Lesezeit: 1 min
12.08.2013 12:01
Die dänische Regierung möchte die nächsten Wahlen nutzen, um weitere Souveränitätsrechte an Brüssel abzugeben. Doch die Wähler könnten der Politik einen Strich durch die Rechnung machen: 62 Prozent der Dänen sind gegen den Euro.
Dänemark plant EU-Referendum

Mehr zum Thema:  
Europa >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  

Im Mai kommenden Jahres wählen die Dänen ihre 13 EU-Abgeordneten. Gleichzeitig sollen sie in einem Referendum eine weitere Annäherung Dänemarks an Brüssel bestätigen.

Am Montag wird der Chef der oppositionellen Liberalen Partei und frühere dänische Premier Lars Lokke Rasmussen vorschlagen, dass Dänemark Ausnahmeregelungen in den Bereichen Verteidigung und Justiz außer Kraft setzen. Diese existieren seit 20 Jahren. Die eigene Währung soll vorerst nicht angerührt werden. Der EUobserver zitiert aus einem Interview Rasmussens mit dem dänischen Politiken:

„Die Zeit ist reif, dass wir diese Vorbehalte beseitigen müssen. Deren negativen Effekte vor allem der Ausnahmeregelung bei der Justiz sind so drängend, dass es verantwortungslos wäre, sie fortzusetzen. Bedingung ist, dass es eine breite Zustimmung in Schloss Christiansborg [dem dänischen Parlament] gibt. Und genau das biete ich an.“

Die derzeitige Regierung von Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt hatte bereits ein entsprechendes Referendum geplant. Thorning-Schmidt zog die Pläne jedoch wegen der „Sorge und Unsicherheit“ im Zusammenhang mit dem europäischen Projekt im Juni 2012 zurück.

Dänemark erhielt im Rahmen des Maastricht-Vertrags im Jahre 1992 vier Ausnahmeregelungen. Mit diesen Ausnahmeregelungen stimmte die dänische Bevölkerung 1993 in einem zweiten Referendum dem Vertrag zu.

Die Teilnahme am EU-Patentgericht ist ein weiteres Thema, das ebenfalls einen Verlust an Souveränität bedeuten würde, sagte Dänemarks Justizminister. Zur Zustimmung Dänemarks zu diesem Gericht bedarf es einer Fünf-Sechstel-Mehrheit im Parlament oder eines Referendums.

Doch trotz der massiven Unterstützung im Parlament könnte das dänische Volk den geplanten Annäherungen an Brüssel einen Strich durch die Rechnung machen. Eine aktuelle Umfrage des Danish Greens Analyseinstitut zeigte, dass 62 Prozent der Dänen gegen den Euro sind und dass nur 39 Prozent für einen Beitritt ihres Landes zur EU-Justizpolitik sind. Nur bei der Verteidigung sind 55 Prozent für eine Abschaffung der dänischen Ausnahmeregelung.

Die Idee, die Europawahl im Mai 2014 mit einem Referendum über eine weitere Aufgabe von Souveränitätsrechten zu verbinden ist für die Regierung hochriskant. Denn sie würde wahrscheinlich dazu führen, dass sich vermehrt euroskeptische Wähler an die Urnen gehen und auch entsprechend wählen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Europa >

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Unser neues Magazin ist da: Wie Deutschland von Krisen und Kriegen profitiert
17.02.2024

Die dramatischen Ereignisse der vergangenen Monate und Jahre haben die Welt in eine Zeit der Unsicherheit und Veränderung gestürzt. Mit...

DWN
Politik
Politik US-Außenminister: Tod Nawalnys belegt „Schwäche und Fäulnis“ von Putins System
16.02.2024

Der Tod des russischen Regimekritikers Alexej Nawalny hat weltweit für große Bestürzung, teilweise auch für Empörung gesorgt. Der...

DWN
Politik
Politik Geheimakte Hans Georg Maaßen: Das Dossier des Verfassungsschutzes ist umfangreich, aber inhaltlich dünn
16.02.2024

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sind im Besitz der Verfassungsschutz-Akte von Hans-Georg Maaßen. Über 20 Seiten hinweg hat der...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Rekordhoch: Deutscher Leitindex durchbricht erstmals die 17.100-Punkte-Marke
16.02.2024

Der Deutsche Aktienindex DAX hat im Freitagshandel einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht - und erstmals die historische Marke von...

DWN
Politik
Politik Dauerrezession: DIHK fürchtet historische Krise
15.02.2024

Die Industrie- und Handelskammer sieht Deutschlands Zukunft äußerst pessimistisch. Man rechnet auch 2024 mit einer schrumpfenden...

DWN
Immobilien
Immobilien Widerstand wächst: Kippt die Grundsteuerreform 2025?
16.02.2024

Eigentümer, aufgepasst: Laufende Klagen könnten die Reform der Grundsteuer noch kippen! Die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den...

DWN
Politik
Politik Bestürzung über Tod von Kreml-Kritiker Nawalny - Putin „wie ein Mafia-Pate“
16.02.2024

Der Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nalwalny erschüttert auch in Deutschland viele. Manche in Berlin sprechen von „politischem Mord“.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Exportwachstum: Elektroindustrie in Deutschland trotzt Herausforderungen
16.02.2024

Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie hat 2023 ein Exportwachstum erzielt - trotz einiger Herausforderungen. China bleibt...