Russland und Syrien fürchten Einsatz von IS-Söldnern in Syrien

Russland und Syrien fürchten, dass mit dem Angriff auf Mossul ein Fluchtkorridor für ISIS-Kämpfer entstanden ist. Diese könnten sich nach Syrien absetzen und dort zum Einsatz kommen.

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US-Außenminister John Kerry bei einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, Moskau Dezember 2015. (Foto: dpa)

US-Außenminister John Kerry bei einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, Moskau Dezember 2015. (Foto: dpa)

Die syrische Armee wirft der US-geführten Koalition in Mossul vor, einen sicheren Durchgang in Syrien für ISIS-Kämpfer geschaffen zu haben, damit diese in Richtung Syrien fliehen. Die Armee in Damaskus meldete in einer Erklärung am Dienstag, dass Washington und Riyad die Straßen sichern lassen, um den ISIS-Kämpfern den Rückzug zu ermöglichen und „neue Schlachtfelder“ in Ost-Syrien zu schaffen, berichtet Reuters in seinem englischsprachigen Dienst. Die geflüchteten ISIS-Kämpfer sollen deshalb mit allen Mitteln der syrischen Armee bekämpft werden. „Jeder Versuch, die Grenze zu überqueren, ist ein Angriff auf die Souveränität Syriens (…) und wird mit allen verfügbaren Kräften bekämpft werden“, so die syrische Armee. Die syrische Armee sagte nicht, worauf sie ihre Behauptung stützt.

Die Militäroperation auf Mossul wurde bereits seit Ende Juli geplant. Der US-Regierung geht es nach offiziellen Angaben darum, so viel Land wie möglich von ISIS zurückzuerobern. Die ISIS-Kämpfer in Syrien kontrollieren die Versorgungswege von der syrischen Stadt Deir Ezzor nach Mossul. Sie kontrollieren immer noch die syrische Stadt Al-Bukamal, in der Nähe eines Grenzübergangs in die Irak-Anbar-Provinz und eine lange Liefer- und Kommunikationslinie zwischen beiden Ländern.

Die US-Luftwaffe hatte vor einem Monat irrtümlich syrische Truppen in Deir Ezzor bombardiert, die dabei gewesen sind, ISIS-Kämpfer aus der Stadt zu vertreiben. Bei dem Angriff kamen 62 syrische Soldaten ums Leben und weitere 100 wurden verletzt.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat am Dienstag seine Bedenken über den Rückzug von ISIS aus Mossul geäußert. Die Nachrichtenagentur Tass zitiert Lawrow: „Die Stadt ist zwar umzingelt, doch nicht komplett umzingelt (…). Ich weiß nicht, warum (…). Es ist zu hoffen, dass sie gescheitert sind und nicht bewusst zögern, um die Stadt komplett zu umzingeln (…). Jedenfalls ist der verbleibende Korridor mit dem Risiko behaftet, dass der Islamische Staat sich von Mossul nach Syrien zurückzieht (…). Natürlich werden wir die Situation im Auge behalten und politische und militärische Entscheidungen treffen, wenn dies geschieht (…). Wenn in Syrien, wo sich unser Militär auf Wunsch der legitimen Regierung befindet, ISIS-Kontingente auftauchen.“

Lawrow hofft, dass der aktuelle Fluchtkorridor in Mossul der Terror-Miliz ISIS nicht vorsätzlich geschaffen wurde, um den Rückzug von ISIS nach Syrien und folglich nach Aleppo zu ermöglichen.

Die irakischen Streitkräfte hatten am Montag mit dem lange zuvor angekündigten Sturm auf Mossul begonnen und versuchen mit Hilfe von kurdischen und schiitischen Milizionären, ISIS aus der Stadt zu vertreiben. Regierungstreue Kämpfer vertrieben die Dschihadisten aus mehreren Dörfern rund um Mossul, wie ein Sprecher der irakischen Anti-Terror-Einheiten erklärte. Unterstützt wurden sie von Kampfjets der US-geführten Militärallianz. Auch britische, französische und US-Spezialkräfte waren vor Ort, um die irakischen Einheiten zu beraten.

Centcom meldet einige Aktionen und Lufteinsätze. Es ist allerdings unklar, wieviele Söldner sich überhaupt noch in Mossul befinden:

Ein Einwohner von Mossul sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Straßen der Stadt seien leer. „In uns ist Freude, weil wir das Gefühl haben, dass wir vor unserer Rettung stehen“, sagte der 47-jährige Ex-Firmenchef Abu Saif. Zugleich herrsche Angst vor Racheakten des IS.

Hunderte Christen aus der Stadt Karakosch haben laut AFP den Einsatz der irakischen Regierungstruppen zur Befreiung ihres Heimatorts von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefeiert. „Heute ist ein glücklicher Tag. Es gibt keinen Zweifel, dass unsere Heimat befreit wird, und wir danken Gott, Jesus Christus und der Jungfrau Maria“, sagte einer der Feiernden, Hasem Dschedschu Cardomi, am Dienstag in einer Kirche der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil.

Die Regierungstruppen hatten zuvor mehrere Viertel von Karakosch zurückerobert. Die Stadt 15 Kilometer südöstlich von Mossul wurde seit August 2014 von den Dschihadisten kontrolliert. Es ist unklar, ob sich noch IS-Kämpfer in der Stadt befinden. Vor der Blitzoffensive der IS-Miliz im August 2014 lebten rund 50.000 Menschen in Karakosch, die meisten von ihnen Christen, doch zwang der Vormarsch der sunnitischen Extremistengruppe praktisch alle Einwohner zur Flucht.

Karakosch war die größte christliche Stadt des Irak. George Dschahola, ein christlicher Flüchtling aus Karakosch, sagte bei den Feiern in Erbil, auch wenn ihre Häuser zerstört seien, wollten die Einwohner in ihre Heimatstadt zurückkehren. Die irakische Armee hatte in der Nacht zu Montag mit der Unterstützung kurdischer und schiitischer Milizen eine seit langem erwartete Großoffensive zur Rückeroberung von Mossul gestartet. Es wird aber ein langwieriger Kampf um die Großstadt erwartet.

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