EZB-Chef Draghi schließt Negativ-Zins nicht aus

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 1 min
23.01.2014 12:41
Mario Draghi schließt einen negativen Einlagezins für Banken nicht mehr aus. So wolle die EZB der Deflation in der Eurozone entgegenwirken. Es wird erwartet, dass die Banken die zusätzlichen Kosten durch den Negativ-Zins an ihre Kunden weitergeben.
EZB-Chef Draghi schließt Negativ-Zins nicht aus

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Notenbank habe „sehr viele Instrumente“ in petto, sagte Draghi. Auch die Einführung eines Strafzinses für Banken, die ihr überschüssiges Geld bei der EZB parken, schloss Draghi im Interview mit der NZZ nicht aus. Mit einem Strafzins könnten Banken dazu angeregt werden, mehr Kredite zu vergeben statt das Geld bei der EZB zu deponieren.

Ein solcher negativer Einlagezins gilt als ein Mittel, um die Kreditvergabe in den Krisenländern im Süden der Eurozone anzukurbeln. Gegner befürchten, dass Geldhäuser die Kosten auf die Kunden abwälzen (mehr hier).

Die EZB hatte ihren Leitzins im November auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, da die Teuerung in der Eurozone weit unter den Zielwert der Notenbank von knapp 2 Prozent gefallen war.

Die EZB sieht mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate von knapp 2 Prozent gewährleistet. Zuletzt lag sie jedoch nur bei 0,8 Prozent. Sollte die Inflation weiter niedrig bleiben oder die Preise sogar sinken, erwarten viele Ökonomen weitere Schritte der Notenbank.

Zugleich warnte der EZB-Chef vor zu großem Konjunkturoptimismus in der Eurozone. Es gebe zwar ermutigende Signale und erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, aber der Aufschwung sei noch schwach und „sehr ungleich verteilt“.

Ihn stimme allerdings zuversichtlich, dass das Wachstum nicht mehr allein von den Exporten getrieben werde, sondern allmählich auch von der Binnennachfrage. „Wir sind heute in der Situation, in der die USA vor rund anderthalb Jahren waren.“ Die Umfragewerte seien gut, die harten Wirtschaftszahlen aber noch unstetig.

Der Notenbankchef riet den Staaten in der Währungsunion dazu, die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen, aber wachstumsfreundlicher. „Also weniger Steuern und laufende Ausgaben, dafür mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung.“ Allerdings seien Strukturreformen zwingend notwendig.

Draghi kündigte zudem an, die Schwächen im europäischen Bankensektor schonungslos aufzudecken. „Generell ist im Finanzsystem Licht immer besser als Dunkelheit“, sagte er mit Blick auf den geplanten Gesundheitscheck der Großbanken durch die europäischen Aufsichtsbehörden. Nur wenn die Schwächen im Bankensektor sichtbar würden, könnten Gegenmaßnahmen ergriffen werden – „sei es durch Rekapitalisierung, Restrukturierung oder Abwicklung von Banken“.

Die EZB prüft vor der offiziellen Übernahme der Bankenaufsicht im Herbst die größten 128 Geldhäuser der Eurozone auf Herz und Nieren. Dabei unterzieht die Notenbank die Finanzinstitute zunächst einem intensiven Bilanzcheck. Dann folgt ein Stresstest.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Party ist vorbei: Deutsche Unternehmen im Ausland entwerfen düsteres Zukunfts-Szenario

Die Bundesregierung und eine ganze Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizieren ein baldiges Ende der Krise. Doch die...

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Corona-Demonstranten stürmen Belgrader Parlament

Am Freitagabend sind Demonstranten in Belgrad gewaltsam in das serbische Parlament eingedrungen. Protestierende warfen Steine und Flaschen...

DWN
Politik
Politik Corona-Nachwehen: Deutschland bereitet sich auf schwere Unruhen vor

Gewaltsame Unruhen in Deutschland und Europa werden Experten zufolge in den kommenden Monaten wegen sozialer und wirtschaftlicher Miseren...

DWN
Politik
Politik Von jedem verdienten Euro bleiben dem Arbeitnehmer nur 47,9 Cent

Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass einem Arbeitnehmer von jedem verdienten Euro nur 47,9 Cent zur freien Verfügung bleiben....

DWN
Finanzen
Finanzen Bauern rechnen mit Importschwemme an billigem US-Rindfleisch

Deutsche Bauern warnen vor einer Importschwemme an billigem US-Rindfleisch. Sollen die Bürger künftig auch für US-Billigfleisch eine...

DWN
Technologie
Technologie Microsoft patentiert Kryptowährung, die den menschlichen Körper zum Mining nutzt

Microsoft hat eine Methode zur Validierung von Transaktionen mit Kryptowährungen patentiert, wobei die Gehirnaktivität von Personen und...

DWN
Deutschland
Deutschland Ursula von der Leyen holt deutsche Top-Juristin in Expertengruppe

Die EU-Kommission hat die deutsche Juristin Jessica Schmidt in eine Expertengruppe berufen. Schmidt soll die EU-Kommission unter anderem...

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutliche Mehrheit kann sich Söder als Bundeskanzler vorstellen

Nach mehreren Monaten Corona-Krisenmanagement können sich 64 Prozent der Bürger, also fast zwei Drittel, den CSU-Chef Markus Söder als...

DWN
Politik
Politik Speditionen kritisieren neues EU-Gesetz zum Schutz von Fernfahrern

Das EU-Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, wonach europäische Fernfahrer ihre vorgeschriebene Ruhezeit nicht mehr im Lkw, sondern im...

DWN
Deutschland
Deutschland Niedrigster Anstieg der Baupreise seit drei Jahren

Der Wohnungsbau in Deutschland wird weiterhin teurer - doch die Preise steigen nicht mehr so stark wie in den drei zurückliegenden Jahren....

DWN
Politik
Politik Ab 13. Juli: Mallorca führt Schutzmasken-Pflicht „überall im öffentlichen Raum“ ein

Ab kommenden Montag soll auf Mallorca „überall im öffentlichen Raum“ die Schutzmasken-Pflicht gelten. Auf Mallorca hatte es in den...

DWN
Finanzen
Finanzen Französischer Notenbank-Chef: EZB wird bei Gestaltung ihrer Geldpolitik noch "erfindungsreicher" werden

Die EZB wird bei Bedarf noch erfindungsreicher bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik werden, sagt der französische Notenbank-Chef und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Sommer an den Aktienmärkten wird turbulent

Jetzt beginnt wieder die schönste Zeit des Jahres, der Sommerurlaub, in dem auch mal abgeschaltet wird und die Seele baumelt. Aber wie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Ernte hinkt dem Vorjahresniveau weit hinterher

Im laufenden Jahr hinkt die Agrarproduktion in Russland stark hinter den Vorjahresergebnissen hinterher.

celtra_fin_Interscroller