Trauma-Bekämpfung soll mit Elektro-Schocks möglich werden

Lesezeit: 2 min
05.03.2014 00:02
Wissenschaftler setzen auf die verpönte Elektrokrampftherapie, um unangenehme Erinnerungen zu löschen. Denn schlechte Erfahrungen brennen sich unwiderruflich in unser Gedächtnis ein. Sie können Angststörungen auslösen oder zu Persönlichkeitsstörungen führen.

Der Einsatz von Elektroschocks zur Behandlung von psychisch Kranken ist äußerst umstritten. In den Niederlanden und in Großbritannien etwa wird die Elektrokrampftherapie (ECT) aber noch immer als letztes Mittel zur Behandlung von schweren Depressionen eingesetzt. Doch die Forscher der Radboud Universität Nijmengen wollen nun genau darauf zurückgreifen, um eine neue Therapieform für posttraumatische Belastungsstörungen zu schaffen. Eine der Nebenwirkungen der ECT ist unter anderem der temporäre Gedächtnisverlust. Diese Nebenwirkung wollen sich die Wissenschaftler nun zunutze machen: Elektrische Impulse sollen zukünftig durch das Gehirn geleitet werden, um ganz gezielt bestimmte Erinnerungen einfach aus dem Gedächtnis zu löschen.

Eingreifen in Speicherprozess

Die Idee ist, schon im Prozess der Speicherung einer Erinnerung einzugreifen. „Erinnerungen sind in Verbindungen zwischen Zellen in ihrem Gehirn gespeichert“, zitiert die BBC  den Leiter der Studie,  Marijn Kroes. „Diese Verbindungen benötigen jedoch eine gewisse Zeit, um permanent bestehen zu bleiben.“  Wenn man genau in diesen Speicherungsprozess eingreift, „verliert sich die Verbindung zwischen den Zellen“ und somit müsste auch die Erinnerung verschwinden.

Für die Untersuchungen wurden Menschen genommen, die bereits mittels der Elektrokrampftherapie aufgrund ihrer schweren Depression behandelt werden. Den Teilnehmern wurden zunächst zwei Bildkarten gezeigt, von denen jede eine emotionale Geschichte erzählt. Ein paar Wochen später, kurz vor einer ECT-Sitzung, wurde den Teilnehmern noch einmal eine der Bildkarten gezeigt, um genau die Erinnerung an diese Bildkarte im Hirn zu aktivieren. Als sie 24 Stunden später gefragt wurden, die auf der Bildkarte gezeigte Geschichte, die sie kurz vor dem ECT gesehen hatten,  wiederzugeben, konnten sie dies nicht. Aber an die Bildkarte mit der anderen Geschichte, die sie nur einmal gesehen hatten, konnten sie sich ohne Probleme erinnern.

Während man derzeit bei den traditionellen Behandlungsmethoden den Patienten hilft, mit ihren traumatischen Erinnerungen umzugehen – weil man diese nicht ändern kann – soll die ECT-Methode zukünftig helfen, diese traumatische Erinnerung einfach zu löschen. Dafür nutzen die Wissenschaftler, wie zuvor beschrieben, den Moment, in dem die Erinnerung rückverfestigt wird.

Löschen von Süchten ebenfalls möglich

Dieser Speicherprozess interessierte auch die Wissenschaftler des Ernest Gallo Clinic and Research Censters. Sie sehen genau hier auch die Möglichkeit, Alkoholmissbrauch und andere Süchte zu behandeln. Den Forschern zufolge ist eine der wichtigsten Ursachen für einen Rückfall die Begierde, die durch eine Erinnerung und bestimmte Signale ausgelöst wird. Als sie Ratten dem Geruch oder dem Geschmack von Alkohol ausgesetzt hatten, bemerkten sie, dass es einen Moment gab, in dem die Erinnerung an das Verlangen nach Alkohol gerade rückverfestigt wurde und genau dann auch von außen geschwächt bzw. ganz gelöscht werden konnte.


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