Zentralbanken hoffen auf deutlichen Anstieg der Inflation

Die Zentralbanken hoffen, dass der OPEC-Deal die Inflation in die Höhe treibt. Sie müssten dann allerdings die Zinsen erhöhen - und damit einen Crash im Aktienmarkt riskieren.

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Die Inflation in Deutschland in der 3-Jahres-Sicht. (Grafik: ariva.de)

Die Inflation in Deutschland in der 3-Jahres-Sicht. (Grafik: ariva.de)

Zu den Profiteuren der OPEC-Entscheidung, Obergrenzen für die Ölförderung festlegen zu wollen, gehören die Zentralbanken und die entsprechenden Staaten. Voraussetzung allerdings ist, dass das Abkommen tatsächlich in die Tat umgesetzt wird und dass die Nicht-OPEC-Länder ihre Produktion nicht übermäßig steigern. Das Abkommen von Algiers würde dann tendenziell zu höheren Ölpreisen führen, was die Notenbanken wiederum in die Lage versetzt, ihre Inflationsziele von etwa 2 Prozent leichter zu erreichen. Auch die inzwischen immense Schuldenlast der meisten Staaten lässt sich leichter beherrschen, je stärker die Geldentwertung ausfällt, weil dann „alte“ Schulden mit „neuem“, entwertetem Geld zurückgezahlt werden können.

„Höhere Ölpreise sind gute Nachrichten für die Bank of Japan. Es würde zu einem Anstieg der Inflation beitragen“, wird ein Banker in Tokio von Bloomberg zitiert.

In besonderer Weise dürfte diese Einschätzung für die Europäische Zentralbank gelten. Denn die Inflationsberechnung der EZB räumt den Erdölpreisen einen überproportional großen Raum ein. Die Geldpolitik der EZB orientiert sich an einem Inflationsziel für den harmonisierten Konsumentenpreisindex (hicp). Als Preisstabilität wird seit der Gründung der EZB willkürlich, d.h. ohne weitere empirische Fundierung, eine Jahresveränderungsrate des hicp von knapp unter 2 Prozent definiert. Doch der hicp-Index ist von seiner Konstruktion und Methodologie ein schwacher, unpräziser Inflationsmaßstab. Empirisch sind rund 50 Prozent oder mehr der gesamten hicp Inflationsdynamik auf die Energiepreise zurückzuführen. Die Dynamik dieses Index über die letzten 20 Jahre ist von den Energiepreisen als einzelner Komponente dominiert. Alle anderen Komponenten mit Ausnahme noch der Nahrungsmittelpreise haben praktisch keine zyklische Varianz.

Hält also das Abkommen von Algiers und steigen in der Folge die Erdölpreise an, dürfte die EZB ihrem Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent verglichen mit anderen Zentralbanken schneller näherkommen. Dies wiederum entzieht der Fortführung der expansiven Geldpolitik die Berechtigung, ohne die jedoch Kurseinbrüche an den Aktien- und Kapitalmärkten drohen.

Verlierer höherer Erdölpreise wären neben den Autofahrern auch die Fluggesellschaften, welch sich in den vergangenen Monaten über deutliche Einsparungen bei den Kerosinpreisen freuen durften.

Die Preise in Deutschland sind im September so stark gestiegen wie seit Mai 2015 nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 0,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Teuerungsrate lediglich auf 0,6 Prozent steigt, nach 0,4 Prozent im August. Gedämpft wurde die Inflation noch immer von Energie, die sich zum Vorjahr um 3,6 Prozent verbilligte. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen hingegen um 0,4 Prozent. Die Inflation bleibt trotz des Anstiegs weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht.

Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB geht davon aus, dass die EZB im Dezember ihr bis März 2017 laufendes Wertpapierankaufprogramm zum Anheizen der Inflation ausweiten wird: „Und zwar wohl um sechs Monate und möglicherweise darüber hinaus. Denn für die EZB bleibt die Kernrate – also ohne Energie und Lebensmittel – noch deutlich unterhalb dessen, was sie sich vorstellt.“ Die Zentralbank hat dabei nicht nur Deutschland im Blick, sondern richtet ihre Geldpolitik an der gesamten Euro-Zone aus.

Auch die aktuellen Inflationsdaten aus Spanien dürfte die Sorgen der Währungshüter ein wenig gemildert haben: Die Preise stiegen im September um 0,3 Prozent und damit erstmals seit Juli 2015.

Die EZB kauft seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder, um für mehr Wachstum und Inflation zu sorgen. Sie will damit eine durch fallende Preise ausgelöste Deflation verhindern – also eine für die Konjunktur gefährliche Abwärtsspirale bei Löhnen, Preisen und Investitionen. Inzwischen wird das Inflationsziel der Währungshüter jedoch bereits seit Frühjahr 2013 verfehlt. Daher sind höhere Lebenshaltungskosten in Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus ein Grund zum Jubeln: „Hurra, die Preise steigen!“, erläuterte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner: „Das klingt verrückt, trifft es aber. Denn die aktuelle Preisentwicklung unterstreicht, dass Deflationsgefahren erst einmal abgewendet sind.“

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