Yannis Stournaras und Büroräume seiner Frau Lina Nikolopoulou-Stournaras durchsucht. Dabei geht es offenbar um den Vorwurf der Veruntreuung von staatlichen Geldern in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro im Zusammenhang mit Geschäften mit dem Hellenic Center for Disease Control and Prevention (KEELPNO), berichtet die Zeitung Kathimerini. Auch dessen Räumlichkeiten wurden durchsucht.

Der Zeitpunkt der Razzia ist bemerkenswert, weil sie wenige Stunden vor einem Entscheid der griechischen Zentralbank durchgeführt wurde, die Kandidaten für den Vorsitz der staatlichen Attica Bank zurückzuweisen. Der Bank ist die Ausgabe von Anleihen solange untersagt, bis ein voll funktionsfähiger Vorstand eingesetzt wurde.

In einer Mitteilung bezeichnete Lina Nikolopoulou die Razzia als ungerechtfertigt. Damit werde vielmehr versucht, ihrem Mann politisch zu schaden. Wie Ekathimerini berichtet, soll Notenbankchef Stournaras in der Nacht auf Freitag mit Premierminister Tsipras telefoniert haben, welcher ihm seine Unterstützung versichert haben soll.

Erst vor wenigen Wochen wurden Räumlichkeiten der Zentralbank von Slowenien von der dortigen Staatsanwaltschaft durchsucht. Die slowenischen Behörden hatten nach einer Razzia im Zuge von dubiosen Vorgängen bei der Banken-Rettung auch den slowenischen EZB-Vertreter im Visier. EZB-Chef Draghi reagierte aufgebracht, weil die EZB eigentlich in ihren Handlungen vollständig immun und vor jeglicher Strafverfolgung geschützt ist.

Der Fall in Slowenien war der erste Fall, in dem staatliche Behörden gegen eine Zentralbank in Europa vorgegangen sind. 

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