Tengelmann-Rettung gescheitert: Tausende Arbeitsplätze in Gefahr

Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann steht vor der Zerschlagung. Tausende Mitarbeiter müssen mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen.

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Die Gespräche über die Rettung der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann sind gescheitert. Nun steuert die Kette mit über 15.000 Beschäftigten auf die Zerschlagung zu. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kündigte am Donnerstagabend an, den Verkaufsprozess einzuleiten. Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel mahnte bei allen Beteiligten nochmals ernsthafte Bemühungen an, eine tragfähige Lösung für die Mitarbeiter zu finden. „Die Nachricht eines möglichen Scheiterns der Verhandlungen wäre erschütternd“, erklärte er.

Rewe-Chef Alain Caparros verkündete am Donnerstagabend das Ende der Verhandlungen um die Zukunft der verlustreichen Kette, Edeka und Tengelmann bestätigten das Aus. „Es gab und gibt bis jetzt kein ernsthaftes, überprüfbares und rechtlich umsetzbares Angebot an Rewe für eine konstruktive Lösung“, erklärte Caparros. Rewe könne die Klage gegen die Ministererlaubnis aber nicht ohne einen fairen Interessenausgleich zurückziehen, betonte er. „Wir müssen leider feststellen, dass die Kläger nicht bereit sind, konstruktiv an Lösungen zu arbeiten und ihre Beschwerden zurückzuziehen“, erklärte dagegen Tengelmann-Chef Haub mit Blick auf Rewe. „Für uns heißt das, dass wir jetzt mit der Vorbereitung der Einzelverwertung des Unternehmens beginnen müssen.“

Tengelmann werde in der kommenden Woche beginnen, für das Filialnetz in Nordrhein-Westfalen sowie die Fleischwerke in Viersen, Donauwörth und Perwenitz Interessensbekundungen einzuholen, kündigte Haub an. Die Märkte in Bayern und Berlin sollten dann „zeitverzögert“ dazukommen. Er befürchte aber, dass „für zahlreiche Filialen kein Supermarktbetreiber gefunden werden kann“. Deshalb stehe „eine große Zahl von Mitarbeitern vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze“. Verhandlungen um einen Sozialplan sollten beginnen. Er ließ aber noch eine Hintertür offen: Er wolle „parallel zur Vorbereitung des Abwicklungsszenarios weiter versuchen, den Weg zum Vollzug der Ministererlaubnis frei zu machen“.

Haub wolle „Kaiser’s Tengelmann in für ihn wirtschaftlich optimaler Weise in Paketen veräußern“, warf Caparros Haub vor. Edeka erklärte dagegen, es dränge sich der Eindruck auf, dass Rewe an keiner Lösung im Rahmen der Ministererlaubnis interessiert gewesen sei.

Vor zwei Jahren hatte Haub den Verkauf von Kaiser’s Tengelmann an den Branchenprimus Edeka verkündet. Das Bundeskartellamt untersagte die Fusion aber im Frühjahr 2015. Edeka und Tengelmann wandten sich an Wirtschaftminister Gabriel. Dieser gab im März 2016 grünes Licht und hebelte so das Veto des Kartellamts aus. Doch die Konkurrenten Rewe, Norma und Markant klagten mit Erfolg gegen die Sondererlaubnis, das Oberlandesgericht Düsseldorf kippte sie im Juli. Für die Beschäftigten ging damit wieder das große Zittern los – denn Haub drohte nun offen mit der Zerschlagung der Kette und setzte ein entsprechendes Ultimatum.

Die Gewerkschaft Verdi schaltete sich als Vermittler ein und versuchte, mit einem Gipfeltreffen der Supermarkt-Chefs eine Lösung zu finden. Die in erbitterter Konkurrenz stehenden Unternehmen hatten sich erst in der vergangenen Woche auf das Ziel einer Umsetzung der Ministererlaubnis verständigt. Doch dazu hätten Rewe, Norma und Markant ihre Klagen zurückziehen müssen. Dies ist nun vom Tisch.

Mit dem Scheitern der Gespräche steuert Kaiser’s Tengelmann auf eine endgültige Zerschlagung zu. Die Sozial-Auflagen der Ministererlaubnis, die auf einen Erhalt der Arbeitsplätze zielten, gelten für neue Käufer nicht mehr. Im Hintergrund lauerten schon Interessenten für das Supermarkt-Netz Tengelmanns, sagen Branchenkenner. Dieses umfasste Ende 2015 noch über 446 Märkte – 133 davon in Berlin, 188 in Bayern und 125 in Nordrhein-Westfalen. Unter anderem habe es bereits Gespräche zwischen Haub und der Signa Holding des Karstadt-Eigners Rene Benko über Teile der Filialen gegeben, hatten Insider gesagt.

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