Bernd Lucke: „Schäuble weiß, dass AfD Rot-Rot-Grün verhindert“

Der Chef der eurokritischen Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, glaubt nicht, dass Wolfgang Schäuble mit seinen Griechenland-Aussagen die AfD strategisch unterstützen wollte. Er könne jedoch nicht sagen, ob sich Schäuble wirklich nur verplappert habe.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Überrascht Sie der neuerliche Finanzbedarf von Griechenland?

Bernd Lucke: Nein. Wenn man einen Primärüberschuss von 2,6 Mrd Euro bei einem Schuldenstand von 350 Mrd Euro hat, ist der Finanzbedarf doch offensichtlich. Genauso wie es offensichtlich ist, dass das Land besser einen Schuldenschnitt als ein weiteres, die Verschuldung erhöhendes Rettungspaket bekäme.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Waren Sie überrascht, dass Finanzminister Schäuble das Thema vor der Wahl aufgreift?

Bernd Lucke: Ja. Ich war mir sicher, die Regierung wollte das Thema totschweigen. Wahrscheinlich hat Schäuble sich verplappert. Aber ganz sicher bin ich mir nicht.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Glauben Sie, dass die Regierung genau zuhört, was die AfD macht und versucht, Ihnen die Kunden abspenstig zu machen?

Bernd Lucke: Ja. Ich glaube, wir werden sehr genau beobachtet.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Der CDU-Generalsekretär hat gesagt, dass Schäuble das absichtlich gesagt hat – um nach der Wahl dann Griechenland wieder massiv zu helfen. Denkbar?

Bernd Lucke: Denkbar, aber wahlkampfstrategisch macht es nicht viel Sinn. Allerdings macht Schäubles Handeln auch ökonomisch nie viel Sinn.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben Sie mit Schäuble oder Merkel einmal über das Thema geredet?

Bernd Lucke: Nein.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihr Mitstreiter, Prof Starbatty, hat in einem Interview gesagt, Schäuble wollte mit dieser Aussage bewusst der AfD helfen, um eine Koalition zu bauen. Ist das denkbar?

Bernd Lucke: Schäuble weiß natürlich, dass man rot-rot-grün am sichersten verhindert, wenn die AfD in den Bundestag kommt. Aber dass er das strategisch herbeiführen will, bezweifle ich. Und wenn er glaubt, dass die AfD seine Euro-Politik stützen würde, dann irrt er sich. Gewaltig.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Für welche Koalitionen sind Sie offen?

Bernd Lucke: Für jede, die die Eurorettungspolitik beendet. Für keine andere.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Gibt es Kontakte zur CDU? Tauschen Sie sich irgendwo aus?

Bernd Lucke: Kein Kommentar.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben Sie Kontakte zu FDP?

Bernd Lucke: Nicht zur Parteiführung.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was halten Sie von einer Koalition CDU, FDP, AfD – wäre doch besser als Rot-Rot-Grün, oder?

Bernd Lucke: Eine Koalition ist kein Selbstzweck. Es hängt von den Inhalten ab.

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