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Spritschleuder oder Ökoflitzer? Deutsche kennen Verbrauch ihres Fahrzeugs nicht

Deutsche Autofahrer kennen den Spritverbrauch ihres Fahrzeugs oft nur unzureichend. Dabei kann sich eine einfache Analyse durchaus lohnen. Eine angepasste Fahrweise spart bares Geld und senkt das Unfallrisiko.

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Eine Frau betankt an einer freien Tankstelle ihren Pkw. (Foto: dpa)

Eine Frau betankt an einer freien Tankstelle ihren Pkw. (Foto: dpa)

Spritschleuder oder sparsamer Ökoflitzer? Viele Autofahrer in Deutschland müssen erst auf die Tankanzeige schauen, um diese Frage zu beantworten zu können. Wie eine repräsentative forsa-Umfrage* im Auftrag von CosmosDirekt jetzt ergab, weiß beinahe jeder Achte (12 Prozent) nicht, wie viel Kraftstoff sein Auto auf 100 Kilometer verbraucht.(1) Jeder Zweite (50 Prozent) gab zudem an, den Spritverbrauch nur ungefähr zu kennen.

Dabei kann es sich durchaus lohnen, die Tankanzeige genau im Blick zu behalten: „Wer den Verbrauch des eigenen Fahrzeugs kennt, kann ihn durch eine angepasste Fahrweise wirksam senken“, sagt Frank Bärnhof, Kfz-Versicherungsexperte von CosmosDirekt. „Autofahrer sollten zum Beispiel stets ausreichend Abstand zum Vordermann halten, da häufige Brems- und Beschleunigungsmanöver den Kraftstoffverbrauch steigen lassen. Genügend Sicherheitsabstand und vorausschauendes Fahren senken aber nicht nur den Verbrauch, sondern auch das Unfallrisiko.“

Herstellerangaben weichen um 42 Prozent ab

Die Angaben der Autohersteller über den Spritverbrauch weichen nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) noch immer stark von den tatsächlichen Werten ab, berichtet die dpa. Bei den zehn meistverkauften Pkw habe der Realverbrauch im vergangenen Jahr im Schnitt um 42 Prozent über den Herstellerangaben gelegen, sagte Umwelthilfe-Geschäftsführer Jürgen Resch bereits Anfang des Jahres. Für Autohalter ergäben sich daraus Mehrkosten von 4000 bis 6000 Euro während der durchschnittlichen Nutzungsdauer eines Fahrzeugs.

Da die Kfz-Steuer an den Ausstoß von CO2 und damit auch an den Verbrauch gekoppelt ist, sei 2016 mit Steuermindereinnahmen von 2,2 Milliarden Euro zu rechnen, sagte Resch. Er sieht die Behörden in der Pflicht: Nach amerikanischem Vorbild solle künftig das Umweltbundesamt die Herstellerangaben zum Kraftstoffverbrauch nachprüfen können. „Das Kraftfahrtbundesamt ist hierfür völlig ungeeignet.“ Die Klagemöglichkeiten für betroffene Autohalter müssten zudem verbessert werden.

Spritverbrauch spielend leicht berechnen

Den tatsächlichen Spritverbrauch des eigenen Fahrzeugs zu ermitteln, ist heute denkbar einfach. Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps, die binnen weniger Sekunden Ergebnisse für den Verbrauch auf 100 Kilometer parat haben. Wer weder Bordcomputer noch Smartphone hat, der kann auch auf eine einfache Formel zurückgreifen, wie sie zum Beispiel das Portal pkw.de beschreibt:

Nach dem Volltanken stellt man zunächst seinen Tageskilometerzähler auf Null. Beim nächsten Tankstopp heißt es dann, die getankte Litermenge an Treibstoff zu notieren (steht zumeist auch auf der dem Kassenbeleg) und die seit dem letzten Tankstopp gefahrenen Kilometer abzulesen.

Um anschließend den Spritverbrauch für 100 Kilometer zu berechnen, gibt es eine einfache Dreisatz-Formel. Hierbei wird die getankte Literzahl mit 100 multipliziert und durch die zurückgelegten Kilometer geteilt:

Menge x 100 ÷ Distanz

*Bevölkerungsrepräsentative Umfrage „Bewusst fahren“ des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von CosmosDirekt. Im Mai 2016 wurden in Deutschland 1.004 Autofahrer ab 18 Jahren befragt, die ein Auto im Haushalt besitzen.


Studie: TTIP kann zur wirtschaftlichen Spaltung Europas führen
Studie: TTIP kann zur wirtschaftlichen Spaltung Europas führen
Die meisten Prognosen zu TTIP basieren auf einem umstrittenen Berechnungsmodell und arbeiten mit Zahlen, die aufgrund der Geheimhaltung der Verhandlungen nur Schätzungen sein können. Tatsächlich würde das TTIP die Desintegration in Europa vor allem auf dem Arbeitsmarkt beschleunigen, zeigt eine…
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Angela Merkel und Barack Obama beim G20-Gipfel in Brisbane. (Foto: dpa)

Angela Merkel und Barack Obama beim G20-Gipfel in Brisbane. (Foto: dpa)

Demo gegen CETA und TTIP in Berlin. (Foto: dpa)

Demo gegen CETA und TTIP in Berlin. (Foto: dpa)

Die EU-Kommission verweist bei ihrer Kommunikation für TTIP auf Prognosen, die zahlreiche positive Effekte für die EU-Mitgliedsstaaten im Zuge von TTIP prognostizieren. Doch diese Untersuchungen und Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen, wie eine neue Studie der Deutschen Wirtschafts Nachrichten zeigt. Die ähnlich positiven Ergebnisse der meisten bisher vorliegenden Untersuchungen lassen sich nämlich unter anderem auf deren umstrittene Methodik zurückführen.

So verwenden beispielsweise drei der vier offiziellen Studien das gleiche „ökonomische Berechnungsmodell, das Computable General Equilibrium (CGE) Modell sowie gänzlich oder teilweise dieselben Datensätze für die Quantifizierung der nicht-tarifären Maßnahmen und sehr ähnliche Datensätze für die Wirtschaftsdaten der einzelnen Länder“, heißt es in der DWN-Studie. Das CGE-Modell sei aber aufgrund seiner Eigenheiten (Prinzip des Gleichgewichtszustands) nicht in der Lage, zulässige Aussagen über die Auswirkungen von TTIP auf die Arbeitsmärkte zu treffen.

Wie entscheidend die Berechnungsmodelle für den Trend der Prognosen sind, zeigt die neue DWN-Studie. Unter Anwendung des „United Nations Global Policy Models“ etwa, winkt mit TTIP in Europa ein Rückgang des BIPs, der persönlichen Einkommen und der Beschäftigung. „Zu erwarten sind zunehmende Instabilität im Finanzsektor und ein kontinuierlichen Abwärtstrend beim Anteil der Einkommen aus unselbständiger Arbeit (Lohnquote)“, so die Studienautorin Stefanie Schneider. „Die Evaluierung mit dem UN Modell lässt für Europa eine wirtschaftliche Desintegration weitaus wahrscheinlicher erscheinen als eine weitere Integration.“ Tatsächlich würden die Vorteile von TTIP nur auf Kosten des bilateralen Handels zwischen den EU-Mitgliedsstaaten zu erreichen sein.

Darüber hinaus basieren die Ergebnisse der positiven Prognosen auf Zahlen, die selbst nicht als sichere Annahmen gelten können. Die Geheimhaltung der TTIP-Verhandlungen bedingt, dass es keine konkreten Datensätze gibt. Selbst die TTIP-Leaks von Greenpeace ermöglichten es letztlich nur, zu sehen, mit welchen unterschiedlichen Standpunkten die EU und die USA in die Verhandlungen gehen. Wie sich mit welchen Deals geeinigt werden wird, ist weiterhin unklar. Aber genau das wird entscheidend dafür sein, wie sich das Freihandelsabkommen auf den Wohlstand, das Leben und die Arbeit der EU-Bürger auswirken wird.

In den offiziellen Gutachten so gut wie gar nicht berücksichtigt sind die Untersuchungen der unabhängigen Tufts-University, die zu einem sehr deutlichen Ergebnis kommt: Das TTIP werde im Norden Europas – also in Deutschland, dern Niederlanden und in Skandinavien – zu einem Boom im Niedriglohnsegment führen. Insgesamt geht diese Untersuchung davon aus, dass knapp 600.000 klassische Arbeitsplätze durch das TTIP wegfallen könnten. Damit würde der in den USA herrschende Trend nach Europa importiert: Die scheinbar guten Job-Zahlen sind seit einigen Jahren auf das Wachstum im Niedriglohnbereich zurückzuführen, während die Zahl der klassischen Industriearbeitsplätze schrumpft. Diesen Zustand hatte zuletzt US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede vor den UN ausdrücklich beklagt und festgestellt, dass diese Entwicklung auch auf den Bedeutungsverlust der Gewerkschaften zurückzuführen sei. Diese Entwicklung ist einer der maßgeblichen Faktoren für den Erfolg von Donald Trump. 

„Um eine informierte Entscheidung zu treffen, sollte man sowohl die Chancen als auch die Risiken abwägen“, so Schneider. Daher erscheine es etwas besorgniserregend, wenn von Seiten der Europäischen Union nur über die Vorteile und Wohlfahrtseffekte gesprochen werde und negative Auswirkungen per se ausgeschlossen würden. Und daher „besteht eine realistische Gefahr, dass eine Fehleinschätzung der Wirkungen des TTIP zu erheblichen sozialen Problemen in der EU führen wird“, warnt die Studie.

Verschaffen Sie sich einen Informationsvorsprung: Bestellen Sie jetzt die neue DWN-Studie „TTIP – Die unsichtbaren Risiken“ (74 Seiten) im PDF-Format per Email an [email protected] um 30 Euro (inklusive Umsatzsteuer).  Mit dem Kauf unterstützen Sie außerdem die Redaktion in ihrer Unabhängigkeit und ihrer ermöglichen ihre Arbeit.

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Merkel will Deutsche Bank im Streit mit den USA nicht unterstützen
Merkel will Deutsche Bank im Streit mit den USA nicht unterstützen
Bundeskanzlerin Merkel hat eine Unterstützung der Deutschen Bank im Streit mit den USA auf diplomatischer Ebene abgelehnt. Auch Staatshilfe soll es für die Bank vor der Bundestagswahl 2017 nicht geben.
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John Cryan, CEO der Deutschen Bank. (Foto: dpa)

John Cryan, CEO der Deutschen Bank. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel will sich nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus „nicht in den Rechtsstreit der Deutschen Bank mit dem US-Justizministerium einschalten“. Das habe Merkel bereits im Sommer bei einem vertraulichen Treffen mit Bankchef John Cryan signalisiert, berichtet das Magazin in einer Vorabmeldung. Focus: „Cryan hatte in dem Gespräch angedeutet, dass dem größten deutschen Finanzkonzern eine diplomatische Vermittlung durch die Bundesregierung helfen könnte. Auch Staatshilfen im Wahljahr 2017 schließt die Kanzlerin kategorisch aus, berichtet das Magazin unter Berufung auf Regierungskreise.“

Zuletzt hatten sich SPD-Politiker getroffen, um die Lage bei der Deutschen Bank zu beraten.

Die US-Justiz verlangt 14 Milliarden Dollar wegen zweifelhafter Immobiliengeschäfte.

Die US-Investmentbanken könnten von einer substantiellen Schwächung der Deutschen Bank profitieren – sie ist die einzige Bank, die aktuell noch einigermaßen mit den US-Banken mithalten kann.

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Schweizer stimmen für mehr Überwachung durch Geheimdienste
Schweizer stimmen für mehr Überwachung durch Geheimdienste
Die Schweizer haben sich mit klarer Mehrheit für eine Ausweitung der Befugnisse für die Geheimdienste ausgesprochen. Das Ergebnis ist als Erfolg einer Politik der Angst in einem Land zu werten, in die sogenannte "islamistische Gefahr" bisher kaum zu Beeinträchtigungen des…
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Die Schweizer wollen stärker überwacht werden. (Foto: dpa)

Die Schweizer wollen stärker überwacht werden. (Foto: dpa)

Die Schweizer haben sich am Sonntag mit klarer Mehrheit dafür entschieden, die Befugnisse des nationalen Geheimdienstes bei der Überwachung auszuweiten. Laut Hochrechnungen des Instituts gfs.bern im Auftrag des Schweizer Fernsehens (SRF) stimmten 66 Prozent der Teilnehmer dafür.

Abgestimmt wurde über ein vom Parlament bereits gebilligtes Gesetz, das es dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zur Abwehr von Terroranschlägen in Einzelfällen erlaubt, Telefonate abzuhören, Wohnungen zu verwanzen und Computer anzuzapfen. Dafür müssen jeweils Bewilligungen von Regierungsstellen sowie des höchsten Schweizer Verwaltungsgerichts eingeholt werden.

Von Thomas Burmeister von der dpa analysiert die Hintergründe:

Härter wurde in der Schweiz nur selten um ein Gesetz gerungen. Kein Wunder, denn die neuen Befugnisse des Geheimdienstes könnten die Privatsphäre mancher Bürger erheblich beeinträchtigen.

Auch nach Jahrzehnten sorgt ein schweizerdeutsches Wort bei vielen Eidgenossen noch für ungute Gefühle: Fiche. Eine Fiche ist eine Karteikarte. Hunderttausende Fichen haben Schweizer Behörden bis in die 80er Jahre insgeheim über Personen geführt, denen sie nicht über den Weg trauten – darunter unzählige unbescholtene Bürger. Damit sollte das Land vor «subversiven» Aktivitäten geschützt werden.

Als der «Fichenskandal» 1989 aufflog, war die Empörung groß. «Fichenstaat» gilt seitdem als Synonym für «Schnüffelstaat». Trotzdem hat am Sonntag eine klare Mehrheit der Schweizer dafür gestimmt, dass ihr Geheimdienst größere Überwachungsbefugnisse bekommt als bisher.

So dürfen Agenten des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) nun Trojaner in Computer und Netzwerke schleusen, Wohnungen verwanzen und Telefonate mitschneiden. Und im öffentlichen Raum – bislang offiziell das einzige dem NDB zugestandene Überwachungsareal – ist fortan auch der Einsatz von Drohnen möglich.

Noch vor einigen Jahren hätten die Eidgenossen, denen die persönliche Freiheit und die Rechte der Bürger gegenüber dem Staat traditionell als besonders hohe Güter gelten, ein solches Ansinnen zurückgewiesen – sicher auch in Erinnerung an den «Fichenskandal». Doch der hatte sich vor allem in Zeiten des Kalten Krieges abgespielt, als die Hauptgefahr für den Westen von Panzerdivisionen des Warschauer Pakts auszugehen schien.

Spätestens seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA gelten auch in der Schweiz islamistische Attentäter als größte Bedrohung der Sicherheit. Noch hat die Eidgenossenschaft seitdem zwar keinen terroristischen Anschlag erlebt. Doch so mancher fürchtet einen «Dschihad in den Alpen» durch IS-Leute, die zum Beispiel als Flüchtlinge getarnt ins Land kommen. Oder auch durch zurückkehrende «Dschihadreisende». 63 Personen haben sich laut NDB bislang von der Schweiz aus nach Syrien und in den Irak begeben sowie 14 nach Somalia, Afghanistan und Pakistan. Mindestens elf seien inzwischen wieder im Lande – möglicherweise auch mehr.

Gegner des Geheimdienstgesetzes räumten ein, die weit verbreiteten Ängste unterschätzt zu haben. «Wir waren der Ansicht, dass mehr Überwachung nicht automatisch mehr Sicherheit bedeutet. Angesichts der Terroranschläge in Europa war es aber schwierig, das rüberzubringen», sagte Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Nun müsse das Gesetz exakt so umgesetzt werde, wie vom Parlament beschlossen, nämlich mit allen vorgesehenen Kontrollmechanismen: «Ich hoffe, dass wir in drei Jahren nicht die nächste Fichen-Affäre haben.»

Vor dem Urnengang hatte das Bündnis «Nein zum Schnüffelstaat» gewarnt: «Künftig hätte der Geheimdienst die Möglichkeit, ohne Verdacht auf eine Straftat in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger einzudringen und deren Leben und Kommunikation zu überwachen.» Auch die Journalistenverbände riefen zum «Nein» auf: Das Gesetz gefährde den Quellenschutz und damit den Investigativjournalismus.

Was viele dennoch mit «Ja» stimmen ließ, liegt für Meinungsforscher auf der Hand: Paris und Brüssel, aber auch Würzburg und Ansbach – die Terroranschläge der letzten Monate sowie Festnahmen mutmaßlicher «Schläfer» der IS-Terrormiliz wirkten wie Alarmglocken. Auch andere Länder wie Deutschland oder Frankreich reagierten mit einer Ausweitung der Befugnisse für die Sicherheitsbehörden.

«Wenn wir die Freiheit der Mehrheit der Bürger garantieren wollen, müssen wir auch deren Sicherheit garantieren», erklärte der frühere Verteidiungs- und heutige Finanzminister Ueli Maurer von der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Ein Freibrief für zügelloses Lauschen sei das Gesetz auf keinen Fall, versprach der Politiker Huges Hiltpolt von der mitregierenden Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP): «Wenn eine Person verdächtigt wird, eine terroristische Handlung zu planen, muss bei drei Instanzen eine Überwachungsbewilligung eingeholt werden: beim Verteidigungsminister, bei der Sicherheitsdelegation des Bundesrates (der Regierung) und beim Bundesverwaltungsgericht.»

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Chaos und Krieg: Libyer bereiten sich auf die Flucht nach Europa vor
Chaos und Krieg: Libyer bereiten sich auf die Flucht nach Europa vor
Die UN berichtet, dass etwa 230.000 Libyer auf Listen stehen, wonach sie nach Italien auswandern wollen. Das Land ist seit dem Sturz von Gaddafi zerstört. Viele Libyer sagen, es sei ihnen früher wesentlich besser gegangen.
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Ein Artilleriegeschütz zeugt vom Kampf gegen des IS in Sirte. (Foto: dpa)

Ein Artilleriegeschütz zeugt vom Kampf gegen des IS in Sirte. (Foto: dpa)

Eine Mehrheit der Libyer scheint sich offenbar den 2011 gestürzten Machthaber Muammar al Gaddafi zurückzuwünschen., berichtet die Sunday Mail. Den von der Zeitung Befragten zufolge sei das Leben unter Gaddafi deutlich angenehmer gewesen als derzeit. Die Zeitung berichtet von Ausschreitungen vor Banken, weil die Libyer nur noch begrenzt Geld abheben könne. Auch er Kampf um Lebensmittel hat sich verschärft.

Der zuständige UN-Botschafter Martin Kobler sagte der italienischen Zeitung La Stampa: „Wir haben auf unserer Liste 235.000 Migranten, die nur auf eine gute Gelegenheit warten, um das Land in Richtung Italien zu verlassen – und sie werden es tun.“

“We have on our lists 235 000 migrants who are just waiting for a good opportunity to depart for Italy, and they will do it.”

„Ich habe mich der Revolution in den ersten Tagen angeschlossen und gegen Gaddafi gekämpft. Vor 2011 habe ich Gaddafi gehasst. Aber jetzt ist das Leben viel, viel härter und ich wurde zu seinem größten Fan“, sagte ein Bürger der Stadt Murzug. „Es sollte nun besser sein als zu Gaddafis Zeiten aber jetzt ist es wegen dem Chaos und dem Bürgerkrieg eine totale Katastrophe“, wird ein andere zitiert.

Eine Koalition aus Briten und Franzosen war im März 2011 mit Luftschlägen gegen das Gaddafi-Regime vorgegangen als er damit drohte, den Aufstand in der Stadt Benghazi zu unterdrücken. Der Ausschuss für Außenpolitik des britischen House of Commons verurteilte die Entscheidung des damaligen Premiers Cameron in der vergangenen Woche. Die Intervention sei auf Grundlage „fehlerhafter Einschätzungen“ erfolgt, zitiert die Sunday Mail aus dem Bericht. Cameron habe außerdem keinerlei Vorkehrungen dafür getroffen, wie es nach Gaddafi weitergehen sollte, was den Abstieg des Landes ins Chaos erst ermöglicht habe.

Zu den Problemen, die die meisten Libyer heute zu bewältigen haben, gehören unter anderem die heftigen Kämpfte zwischen marodierenden Milizen, stundenlange Stromausfälle, eine Bankenkrise und eine Knappheit bei Medikamenten.

„Es ist einfach so, dass das Leben der Menschen heute viel schwieriger ist als unter Gaddafi“, wird ein Geschäftsmann aus Tripoli zitiert.

Die Libyer gehörten bisher zu den reichsten Bürgern in der arabischen Welt. Heute überlegen sich viele von ihnen, nach Europa auszuwandern – ebenso wie fast 8.000 Schwarzafrikaner, die jeden Tag aus dem Süden in das Land kommen, um nach Europa überzusetzen.

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Erster Wasserstoff-Zug der Welt fährt in Deutschland
Erster Wasserstoff-Zug der Welt fährt in Deutschland
Bereits ab Ende 2017 sollen im deutschen Nahverkehr die weltweit ersten Brennstoffzellen-Züge rollen. Zunächst fahren zwei Prototypen vor allem auf den Strecken von Bremerhaven nach Buxtehude und Cuxhaven. Bis 2020 sollen dort insgesamt 14 Züge im Einsatz sein.
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DWN-Alstom

Fachbesucher besichtigen am 20.09.2016 in Berlin auf der InnoTrans eine Zug mit Wasserstoffantrieb des Konzerns Alstom mit der Bezeichnung Coradia iLint. (Foto: dpa)

Fachbesucher besichtigen am 20.09.2016 in Berlin auf der InnoTrans eine Zug mit Wasserstoffantrieb des Konzerns Alstom mit der Bezeichnung Coradia iLint. (Foto: dpa)

Der französische Schienentechnik-Hersteller Alstom stellt den neuen, emissionsfreien Antrieb auf der Bahntechnikmesse InnoTrans vor, die am Dienstag in Berlin eröffnet wurde. Das Prinzip des so genannten „Hydrail“: Die Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff in elektrische Energie um.

Die Entwicklung der in Salzgitter gebauten Züge namens „Coradia iLint“ hat der Bund mit acht Millionen Euro gefördert. Sie haben auf dem Dach einen Wasserstofftank und die Brennstoffzelle sowie Batterien im Boden des Zugs. Damit können sie bis zu 140 Stundenkilometer fahren. Entwickelt wurde er von Ingenieuren binnen zwei Jahren. Die Funktionsweise erklärt das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: „Der neue Zug wird von Wasserstoff-Brennstoffzellen (die einer Batterie ähnlich sind) mit Strom versorgt. Chemische Energie wird in elektrische Energie umgewandelt – und das bei einem hohen Wirkungsgrad. Das Fahrzeug gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab ist überdies im Betrieb vergleichsweise geräuscharm.“

Den dafür benötigten Wasserstoff beziehe Alstom aus Chemieanlagen, in denen das Element als Abfallprodukt bei der Herstellung anderer Produkte anfalle, berichtet die Zeitung Welt. Bisher werde der so entstehende Wasserstoff häufig einfach verbrannt. Der „Hydrail“ von Alstom sei damit von der Stromgewinnung bis zum Betrieb absolut emissionsfrei. Der Wasserstoff solle neben dem Bezug aus Industrieanlagen mittelfristig aber aus eigenen Quellen kommen. Bei Alstom überlege man, für die H-Züge entsprechende Elektrolyseanlagen zu bauen, um die Bahnen vor Ort betanken zu können. „Damit hätte Alstom eines der Probleme gelöst, das die Autobauer bislang bei den Wasserstoffautos bremst: die fehlende Infrastruktur für die Energieversorgung. Ein Hydrail kommt voll aufgetankt 600 bis 800 Kilometer weit“, berichtet die Zeitung.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen hat schon 14 Exemplare des „iLint“ bestellt. Im Herbst soll das Zulassungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beginnen. Die Prototypen fahren künftig im regulären Fahrbetrieb für die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB), deren Mehrheitseigentümer das Land ist. Nach Angaben von Alstom gibt es zudem Absichtserklärungen aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen, in denen auch Züge mit Wasserstoff fahren sollen.

Mit vier Millionen Euro fördert das Ministerium auch den Alstom-Konkurrenten Bombardier, der einen mit Batterien ausgestatteten Talent-3-Zug entwickelt, so die dpa. „Insbesondere auf Nebenstrecken, an denen Oberleitungen unwirtschaftlich oder noch nicht vorhanden sind, fahren bislang Züge mit Dieseltriebwagen“, sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Brennstoffzelle und Batterie seien emissionsfreie, energieeffiziente und kostengünstige Alternativen.

Auf der InnoTrans sind dieses Mal 2950 Aussteller aus 60 Ländern vertreten. Die Messe ist bis Freitag Fachbesuchern vorenthalten, am Wochenende öffnet sie für Privatbesucher.

Die Branche erwartetet angesichts einer immer größeren Weltbevölkerung und wachsender Städte gute Geschäfte in den nächsten Jahren. 2015 erreichte der weltweite Markt für Eisenbahnzulieferer nach einer Roland-Berger-Studie für den europäischen Herstellerverband UNIFE ein Rekordvolumen von 159 Milliarden Euro. Wachstum verspricht demnach vor allem die Region Asien-Pazifik.

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Radar-Aufzeichnungen über Abschuss MH17 aufgetaucht
Radar-Aufzeichnungen über Abschuss MH17 aufgetaucht
Der russische Waffenhersteller Almaz-Antey hat überraschend Radar-Aufzeichnungen über den Abschuss von MH17 vorgelegt. Die Dokumente wurden an die russische Regierung übergeben, die sie an die niederländische Untersuchungskommission weiterleiten will. Die Aufnahmen könnten entscheidende Erkenntnisse über den Hergang des Abschusses geben.
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Das Wrack der MH17. (Foto: dpa)

Das Wrack der MH17. (Foto: dpa)

Der Herstelller von BUK-Raketen, Almaz-Antey, hat überraschend Rohmaterial von Radar-Aufzeichnungen des Abschusses des malaysischen Passagierflugzeuges MH17 vorgelegt. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung schreibt, enthalten die Dokumente alle relevanten Informationen von der Zeit des Abschusses. Wenn das zutrifft, dann könnten die Radar-Bilder wichtige Informationen über den Hergang des Abschusses liefern. Sie müssten zeigen, ob die Maschine von der BUK-Rakete aus dem Ort Sneschnoje abgefeuert worden sei. Dies ist der Ort, von dem die niederländischen Ermittler aktuell ausgehen. Sie sollten aber auch zeigen, ob sich andere Flugzeuge in der Nähe von MH17 befunden haben.

Die niederländischen Abgeordneten Pieter Omtzigt und Sjoerd Sjoerdsma fordern laut De Telegraaf eine Erklärung von Russland, warum diese Aufnahmen erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangen. Russland habe bisher stets angegeben, über keine Aufzeichnungen zu verfügen. Almaz-Antey gibt an, die Datenträger vom Juli 2014 seien bis jetzt im Werk Lianosowo aufbewahrt worden, und zwar aus Wartungsgründen.

Die niederländische Untersuchungskommission will am 28. September den Ort bekanntgeben, von dem aus die BUK ihren Erkenntnissen zufolge abgefeuert wurde.

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