Neue Kämpfe: Russland versetzt Armee in volle Gefechts-Bereitschaft

Lesezeit: 2 min
21.06.2014 18:20
Russland hat seine Truppen in volle Gefechts-Bereitschaft versetzt und seine Militärpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt. Die Russen haben ein einwöchiges Manöver an der Grenze zur Ukraine angekündigt. Die Kämpfe im Osten gingen am Samstag trotz einer angekündigten Waffenruhe mit voller Härte weiter.

Russland hat am Samstag sein Militär in „volle Gefechts-Bereitschaft“ versetzt. Es wurden zusätzliche Truppen an die Grenze zur Ostukraine entsandt.

Moskau warnt davor, dass die Kämpfe auf russisches Territorium übergreifen könnten. Nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdiensts (FSB) sollen bei Gefechten in Iswarino etwa 80 ukrainische Grenzsoldaten auf russisches Territorium gelangt sein, berichtet Interfax.

Nach Angaben des ukrainischen Militärs wurden in den Dörfern Yampil und Zakitne 300 Separatisten getötet (mehr hier).

Am Freitag hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einen Friedensplan vorgestellt und eine einwöchige Waffenruhe angekündigt. Poroschenko verlangt von den Separatisten in der Ostukraine die Niederlegung ihrer Waffen. Er garantiert Ihnen eine umfassende Straffreiheit.

Doch die Separatisten glauben dem ukrainischen Präsidenten nicht und lehnen das Angebot ab.

Im Osten der Ukraine sind ungeachtet der von der Regierung ausgerufenen einseitigen Waffenruhe neue Kämpfe zwischen der Armee und den prorussischen Separatisten ausgebrochen. Beide Seiten warfen sich am Samstag gegenseitig vor, sich nicht an die vom neuen Präsidenten Petro Poroschenko erklärten einwöchige Feuerpause zu halten. Russland versetzte zudem ungeachtet der Appelle westlicher Staaten zur Deeskalation seine Truppen in Zentralrussland in volle Gefechtsbereitschaft und kündigte ein einwöchiges Manöver an. Die ukrainische Regierung sprach auch von einer weiteren Verstärkung der russischen Truppen an der gemeinsamen Grenze.

Ein Armeesprecher erklärte in Kiew, zwei Posten an der Grenze zu Russland seien von Heckenschützen und mit Granatwerfern angegriffen worden. Dabei seien neun Soldaten verletzt worden. Im Landesinneren seien weitere zwei Posten mit Maschinengewehren sowie Granatwerfern beschossen worden. Auch im Umland der Separatistenhochburg Slawjansk versuchten demnach die Rebellen, einen von der Armee gehaltenen Hügel zu stürmen. "In all diesen Vorfällen wurden die Rebellen abgewehrt", sagte Sprecher Wladislaw Selesniow.

Die Rebellen warfen dagegen der Regierung vor, sich nicht an ihren Waffenstillstand zu halten. "Ich habe mit unserem Kommandeur Igor Strelkow gesprochen, und er sagte, die Kämpfe wurden am Morgen fortgesetzt", sagte der Rebellenführer Pawel Gubarew dem russischen TV-Sender Rossiya-24. Entweder würden die Truppen dem Präsidenten nicht Folge leisten oder Poroschenko lüge.

Der Regierungschef der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai, warf der Regierung in Kiew vor, ihre Offensive unvermindert fortzusetzen. Vor Journalisten rief er Russland auf, Truppen zu entsenden.

Die Regierung in Kiew fürchtet, dass russisches Militär in die Kämpfe eingreifen könnte. "Die anhaltende Konzentration russischen Militärs und die erhöhten Aktivitäten nahe der Grenze zur Ukraine sind Anlass zu großer Sorge", erklärte das ukrainische Außenministerium. Zudem gebe es viele Beweise, dass die Rebellen von Russland aus mit Waffen und militärischem Material versorgt würden.

Vor der Ausrufung des Waffenstillstandes hatte das ukrainische Militär nach eigener Darstellung die Grenzregion wieder unter seine Kontrolle gebracht und damit die Nachschubwege der Rebellen abgeschnitten. Poroschenko will die vom ihm erklärte Waffenruhe nutzen, um einen Friedensplan umzusetzen, der das Land befrieden soll. Die Feuerpause begann am Freitag um 22.00 Uhr Ortszeit und soll bis zum 27. Juni andauern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier riefen Regierung wie Separatisten dazu auf, die Waffenruhe einzuhalten. Steinmeier bezog am Rande einer Türkei-Reise ausdrücklich Russland mit ein: "Wir erwarten, dass dieser Friedensplan unterstützt wird, auch aus Moskau, das die Grenze zur Ukraine sichern und auf die Separatisten in der Ost-Ukraine einwirken muss." Die USA und die EU haben Russland mit empfindlichen Wirtschaftssanktionen gedroht, sollte es nicht zur Deeskalation beitragen. Am Freitagabend hatte US-Präsident Barack Obama darüber mit Merkel und dem französischen Präsidenten Francois Hollande telefoniert. Die Sanktionsentscheidung könnte auf dem EU-Gipfel kommende Woche in Brüssel fallen.

Ungeachtet dessen versetzte Russlands Präsident Wladimir Putin nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Itar Tass seine Truppen im Zentrum des Landes in volle Gefechtsbereitschaft. Damit solle die Einsatzbereitschaft der rund 2000 Kilometer von der Ukraine entfernt stationierten Truppen überprüft werden, hieß es. Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte, es gehe unter anderem darum, die Verlegung von Truppen über große Entfernungen zu üben. Auch Fallschirmjäger seien an den Manövern beteiligt



DWN
Finanzen
Finanzen Anatomie einer Jahrhundert-Blase, Teil 3: Eine Dunkelziffer namens Inflation – das gesamte Finanzsystem basiert auf morschem Zahlenwerk

Die Entwicklung der Teuerung stellt einen der Ankerpunkte des gesamten weltweiten Finanzsystems dar. Schaut man sich ihre Berechnung an...

DWN
Politik
Politik Türkei: Neue Parteien sollen Sturz Erdogans herbeiführen

Ehemalige Weggefährten des türkischen Präsidenten Erdoğan gründen zwei neue Parteien. Sie wollen die Regierung und in der Folge...

DWN
Politik
Politik Europäische Umweltagentur will Ernährung, Energiekonsum und Mobilität der Menschen radikal ändern

Der Europäischen Umweltagentur zufolge wird Europa die Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn keine “dringenden Maßnahmen” ergriffen...

DWN
Deutschland
Deutschland Münchner Gericht: Klickarbeit ist keine richtige Arbeit

Der Niedriglohnsektor in Deutschland wird immer größer. Dazu gehört die Klickarbeit, wo Mitarbeiter auf Internetplattformen Mikrojobs...

DWN
Finanzen
Finanzen Hälfte der Deutschen erwartet Altersarmut, hat aber kein Geld zur Vorsorge

Einer aktuellen Studie zufolge sorgt sich etwa jeder Zweite vor Armut im Alter – kann aber aufgrund von Geldmangel nicht privat vorsorgen.

DWN
Deutschland
Deutschland Neue Industriestrategie: Staat fordert mehr Kontrolle bei Firmenverkäufen

Die erneuerte Industriestrategie zielt neben einigen Updates insbesondere auf eine verstärkte Kontrolle der Bundesregierung bei...

DWN
Politik
Politik Marsch in Richtung „FREXIT“? Frankreich kann sein üppiges Sozialsystem nicht mehr finanzieren

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Aus Protest gegen geplanten Reformen im Rentensystem haben die Gewerkschaften mehrere Generalstreiks...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Wirtschaftswissenschaft versteht den modernen Finanzkapitalismus nicht mehr

Seit der Krise von 2008 haben sich die Spielregeln im Finanzsystem und in der Weltwirtschaft grundlegend verändert. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion...

DWN
Politik
Politik Ein neuer Kalter Krieg? Auf den Weltmeeren wird kräftig aufgerüstet

Sowohl die Nato-Staaten als auch Russland und weitere Mächte haben in den vergangenen Jahren eine deutliche Aufrüstung ihrer maritimen...

DWN
Politik
Politik Deutsche bunkern Bargeld: Tresor-Hersteller erleben Hochkonjunktur

Die Deutschen bunkern ihr Bargeld vermehrt in Tresoren und Safes. Ein führender Tresorhersteller nennt die Angst der Bürger vor Niedrig-...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

DWN
Finanzen
Finanzen Russland: Ausländer investieren zunehmend in Rubel-Anleihen

Der Anteil der ausländischen Anleger an den Rubel-Staatsanleihen hat die 30-Prozent-Marke überschritten.

celtra_fin_Interscroller