IWF: Deutsche Wirtschaft in besserem Zustand als die USA

Der IWF überrascht mit einer freundlichen Prognose für Deutschland - und schlechten Nachrichten für Hillary Clinton: Die vielbesungene Erholung der US-Wirtschaft war offenbar eine Fata Morgana.

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IWF-Chefin Lagarde, hier mit Fed-Chefin Yellen. (Foto: dpa)

IWF-Chefin Lagarde, hier mit Fed-Chefin Yellen. (Foto: dpa)

Der IWF traut der globalen Konjunktur weiter keine großen Sprünge zu. Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr etwas an Fahrt verlieren und um 3,1 Prozent zulegen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag in seinem neuen „World Economic Outlook“ mitteilte. Im nächsten Jahr werde es mit 3,4 Prozent etwas stärker bergauf gehen. „Der aktuelle Ausblick bleibt gedämpft.“ Mittelfristig dürfte das Wachstum der Industriestaaten weiter „enttäuschend“ ausfallen, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Bei Schwellen- und Entwicklungsländern werde die Konjunktur eher anziehen.

Allerdings muss man bei den IWF-Prognosen immer vorsichtig sein: In Griechenland etwa ist der IWF zum Beispiel mit traumwandlerischer Sicherheit über Jahre falsch gelegen. Auch jetzt sind Fragen angebracht: Etwa, wenn der IWF für Spanien einen Boom angebrochen sieht: Warum ist dann die Arbeitslosigkeit, insbesondere bei Jugendlichen, immer noch so hoch?

Schlechte Nachrichten hat der IWF für Hillary Clinton: Für die USA zeigte sich der IWF skeptischer als noch im Juli. Für die weltgrößte Volkswirtschaft senkte der Fonds seine Wachstumsprognose für 2016 auf 1,6 von 2,2 Prozent und für 2017 auf 2,2 von 2,5 Prozent. „Das US-Wachstum hat 2016 enttäuscht“, sagte Obstfeld. Die Prognosen für die Weltwirtschaft änderten sich hingegen nicht.

In der Regel schadet ein schlechtes Konjunkturumfeld dem Kandidaten der Regierungspartei.

Zur deutschen Wirtschaft hingegen äußerten sich die IWF-Experten optimistischer. Sie erhöhten ihre Wachstumsprognose für 2016 von 1,6 auf 1,7 Prozent und für das nächste Jahr von 1,2 auf 1,4 Prozent. Die Daten des IWF sind aber bereinigt um die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage und damit nicht mit dem jüngsten Herbstgutachten der Forschungsinstitute vergleichbar. Diese hatten einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,9 Prozent vorausgesagt, der sich im nächsten Jahr auf 1,4 Prozent abflauen dürfte.

Mit Blick auf die globale Konjunktur forderte Obstfeld mehr Impulse der Politik, um Wachstum zu fördern. Wichtig seien hier Reformen am Arbeitsmarkt und der Abbau von Handelsbarrieren. „Das Wachstum ist schon zu lange zu niedrig.“ Zudem komme in vielen Ländern der Erfolg der Wirtschaftserholung bei zu wenigen Menschen an.

Notenbanken in Industriestaaten sollten laut IWF ihre lockere Geldpolitik fortsetzen und die Konjunktur weiter stützen. Dies müsse notfalls wie bisher mit sogenannten unkonventionellen Maßnahmen abseits des Leitzinses geschehen. Die US-Notenbank Fed sucht derzeit nach einem geeigneten Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung. Die meisten Ökonomen erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) jedoch ihre Politik des billiges Geldes eher noch einmal verlängert oder ausweitet.

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