Niedergang von Air Berlin: Triumph für Platzhirsch Lufthansa

Die Air Berlin versucht, sich mit einem radikalen Schrumpfkurs zu retten. Der Niedergang der Airline ist ein Triumph für den früheren deutschen Monopolisten Lufthansa. Auch für den angeblich geplanten neuen Berliner Großflughafen stellen sich plötzlich unangenehme Fragen.

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Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin streicht im Zuge eines umfassenden Konzernumbaus 1.200 Stellen. Die Flotte soll auf 75 Flugzeuge in etwa halbiert werden und der Konkurrent Lufthansa soll per Leasing bis zu 40 Maschinen übernehmen, wie Air Berlin am Mittwochabend mitteilte. Ferner soll das Touristikgeschäft mit 35 Flugzeugen in einen eigenständigen Bereich verlagert werden. Hierfür würden „strategische Optionen“ geprüft. „Die neue Air Berlin wird von einer schlankeren Unternehmensstruktur profitieren“, sagte Konzernchef Stefan Pichler. Zudem werde man sich konzentrieren auf „das Langstreckengeschäft und die ertragsstärkeren Verbindungen ab unseren beiden großen Einzugsgebieten Düsseldorf und Berlin“.

Air Berlin hat in den vergangenen acht Jahren nur einmal einen Nettogewinn eingeflogen. Auch unter Pichler gelang keine Wende. Der Nettoverlust wuchs trotz rapide gefallener Öl- und damit Kerosinpreise 2015 auf den Rekord von 447 Millionen Euro. Das Unternehmen hängt am Tropf von Großaktionär Etihad, der schon mehr als eine Milliarde Euro in Air Berlin gesteckt hat.

Der Deal mit der Lufthansa umfasst das Cockpit- und Kabinenpersonal, die technische Wartung, die Versicherung und die Betriebskosten. Das Abkommen ermögliche es, überschüssige Kapazitäten zu reduzieren und die Restrukturierungskosten zu reduzieren, erklärte Air Berlin. Die Vereinbarung soll sechs Jahre laufen und mit dem Sommerflugplan am 26. März 2017 beginnen.

Für die Lufthansa ist es ein wichtiger Schritt zum Ausbau seiner Billigflugtochter Eurowings. Der Neueinsteiger mit 90 Flugzeugen soll rund 40 Prozent günstiger fliegen als die Lufthansa und so im Wettbewerb mit den Billig-Airlines Ryanair und Easyjet bestehen können. Die Lufthansa betonte denn auch, Eurowings werde mit dem Air-Berlin-Deal die „Kapazitäten erheblich ausbauen“. Kurz zuvor hatte die Lufthansa angekündigt, die übrigen 55 Prozent an Brussels Airlines zu übernehmen. Die Frankfurter zogen damit eine Option und stockten ihren Anteil von 45 auf 100 Prozent auf. Wie die belgische Fluggesellschaft in den Konzern eingegliedert wird, ist laut Lufthansa noch nicht ganz klar.

Wie Reuters jüngst von Insidern erfahren hatte, sprechen Air Berlin und sein Großaktionär Etihad mit dem Reisekonzern TUI darüber, 30 bis 40 Maschinen der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki mit dem Ferienflieger TUIfly zusammenzulegen, der bereits mit Air Berlin kooperiert.

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer sagte Reuters TV, in der Politik beobachte man Air Berlin schon seit längerem „mit großer Sorge.“ Yzer zeigte sich zuversichtlich, dass der Luftfahrtstandort Berlin keinen Schaden nehme. „Wir hoffen, dass es eine Perspektive für das Unternehmen gibt, gegebenenfalls in Kooperation mit anderen Partnern.“ Das Interview mit Yzer fand vor dem angekündigten Konzernumbau statt.

Fraglich ist außerdem, welche Folgen die Entwicklungen für den angeblich geplanten neuen Berliner Großflughafen haben wird: Der BER war wesentlich als Standort für die Air Berlin gedacht. Die Lufthansa, die in Frankfurt und München stationiert ist, hat nie ein Hehl aus ihrer Distanz zum BER gemacht. Es ist unklar, in welcher Dimension der immer noch auf seine Eröffnung wartende Flughafen jetzt eigentlich noch sinnvoll ist.

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