Draghi drückt den Euro auf neuen Tiefststand

Lesezeit: 1 min
22.09.2014 17:14
Die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, das Gelddrucken zu verstärken, hat den Euro auf einen neuen Tiefststand gedrückt. Bundesbank-Chef Jens Weidmann spricht von einer gefährlichen Entwicklung der Europäischen Zentralbank.

Der Euro ist am Montag auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten gefallen. Am späten Nachmittag erreichte der Kurs der Gemeinschaftswährung 1,2821 US-Dollar und stand damit so tief wie seit Juli 2013 nicht mehr. Zuvor hatte EZB-Chef Mario Draghi die Möglichkeit weiterer Lockerungsschritte angedeutet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2845 Dollar festgesetzt.

Bei einer Anhörung vor dem Europaparlament bekräftigte Draghi die Bereitschaft zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik im Kampf gegen die flaue Konjunktur und die zu niedrige Inflation. Zuletzt war die Konjunkturerholung im Währungsraum ins Stocken geraten. In der vergangenen Woche hatten die Geschäftsbanken der Eurozone überraschend wenig neue Langfristkredite (TLTRO) bei der EZB nachgefragt. Einige Analysten hatten deswegen eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik ausgemacht.

Dagegen sieht Bundesbankchef Jens Weidmann in den jüngsten EZB-Beschlüssen eine gefährliche Weichenstellung der Notenbank. Im EZB-Rat habe die Mehrheit signalisiert, «dass die Geldpolitik bereit ist, sehr weit zu gehen und neues Terrain zu betreten», sagte er dem «Spiegel». «Es geht nicht mehr nur darum, die Kreditvergabe anzukurbeln, sondern nötigenfalls auch auf direktem Weg Geld in die Wirtschaft zu pumpen», sagte Weidmann, der ebenfalls Mitglied des EZB-Rats ist.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,78660 (0,78650) britische Pfund, 140,09 (139,84) japanische Yen und 1,2069 (1,2067) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 1213,50 (Freitag:1219,70) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 29.860,00 (29.990,00) Euro.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Telefonica: Europas viertgrößter Telekom-Konzern in der Schuldenspirale, die EZB hängt als Gläubiger mit drin

Um seine massiven Schulden zu tilgen, plant Telefonica einen spektakulären Rückzug aus allen Märkten Lateinamerikas. Doch die dringend...

DWN
Deutschland
Deutschland Während Ungelernte kommen: 180.000 Akademiker und Fachkräfte verlassen Deutschland jedes Jahr

Rund 180.000 gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker verlassen Deutschland jedes Jahr. Anstatt ständig den Zuzug ausländischer...

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Bulgarien: Amerikaner gehen gegen dominante Russen in die Offensive

In Bulgarien begegnen sich die Einflussbereiche der USA und Russlands. Aktuell scheinen die Amerikaner wieder einen Schritt voraus gemacht...

DWN
Technologie
Technologie Beginnt die Abkopplung der Supermächte? Huawei baut erstmals Handy ohne US-Bauteile

Das neueste Handy des chinesischen Herstellers Huawei kommt ganz ohne in den USA gefertigte Chips aus. Es könnte das erste Anzeichen für...

DWN
Technologie
Technologie Flixbus stellt einzige Strecke mit E-Fernbus ein

Flixbus stellt nach rund einem Jahr den Betrieb mit Elektrobussen ein. Das Elektrobusse nicht wettbewerbsfähig sind, hatte sich zuvor...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Regierung versucht Rezession mit riesigem Kreditprogramm abzuwenden

Seit Monaten schwächt sich die Produktion und der Export des Landes ab. Nun versucht die Regierung mit dutzenden Milliarden gegenzuhalten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Autozulieferer Bertrandt streckt Fühler nach Wasserstoff-Markt aus

Der schwäbische Industriedienstleister Bertrandt stemmt sich mit einem neuen Geschäftsfeld gegen den Abschwung. Der Markt dafür ist...

DWN
Politik
Politik Neue US-Behörde soll Länder vom Kauf chinesischer Technologie abhalten

Der Handelskrieg wird um eine Facette reicher. Eine neu geschaffene US-Behörde soll, ausgestattet mit einem Milliarden-Budget, Länder...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in den Dollar: Syriens Währung fällt auf Rekord-Tief

Der Kurs der syrischen Lira ist Anfang der Woche auf ein neues historisches Tief gesunken. Hintergrund ist nicht zuletzt die Krise im...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weißrussland ruft Serbien zu Beitritt in die Eurasische Wirtschaftsunion auf

Serbien hat bereits ein Abkommen mit der euroasiatischen Wirtschaftsunion (EAWU) unterzeichnet - der Konkurrenzorganisation zur EU. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Politik
Politik Moral predigen, Macht ausüben: Die Herrschaft der internationalen Organisationen

Eine neue Art von Akteuren spielt auf der Bühne der globalen Machtkämpfe mit. Doch ihnen und den etablierten internationalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebens- und Rentenversicherungen: Die Luft wird dünn, Finanzaufsicht kündigt Intervention an

Die Situation bei den deutschen Lebens- und Rentenversicherungen spitzt sich weiter zu. Ursächlich dafür ist die seit Jahren betriebene...

celtra_fin_Interscroller