Saudi-Arabien behauptet: Massaker im Jemen war Irrtum

Die Saudis behaupten, der Angriff auf eine zivile Trauerfeier sei ein Irrtum gewesen. Damit wollen die Saudis - und mit ihnen die USA und Großbritannien - einer Anklage wegen eines Kriegsverbrechens entgehen. Ein Video zeigt allerdings, dass es sich beim Angriff sogar um einen Doppelschlag gehandelt hat, bei dem auch die ersten Helfer gezielt getötet wurden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Mehr als 140 Menschen im Jemen fielen nach Angaben aus Riad einem Irrtum zum Opfer: Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat am Samstag zugegeben, dass eines ihrer Kampfflugzeuge am 8. Oktober „irrtümlicherweise“ eine Trauerfeier in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bombardiert hat. „Wegen der Missachtung der Einsatzregeln und -prozeduren der Koalition sowie der Herausgabe falscher Informationen hat ein Flugzeug der Koalition irrtümlicherweise den Ort angegriffen und damit zivile Tote und Verletzte verursacht“, erklärte der von der Koalition eingesetzte Untersuchungsausschuss in Riad.

Der Angriff vom 8. Oktober mit mehr als 140 Toten hatte international für scharfe Kritik gesorgt und auch die USA in Bedrängnis gebracht, die die Militärkoalition mit Informationen, Munition und logistischer Hilfe unterstützen. Unter den Opfern waren hochrangige Offiziere der mit den Huthi-Rebellen verbündeten Militäreinheiten. Die schiitischen Aufständischen machten umgehend die Koalition verantwortlich, die seit März 2015 Luftangriffe auf die Huthis und ihre Verbündeten in der Armee fliegt.

Die Erklärung des Massakers als Irrtum erscheint zweifelhaft: Videoaufnahmen zeigen, dass die Halle zweimal kurz hintereinander mit Präzisionsangriffen getroffen wurde:

Die Koalition stand unter Druck, den Angriff rasch zu untersuchen. Der eingesetzte Ausschuss erklärte nun, es müssten „angemessene Maßnahmen“ gegen die Verantwortlichen getroffen werde und eine Entschädigung an die Familien der Opfer gezahlt werden. Der Ausschuss beschuldigte das Umfeld des jemenitischen Generalstabs, einen sofortigen Angriff angefordert zu haben, weil bewaffnete Huthi-Kämpfer versammelt seien.

Bei Luftangriffen des Militärbündnisses werden im Jemen immer wieder zivile Ziele bombardiert, darunter auch wiederholt Krankenhäuser. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete den Angriff auf die Trauerfeier angesichts der offensichtlichen Präsenz hunderter Zivilisten als mutmaßliches „Kriegsverbrechen“. Bei dem Angriff wurden auch 525 Menschen verletzt, 300 von ihnen schwer.

Die US-Regierung war bereits vor Jahren von den eigenen Juristen und Beamten gewarnt worden, dass die Zusammenarbeit mit den Saudis die USA in die Nähe der Mittäterschaft bei Kriegsverbrechen bringen könnten.

Ein Vertreter der Huthi-Rebellen teilte am Samstag mit, 115 Verletzte des Angriffs würden mit einem Flugzeug des Oman in das Sultanat ausgeflogen. Mit dem Flugzeug war zuvor eine Delegation der Huthi-Rebellen aus Maskat nach Sanaa gebracht worden.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick