Reduzierung der Treibhausgase: Öl-Staaten bekommen mehr Zeit

Die Öl-Staaten bekommen bei der Reduzierung Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) mehr Zeit. Insgesamt erfolgt der Ausstieg zu langsam.

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Klimaanlagen in Bangkok. (Foto: dpa)

Klimaanlagen in Bangkok. (Foto: dpa)

Im Kampf gegen den Klimawandel ist die Staatengemeinschaft einen großen Schritt vorangekommen. In der ruandischen Hauptstadt Kigali einigten sich am Samstag Vertreter von fast 200 Staaten darauf, den Gebrauch der vor allem in Kühlschränken und Klimaanlagen eingesetzten Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) zu reduzieren. Durch eine rasche Senkung des FKW-Verbrauchs könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern die Erderwärmung um ein halbes Grad Celsius gebremst werden. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks würdigte die rechtlich bindende Vereinbarung als „Meilenstein für den weltweiten Klimaschutz“.

Die Vereinbarung von Kigali würde im Falle ihrer Umsetzung bis zu einem Viertel zum angestrebten Ziel der internationalen Klimapolitik beitragen, die Erderwärmung insgesamt auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Stand vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. In dem Abkommen verpflichten sich die entwickelten Länder, wie die USA und die meisten europäischen Staaten, darunter auch Deutschland, den Einsatz von FKW-Gasen bis 2019 um zehn und bis 2036 um 85 Prozent zu verringern. Viele reiche Länder haben bereits den Gebrauch dieser Gase reduziert. Entwicklungsländern wird mehr Zeit eingeräumt. Zwei Gruppen sollen deren Verwendung bis entweder 2024 oder 2028 einfrieren und dann schrittweise abbauen. Indien, dem Iran, dem Irak, Pakistan und den Golf-Staaten werden längere Fristen eingeräumt.

Diese Verzögerung ist problematisch – und nicht nur aus Klimaschutzgesichtspunkten: Schon heute tobt im Nahen Osten ein teilweise offen militärisch ausgetragener Energie-Krieg, der in den kommenden Jahrzehnten nicht abebben wird. Denn gerade in der Übergangszeit bis zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens werden Öl und Gas eine besondere Rolle spielen. Es wäre besser, man würde die Öl-Staaten motivieren, ihr Geld für Innovationen statt für Waffen zu verwenden.

Fluorkohlenwasserstoffe gelten als besonders klimaschädlich. Mit den Beschlüssen wird das Montrealer Protokoll von 1987 fortgeschrieben, mit dem das Verbot der damals in Spraydosen und Kühlschränken gebräuchlichen ozonzerstörenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) vereinbart worden war. Anders als das 2015 ausgehandelte Klimaschutzabkommen von Paris hat die jetzt getroffene Vereinbarung rechtlich bindende Wirkung.

Umweltgruppen hatten laut Reuters ein ambitioniertes Abkommen verlangt. Sie verwiesen darauf, dass bis 2050 rund 1,6 Milliarden neue Klimaanlagen in Betrieb genommen werden dürften – vor allem in Asien, Lateinamerika und Afrika. Die Hilfsorganisation Christian Aid bedauerte, dass sich einige Länder für ein langsameres Vorgehen entschieden hätten.

Wissenschaftler rechnen indischen Angaben zufolge damit, dass das Auslaufen des FKW-Gebrauchs zwischen vier und sechs Milliarden Dollar kosten dürfte. Russland geht dagegen nach eigenen Schätzungen von Kosten in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar aus.

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