Türkei: Sturm auf Mossul wird Hunderttausende in die Flucht treiben

Im Irak könnte die Erstürmung der IS-Hochburg Mossul durch die USA zu einer neuen Welle der Vertreibung führen, fürchtet die Türkei. Hunderttausende Flüchtlinge würden sich auf die Flucht machen - mit Folgen für die ganze Region. Auch Deutschland könnte am Ende betroffen sein.

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Barack Obama am 15.11.2015 beim G20-Gipfel in Antalya. Der türkische Botschafter in den USA warnt vor Zerwürfnis. (Foto: dpa)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Barack Obama am 15.11.2015 beim G20-Gipfel in Antalya. (Foto: dpa)

Die Türkei hat sich besorgt gezeigt, dass die geplante Offensive auf die irakische IS-Hochburg Mossul Hunderttausende Menschen zur Flucht zwingen könnte. Sollten bei dem Einsatz der irakischen Einheiten mit Unterstützung der US-Luftwaffe Fehler unterlaufen, müsse mit einem Flüchtlingsansturm gerechnet werden, warnte der Sprecher des türkischen Präsidialamts, Ibrahim Kalin, am Donnerstag. Dies hätte Konsequenzen nicht nur für den Irak, sondern für die gesamte Region.

Die Flüchtlingsorganisation UNHCR berichtete bereits im August: „Die Flucht- und Vertreibungssituation im Irak droht sich mit den Militäraktionen auf die Stadt Mossul dramatisch zuzuspitzen. (…) Mossul ist die zweitgrößte Stadt im Irak und die humanitären Auswirkungen einer Militäroffensive wären enorm. Bis zu 1,2 Millionen könnten betroffen sein (…) Im Irak herrscht bereits jetzt eine der weltweit größten Flucht- und Vertreibungskrisen. Etwa 3,38 Millionen Menschen sind seit Januar 2014 geflohen, viele von ihnen sind Familien, die mehrfach zur Flucht gezwungen wurden.“

Die Türkei streitet sich mit dem Irak, wer sich an der Eroberung Mossuls beteiligen soll. Kalin kritisierte, dass auch Extremisten der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK aufseiten des Iraks kämpfen. Die Türkei will verhindern, dass kurdische Separatisten in der Region mehr Einfluss erlangen.

Die USA hatten der Türkei angeboten, sich an der Militäraktion zu beteiligen. Doch die Türkei lehnte ab, weil sie unter keinen Umständen mit der kurdischen YPG gemeinsam kämpfen will. Die Amerikaner wollen jedoch die YPG als Partner weiter an Bord haben.

Die Türkei fürchtet jedoch den Ausbruch eines Konflikts zwischen den irakischen Volksgruppen nach der Eroberung von Mossul. Man sei entschlossen dafür zu sorgen, dass sich nicht „Blut und Feuer“ in der Region ausbreiteten, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch. Auch Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die Zusammensetzung der Bevölkerung in der Stadt sei über Jahrhunderte gewachsen. „Die Menschen würden nicht zulassen, dass man die ethnische Struktur ändert.“ Die türkischen Soldaten im Nordirak würden dort bleiben, bis die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Mossul vertrieben worden sei.

Die Millionenmetropole Mossul gilt als faktische Hauptstadt des IS im Irak. Wann die lange angekündigte, vom Westen unterstützte Offensive beginnen soll, ist unklar. Die Türkei bildet im Militärlager Baschika unweit von Mossul unter anderem sunnitische Einheiten für den Angriff aus. Auch die Bevölkerung dort besteht überwiegend aus Sunniten. Die von Schiiten beherrschte Regierung in Bagdad will jedoch, dass ihre Truppen die Führung übernehmen. Es wird befürchtet, dass es zu Gewalt oder Racheakten bei der Erstürmung kommen könnte. Im Irak kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen Sunniten und Schiiten.

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