Geheime Mission: Grüner Ströbele trifft Snowden in Moskau

Die deutschen Politiker überbieten sich in ihren Bemühungen um Aufklärung. Der Grüne Hans-Christian Ströbele ist auf Steuerzahler-Kosten nach Moskau geflogen, um Edward Snowden zu treffen. Er will am Freitag auf einer Pressekonferenz auspacken. Die Amerikaner halten Ströbele irrtümlicherweise für einen Griechen.

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Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat nach Angaben seines Büros den Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in Moskau getroffen. Dieser habe Ströbele am Donnerstag einen Brief überreicht, der unter anderem an die Bundesregierung, den Bundestag und den Generalbundesanwalt adressiert sei. Inhalte und Konsequenzen dieses Briefes werde Ströbele Freitagmittag bei einer Pressekonferenz näher erläutern, war auf der Website Ströbeles am Abend zu lesen.

Weitere Details waren aus Ströbeles Büro am Donnerstagabend nicht erhältlich. Dort wurde lediglich auf die Pressekonferenz verwiesen.

Ströbele ist Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums für Geheimdienste.

Snowden hat ein großangelegtes Überwachungsprogramm der US-Geheimdienste enthüllt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel soll ausspioniert worden sein. Er hatte sich nach Russland abgesetzt, wo ihm vorläufiges Asyl gewährt wurde.

Snowden wird nach Angaben seines Anwalts nichts zu den Spähangriffen der NSA auf Bundeskanzlerin Angela Merkel aussagen. Snowden halte sich in Russland auf und beachte dessen Gesetze, sagte sein Anwalt Anatoli Kucherena der russischen Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag. Der Anwalt sagte jedoch nicht, aufgrund welches Gesetzes Snowden nichts zu Merkels Handy sagen könne. Snowden könne nicht ins Ausland reisen, weil er sonst seinen gegenwärtigen Status verlöre. Russland gewährt ihm vorläufiges Asyl.

Der Anwalt sagte zudem, Snowden werde von Freitag an für eine große russische Firma arbeiten. Einen Namen nannte er nicht. Es ist nicht überliefert, ob es sich eventuell um eine PR-Firma handelt.

Den Eindruck könnte man nämlich nach der nicht enden wollenden moralischen Empörung der deutschen Politiker gewinnen.

Edward Snowden garantiert nämlich auch jenen deutschen Politikern unverhoffte öffentliche Aufmerksamkeit, die sich zu wichtigen Themen – etwa der Euro-Krise – aus Prinzip nicht äußern wollen (mehr zu Ströbele und der deutschen Souveränität – hier).

Man könnte den Eindruck gewinnen, Snowden sei Mitarbeiter einer geheimen PR-Agentur: Er ist zu einem Medium geworden, in dem Politiker Standfestigkeit und Tapferkeit vor dem Feind beweisen können.

Bezahlt wurde die Reise Ströbeles vom deutschen Steuerzahler.

Allerdings kann die PR-Leistung noch verbessert werden: Der Finanzblog Zerohedge hält Ströbele für einen Griechen und schreibt vom „German Greek politician Stroebele“.

Ja – es ist nur ein Tippfehler der hochgeschätzten Kollegen von ZH.

Aber ein sehr origineller.

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