Audi verliert vierten Entwicklungschef in vier Jahren

Im Dieselskandal bei Volkswagen räumt ein weiterer hochrangiger Manager seinen Posten: Mit Entwicklungschef Knirsch verliert das Unternehmen erneut eine zentralen Mann in einem sensiblen Bereich.

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Der Entwicklungschef der VW-Konzerntochter Audi, Stefan Knirsch, lege seine Funktion mit sofortiger Wirkung nieder und verlasse das Unternehmen im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat, teilte der Ingolstädter Autobauer am Montag mit. Der promovierte Maschinenbauer und Motoren-Experte war erst zu Jahresbeginn in den Audi-Vorstand aufgerückt. Nachdem die US-Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag von VW die Abgasaffäre aufarbeitet, Ungereimtheiten aufgedeckt hatte, wurde Knirsch vor knapp zwei Wochen kalt gestellt. Einen Nachfolger gebe es noch nicht, sagte ein Audi-Sprecher.

Knirschs Aufgaben übernehme zunächst ein langjähriger Konzernmanager, der den Spitzenmanager zuletzt bereits vertreten hatte, sagte der Sprecher. Knirsch ist der vierte Audi-Entwicklungschef in vier Jahren, der seinen Hut nimmt. Sein Vorgänger Ulrich Hackenberg schied im Dezember aus, ebenfalls im Zusammenhang mit der Dieselaffäre. Firmenkenner sehen die häufigen Wechsel im Schlüsselressort Entwicklung mit Sorge. Die Autobranche steht vor gewaltigen Umwälzungen hin zum vernetzten, automatisierten und elektrischen Fahren. Konkurrenten wie BMW oder Mercedes geben auf diesen Gebieten kräftig Gas.

Auch wenn Knirschs Engagement als Technikvorstand sehr hoch gewesen sei, sei die Trennung unumgänglich gewesen, sagte Audi-Betriebsratschef Peter Mosch. „Wir haben von Anfang an klargestellt, dass wir bei der Aufklärung keine Rücksicht auf große Namen nehmen und handeln werden, wenn es nötig ist“, ergänzte der stellvertretende Aufsichtsratschef Berthold Huber. Die Arbeitnehmervertreter hatten demnach von Knirsch vor Amtsantritt eine umfassende Erklärung verlangt, um ausschließen zu können, dass er Kenntnis von den Abgas-Schummeleien hatte. „Die aktuellsten Untersuchungsergebnisse zeigen leider ein anderes Bild“, sagte Huber. „Deshalb musste es zu dieser Trennung kommen.“

Die Ungereimtheiten rund um Entwicklungschef Knirsch brachten in den vergangenen Tagen auch Audi-Chef Rupert Stadler erneut unter Druck. Der Manager wurde von den internen Ermittlern von Jones Day befragt; Insidern zufolge wurde aber nichts Belastendes gegen ihn gefunden. Stadler sitzt auch im Vorstand des VW-Konzerns. Erst im Dezember hatte der Audi-Lenker ein ähnliches Scherbengericht überstanden.

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